kurz angerissen
So wie die Lichter im ersten Akt nach und nach erlöschen, zersetzt sich auch die gesamte Drei-Akt-Struktur von „The Life of Chuck“ mit fortschreitender Laufzeit in ihre Bestandteile. Die Wahl fiel auf einen grundsätzlich reizvollen, weil radikal antiklimaktischen Aufbau, wie man ihn sonst nicht allzu oft zu sehen bekommt. Ihn plagt lediglich das Dilemma, ausgerechnet mit dem Akt beginnen zu müssen, der mit Abstand am interessantesten erscheint, des packend eingefädelten und visualisierten Mysteriums wegen, das ein ungewöhnliches Szenario verspricht, das nach einer besonderen Erzählung verlangt.
Obwohl auch die anderen beiden Akte gespickt sind mit Mysterien, so handelt es sich hier enttäuschenderweise zumeist „nur“ um die Thematisierung der alltäglichen Wunder des Lebens, ausgehend von der universellen Sprache der Mathematik, die sich in Tanzschritten offenbart und Universen in der Nussschale bildet.
Vermutlich ist die daraus gebildete Esoterik bereits der Kurzgeschichte von Stephen King innewohnend; Mike Flanagan dürfte lediglich die Übersetzung zugekommen sein, die er in leichtfüßigen, lebensbejahenden und nur in flüchtigen Momenten beängstigenden Augenblicken konstruiert. Wenn die Geschichte für manchen Zuschauer über den ersten Akt hinaus nicht funktioniert, dann ist das wohl weniger ihm als Regisseur und Autor zuzuschreiben, weil die Bildsprache eigentlich durchgehend glasklar bleibt und selbst geisterhafte Visionen eine faszinierende visuell-akustische Präsenz behalten, bis das Sein von einer Sekunde auf die nächste zum Nichtsein geworden ist.
„The Life of Chuck“ behandelt ganz offensichtlich die abschweifenden Gedanken eines alternden Autoren über die Endlichkeit des Lebens und scheint sich von spezifischen Ideen, mit denen sein ganzes Wirken über Jahrzehnte hinweg gespickt war, bereits verabschiedet haben. Es ist wie Donnie Darko, nur bei Tage betrachtet aus der Perspektive einer alten Seele statt einer jungen. Chuck ist Erde, Asche und Staub, und das sind wir alle. Ob man mit dieser Erkenntnis dargeboten als Spielfilm glücklich wird, liegt mehr noch als gewöhnlich im Auge des Betrachters, der sich vollkommen erfüllt oder um seine Zeit betrogen fühlen kann.