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Während das Publikum auf die im Sommer startende Comicadaption „Fantastic Four“, die dann so langsam aber sicher auch den Abschluss der Welle wichtigster Leinwandauftritte berühmter Marvel-Helden bildet, wartet, ist nur den wenigsten bekannt, dass es bereits eine Spielfilmversion zu den Comics gibt.
Niemand anderes als unser international erfolgreicher Vorzeigeproduzent Bernd Eichinger („Der Name der Rose“, „Resident Evil“, „Der Untergang“) sicherte sich im Jahr 1993 die Filmrechte und wurde vertraglich dazu verknebelt innerhalb eines Jahres auch einen Film auf die Beine zu stellen, da er die Rechte sonst wieder abtreten müsste. Mit dem Wissen im Hinterkopf, dass die Tricktechnik noch nicht weit genug vorangeschritten war und er niemals das immense Budget für eine adäquate Adaption aufbringen könnte, beauftragte er den legendären Roger Corman möglichst fix und kostengünstig einen Film zu realisieren, den man dann den Verantwortlichen vorlegen könnte. Corman produzierte tatsächlich innerhalb eines minimalen finanziellen Rahmens, stellte ihn fertig und übergab ihn Bernd Eichinger. Doch dem war nie daran gelegen den Film jemals zu veröffentlichen, sondern schloss ihn weg. Sein Ziel war einzig und allein die Rechte zu behalten und auf den Fortschritt in der Tricktechnik zu warten. Elf Jahre später sollte dann die eigentliche Verfilmung das Licht der Welt erblicken.

Wie sieht das kostengünstige Machwerk denn aber nun aus? Überraschend gut!
Da Bernd Eichinger über sein wahres Ansinnen alle im Dunkeln ließ, gab sich die Truppe um Roger Corman wirklich Mühe für etwas mehr als eine Millionen Dollar einen ordentlichen Film auf die Beine zu stellen. „The Fantastic Four“ ist ohne Frage ein trashiges B-Movie – doch weit besser als man es angesichts der Vorgeschichte erwartet.

Regisseur Oley Sassone („Bloodfist III: Forced to Fight“, „Fast Getaway II“) zimmerte auftragsgemäß einen ansehbaren Film zurecht, der zumindest alle wichtigen Bestandteile der Comics beinhaltet und an den üblichen Symptomen einer Comicadaption leidet. Denn bevor der Kampf Gut gegen Böse starten kann, müssen die wichtigen Charaktere vorgestellt werden. Bryan Singer („The Usual Suspects“, „Apt Pupil”) hat diesen Spagat beispielsweise mit seinen „X-Men“ das Problem wunderbar gelöst und ich bin ehrlich gespannt, wie Tim Story („Barbershop“, „Taxi“) das Problem in der Zweitverfilmung „Fantastic Four“ lösen wird.

So geht fast die erste Hälfte des Films auch für die Vorstellung der Charaktere und des für ihre Kräfte verantwortlichen Vorfalls drauf. Angesammelt haben sich hier soweit gestandene B-Mimen wie Alex Hyde-White („Pretty Woman“, „Mars“) als Professor Reed Richards, Jay Underwood („Still Not Quite Human“, „Sleepstalker“) als Johnny Storm, Rebecca Staab („T.N.T.“, „The Substitute 3: Winner Takes All“) als Sue Storm, B-Konstante Michael Bailey Smith (u.a. Nebenrollen in „Black Mask 2: City of Masks“ und „The Savage“) als Ben Grimm, sowie Joseph Culp (immer wieder in diversen Mario van Peebles-Streifen wie „Full Eclipse“ zu sehen) als Dr. Doom – mein persönlicher Lieblingscomicbösewicht.
Viel schauspielerische Klasse sollte man hierbei nicht erwarten. Mal abgesehen von Michael Bailey Smith der als Wüterich Ben Grimm wirklich ein paar gute Szenen und Oneliner abbekommen hat, herrscht hier eine talentfreie Zone auf niederem TV-Niveau vor.

