Review

Enthält Spoiler!

Anfang der 90er Jahre war der Slasher-Film eigentlich nicht viel wert. Während er sich in den 80er-Jahren, mit Filmen wie "Halloween" oder "Freitag der 13", etablierte und sich danach munter zu Tode ritt, sollte es erst 1996 wieder so weit sein, dass ein Slasher, namens "Scream", die Massen begeistern konnte. Dazwischen hielt sich bloß einen ganz hartnäckigen Kern am Slasher fest. Neben viel Schnulli sollte es dabei aber auch einige unbekannte Perlen geben, die durch den Verruf kaum einer kennt. "House of Pain" dürfte einer dieser Filme sein, denn Robert Englunds Ausflug an eine Ballettschule, die bald von einer Mordserie überrollt werden soll, funktioniert als Slasher ziemlich gut.

Die Story ist dabei natürlich nicht unbedingt das Wahre, auch wenn sie doch ein wenig anders ist, als die Üblichen. Denn hier sollen es mal die heiligen Hallen einer Ballett-Schule sein, die zum Mord-Schauplatz werden. Es geht um eine die junge Amerikanerin Jessica, die von ihrem Vater an die Ballettschule einer exzentrischen Lady geschickt wird, die von allen nur "Madame" genannt wird. Nachdem eine Freundin von Jessica, auf merkwürdige Art und Weise verschwindet, macht sie sich auf die Suche nach den Hintergründen. Doch bevor sie auf das grauenhafte Geheimnis kommen soll, müssen weitere Ballett-Mädchen ihr junges Leben lassen. Und somit ist eine typische Slasher-Geschichte gegeben, die sich aber, aufgrund des ungewöhnlichen Schauplatzes und so manch skurrilem Charakter, löblich aus dem Slasher-Einheitsbrei heraus zu filtern vermag.

Vor allem die exzentrische Figur der Madame, die Robert Englund nicht nur rein zufällig sehr ähnlich sieht, ist, für Genre-Verhältnisse, wunderbar gezeichnet worden und schafft es den Zuschauer nicht nur zu unterhalten, sondern auch gehörig zu gruseln. Das Auftreten der, im Rollstuhl sitzenden und genauso strengen wie mürrischen alten Dame, verfehlt ihre Wirkung nicht und lässt den Slasher-Freak nicht nur einmal erschaudern. Solche Figuren wünscht man sich wirklich des öfteren, in so einem Grusel-Streifen.

Aber auch sonst hält das ganze Treiben auf einem guten Slasher-Niveau. Die Frage nach dem Mörder bleibt, bis zu seiner frühen Auflösung, stetig präsent und wird, mit einer guten Ansammlung von möglichen Tätern, auch gekonnt und spannend in Szene gesetzt. Man mag sich zwar schon von Anfang irgendwo sicher sein, wer der Täter ist, doch ernsthafte Zweifel daran werden nicht nur einmal geschürt. Schade nur, dass die Auflösung auf diese Frage schon nach gut einer Stunde gezeigt wird. Da hätte man sich wirklich noch ein Eckchen mehr Zeit lassen dürfen, denn die ach so überraschende Wendung, die der Film dann kurz vor Schluss noch bereithält, dürfte dem wachsamen Auge des Zuschauers schon nach wenigen Minuten Film bekannt sein. Aber nun gut!

Was die Morde angeht, so wurde der Bodycount ziemlich gering gehalten, genauso wie die Menge von Blut, die hier verspritzt wird. Nein, der Mörder geht hier mal einen, vergleichsweise, harmlosen Weg, um seine Opfer um die Ecke zu bringen. Einmal wird gewürgt, ein zweites Mal erhängt und einmal, verschlossen vor dem Zuschauerauge, wird ein Opfer vor den Zug gestoßen. Dazu dann noch die Erschlagung mit einem Stock. Wer sich also nach einem größeren Blutvergießen sehnt, der wird hier definitiv enttäuscht. Wer aber eher auf andere Punkte, wie Spannung und Atmosphäre, wert legt, der wird nicht enttäuscht.

Denn was die Atmosphäre angeht, so knackt es auch hier gewaltig. Sowohl die Kameraführung als auch die Ausleuchtung der verschiedenen Sets ist optimal gelungen und verbreitet wirklich viel Atmosphäre, die von dem wunderbaren Soundtrack noch unterstrichen wird. Wie bei jedem "Ballettfilm" so gibt es natürlich auch hier Musikuntermahlungen aus bekannten Operetten, die allerdings, durch einen knackigen Score, immer wieder unterbrochen werden. Wohliges Frösteln ist also garantiert.

Nur ein paar Längen und das müde Ende müssen leider kritisiert werden. Leider schafft es auch "House of Paine" nicht so ganz, immer interessant zu bleiben. Vor allem die Einführung ist recht langatmig ausgefallen und hätte hier und da kürzer gefasst werden dürfen. Und das Ende will dann zudem gar nicht zum Rest der Handlung passen und enttäuscht mächtig. Hier wurde dann leider wirklich viel verschenkt und der Weg zur Slasher-Spitzengruppe mächtig verbaut. Schade drum!

Was die Darsteller angeht, so kann vor allem Robert Englund wieder voll und ganz überzeugen. Vor allem die Rolle der exzentrischen Madame wirkt ihm wie auf den Leib geschneidert. Selten habe ich mal einen Mann eine so gute Frauenrolle spielen sehen, wie Englund hier. Am Travestie-Theater hätte er sicher zu den Größten gehört. Aber auch die Mädels legen größtenteils ein ganz nette Sohle aufs Parkett. Mehr als die übliche Slasher-Kost wird dabei zwar nicht geboten, aber besser als so manch ihrer Kolleginnen aus anderen Genre-Filmen sind die Darstellerinnen allemal!

Fazit: Gelungener Slasher von 1991, der, sowohl mit seiner etwas unkonventionellen Geschichte, als auch mit seiner herrlich skurrilen Hauptfigur, für ein wenig Abwechslung im Slasher-Einerlei sorgt. Dazu dann noch eine knackige Atmosphäre und eine wirklich spannend ausgefallenes Szenario, die nur durch die etwas frühe Auflösung der Frage nach dem Täter, dem schlaffen Ende und der ein oder anderen Länge, nicht immer ganz makellos ist. Ansonsten aber ein wohlig gruseliges Slasher-Vergnügen, dass die Genre-Freaks nur so verschlingen dürften!

Wertung: 7/10 Punkte

Details
Ähnliche Filme