Nach seinen Portraits „Jackie“ (2016) und „Spencer“ (2021) inszeniert Pablo Larraín nun die letzten Tage der Operndiva Maria Callas. Wobei es nicht bei der letzten Woche bleibt, obwohl auf dieser das Hauptaugenmerk liegt. Rückblenden geben immer wieder einen Einblick in Vergangenes und wollen den Eindruck eines Überblicks vermitteln. Letztlich breitet dieses punktuelle Stochern im Leben der Sängerin ein Puzzle vor dem Zuschauer aus, von dem immer noch etliche Teile fehlen. Das angestrebte Bild mag man aber erahnen.
Nicht so sperrig wie die beiden eingangs erwähnten Werke Larraíns folgt man Angelina Jolie durch die finalen Tage der Hauptfigur, sei es durch das zeitgenössische Paris oder durch die Erinnerungen an manche Stationen des Lebens. Die französische Hauptstadt wirkt wie auch die schwarzweißen Rückblenden immer etwas entrückt, Farbfilter bilden die Sicht durch Tabletten und schwindende Realität ab, Reales und Irreales geben sich die Klinke in die Hand. Wie Auf- und Abgänge gleich einer Bühnenszene und somit passend in die Umgebung integriert. Was La Callas erlebt, wen sie trifft, was davon nur (medikamentös induzierte) Einbildung ist – Larraín legt es nicht auf eine konventionelle Herangehensweise an. Bei all den Biopics, die mit der immer gleichen Abfolge langweilen ist das eine gern genommene Abwechslung. Umfassend informiert fühlt man sich am Ende hier aber nicht, Hintergründe und Quellen der Zustände werden kaum bis nicht thematisiert. Dafür versucht sich „Maria“ durchweg am Transport eines Gefühls, bleibt dazu aber zu vorsichtig und gefasst. Die teils anstrengenden Ausbrüche früherer Werke braucht es da gar nicht, doch wirkt „Maria“, als wolle Larraín seiner Hauptfigur nie zu nahe kommen. Wie ein Fan, der durch seine Bewunderung Hemmungen verspürt.
Angelina Jolies präzises Spiel sticht heraus, aber auch einige Nebenfiguren liefern eine ansprechende Vorstellung. Wie Pierfrancesco Favino und Alba Rohrwacher als Butler bzw. Haushälterin oder Haluk Bilginer als Aristoteles Onassis.
Musikalisch ist „Maria“ erwartbar gelungen, das Einbringen einiger Aufnahmen von La Callas (und zu einem kleinen Teil von Jolie) untermalt die hier stete Suche nach der Stimme und früherem Glanz.
„Opera at this volume is American radio.“
Larraíns Teil-Portrait der Sängerin geht leichter runter als seine beiden vorigen Werke um Damen aus der Weltgeschichte. Visuell ansprechend eingefangen und auch nicht ohne erzählerische Finesse, aber auch sehr punktuell und in Watte verpackt hier und da. Dabei nicht ohne Pathos und wohlklingend-künstliche Zeilen - wie es in der Oper eben so ist.