Another Serbian Movie?!
Nicht von meiner Überschrift fehlleiten lassen - „Eight Eyes“ ist kein legendärer Schocker mit überkrasser Kombi aus Sex und Gewalt. Obwohl beides auch hier am Start ist, hat er mit „A Serbian Film“ eigentlich wenig bis nichts außer seinem Produktionsland gemein. Dennoch, da ich nun eure Aufmerksamkeit habe, möchte ich euch diesen langsamen, speziellen, gekonnten, wirren und waschechten Lowbudget-Okkultexploitationer vorstellen und eventuell unter Vorbehalt ans Horrorherz legen. Irgendwo zwischen Ostblockanticharme, „Speak No Evil“, Atmosphärebollwerk, Scorseses rohem Frühstil, „Hostel II“ und Polanskis geistreichen Untertönen der 70er kommen diese verstörenden Flitterwochen eines Pärchens durch Serbien von Vinegar Syndrome (!) produziert und zumindest stilistisch echt als Rohdiamant daher…
Slowburn or No-Burn?
Handkamera, Filmkorn und Unbehagen. Osteuropa ist für nicht wenige noch immer Ursprung von Kälte, Angst und Ungewissheit. In echt hat das kaum Hand und Fuß, dennoch bietet sich das für das „dreckigste“ Genre natürlich an. Unreinlichkeit, Nacktheit, billige Prostitution, Menschenhandel, Aberglaube, billigerer Alkohol, Betonblöcke, der europäische Hinterwald sozusagen für viele. Doch obwohl auch „Eight Eyes“ sexuelle Spannungen, herausplatzende Gedärme, Skelette und kranke Untertöne hat, exploitative Züge und mit diesem Image des Ostblocks spielt, hat er deutlich mehr mit entschleunigtem, haptischem Folk- und Okkult- und Paranoia- und Psychohorror der Siebziger zu tun als mit Folter und Perversitäten. Obwohl er gerade in Sachen Kopfkino schon krank, pervers und explizit werden kann. Manchmal auch ganz praktisch, sichtbar, fühlbar. Vinegar Syndrome kennt halt seine Vorbilder und Pappenheimer. Sleazy und exotisch ist das. Und manchmal sind Vorstellungskraft und Angst ja eh schlimmer als bösester Gore oder Splatter oder Rape und Revenge. „Eight Eyes“ ist wie eine unangenehme Spinne, die einen langsam aber unaufhaltsam mit ihrem Netz umhüllt. Und um dich herum tanzt ein dicker, nackter Mann mit Minipenis. Läuft! Ob man die kryptische Auflösung dann allerdings ergiebig genug findet, um das Sitzfleisch und die Geduld vorher zu rechtfertigen, muss jeder selbst entscheiden… Die Hauptdarstellerin ist jedenfalls süß. Der Look des Films ist grobkörnig und positiv schäbig. Es gibt eine sehr eklige, einprägsame Maske aus Wachs (?). Alles ist versifft und danach möchte man sich duschen. Die eingravierten englischen Untertitel passen. Aus der Zeit gefallen. Abstrakt. Gewagt. Ungemütlich. Modernes Bahnhofskino. Zeitlos. Fast mondo. Mamasöhnchen und Kunstkino. Vage. Aber macht's auch Sinn oder Spaß? Oder ist’s doch nur ein billiger Amateurfilm mit künstlerischem und verschleierndem Anstrich? Ich sage ganz klar: jein!
I don't want no short dick man!
Fazit: bizarrer Styler aus Serbien zwischen Mandala, Gehirn- und Dreckswäsche. Anfangs grob, hintenraus Collage. Mixed Bag. Fast bei sowas wie „Mandy“ oder „Behind The Black Rainbow“, nur noch ungeschliffener und undankbarer. Schwer. Visuell aber teils rauschhaft und schön-hässlich. Charakterlich und inhaltlich hat mich das allerdings kalt gelassen.