Selbstverständlich läuft alles auf die finale Konfrontation Doom vs. Fantastic Four hinaus. Das Tempo ist bis zum Finale, aber eher mäßig. Dafür können sich die Tricks dann meist sehen lassen, die meist dunkel gehaltenen Kulissen fallen, immer wieder gemessen am Budget, auch positiv auf und für die Probleme, die so ein Superheldendasein mit sich bringt bleibt sogar auch noch Platz. Ben, selbstverständlich unter seinem Aussehen leidend, kapselt sich vorübergehend vom Trio ab, weint der Beauty and Beast-Beziehung zu seiner blinden Freundin nach und rafft sich später, wenn auch persönlich motiviert, mit den Dreien wieder zusammen, um Dooms Festung zu stürmen. Dort hat der Mad Scientist mithilfe einer Megaenergiequelle eine fiese Laserwumme aus dem Boden gestampft und lacht sich eins in sein metallisches Fäustchen, weil er erstens alle Superkräfte erpresserisch auf sich vereinen will und dann zur großen Weltenerpressung blasen kann.

Die Action setzt sich größtenteils aus viel Keilerei zusammen. Da hat besonders Ben Grimm (optisch eine putzige Mischung aus den Turtles, den „Bad Taste“-Viechern und dem Alien in „Xtro 3: Watch the Skies“, bei der man sich bei seinem ersten Auftritt scheckig lacht) seinen Mordsspaß, weil er eben kugelsicher gepanzert, alles durch die Gegend kloppt, was bei drei nicht auf die Balustraden klettert. Richards puncht nur ein wenig mit seinen meterlangen Auslegern, Sue macht sich halt unsichtbar, damit die Henchmen sich gegenseitig abknallen und Johnny schweißt sich halt durch den Komplex. Sein späteres Wettrennen mit einem Laserstrahl hat dann wirklich etwas comic-mäßiges an sich und das meine ich nicht positiv.

Trotzdem überrascht immer wieder die Professionalität der Effekte und die Machart an sich. Bei soviel Mühe würde ich mir für meinen Teil jedenfalls verarscht vorkommen, wenn ich hinterher spitz kriegen würde, dass das Teil nie jemand zu Gesicht kriegen soll. Die Kostüme sind denen des Comics 1:1 nachempfunden, die Figuren sind auch alle am Start, die Superheldenfähigkeiten sind geschickt getrickst und den kniffligen Showdown mit Fortsetzung möglich machenden Cliffhanger (Das nenne ich mal frech!) haben wir hier auch.

Ob es nun von Oley Sassone so beabsichtig war, weiß ich nicht, aber „The Fantastic Four“ nimmt sich immerhin nicht so sonderlich ernst. Ben Grimm ist für einige Witze zuständig und manchmal gibt es dann auch die eine oder andere Reaktion, bei der man sich an den Kopf fassen muss. Johnny hüpft beispielsweise nach einem Absturz per Raumschiff aus dem Weltall auf die Wiesen von Muttererde quietschvergnügt herum! Dabei weiß er noch nicht mal, ob die Fahrt alle überlebt haben. My personal favourite Villain Dr. Doom hat by the way immer wieder ein paar urkomische, weil diabolisch völlig over the top inszenierte Auftritte, die dann das eine oder andere Grinsen zulassen.


Fazit:
Auch wenn der Plot voller Unplausibilitäten (War der Jeweler und seine Horde genetisch Degenerierter wirklich von Nöten?) steckt und zig Fragen aufwirft (Was wollen die Latvernianer eigentlich von Dr. Doom und warum ist er dort auf einmal El Cheffe?), kann man „The Fantastic Four“ als immerhin sehr ambitionierten Trash abtun, der besser als angenommen ausfällt und weitestgehend unterhalten kann. Gemessen am Budget sind die Effekte meistens (!) akzeptabel (Das Rennen Torch vs. Laser nach New York kehren wir mal dezent unter den Tisch), die Sets gehen sowieso in Ordnung, ein Schuss Selbstironie erkennt man auch und Ben Grimm macht sowieso Spaß - It's clobberin' time!

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