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Ein abgelegenes kleines Dorf zu einer nicht näher benannten Zeit, vermutlich in Schottland, Tagesreisen entfernt von der nächstgrößeren Stadt, mit zwei Handvoll Einwohnern, die von einer Ernte zur nächsten leben. 

In der Nacht brennt die Scheune des Landsherren „Master Kent“ (Harry Melling, HARRY POTTER, PILLION) ab, ein Jungensstreich, wie vermutet wird, doch der Herr ist freundlich bis zur Rückgratlosigkeit, man löscht gemeinsam das Feuer, von Schuldzuweisungen oder gar Bestrafungen wird abgesehen, man ist aufeinander angewiesen. 

Dennoch sollte man von Regisseurin Athina Rachel Tsangari nach ATTENBERG, der in der Linie von Yorgos Lanthimos und der „Greek Weird Wave“ stand, keinen gewöhnlichen Heimatfilm erwarten. Und so dauert es nicht lange, bis ungewöhnliche Rituale der Dorfgemeinschaft sichtbar werden. Und drei friedliche Fremde, auf dem eigenen Land aufgegriffen, dienen dankbar als Sündenböcke, die man rigide bestrafen kann. 

Verströmt der Film anfangs noch MIDSOMMAR-Vibes, so entwickelt sich die Geschichte allmählich in die Gefilde von Lars von Triers DOGVILLE weiter: Ein Landvermesser taucht auf, ein entfernter Cousin aus der Stadt macht Besitzansprüche an den Ländereien geltend und die vormals so geschlossene Dorfgemeinschaft bricht immer mehr auseinander. 

Kommentiert werden uns die Geschehnisse von Walt (Caleb Landry Jones), einem bei allen Bewohnern beliebter Naturfreund, der sich mit zunehmender Eskalation entscheiden muss, ob er seine neutrale Haltung beibehält oder Position bezieht. 

Man kann den spröde erzählten, überlangen Film problemlos als Allegorie auf Kapitalismus, Ausbeutung der Natur, Fremdenfeindlichkeit und kathartische Gesellschaftsmodelle à la Shirley Jacksons „The Lottery“ lesen. Aber auch über die offensichtlichen Botschaften hinaus entwickelt HARVEST einen gewissen Sog, der den Film noch nachhallen lässt. 

Nur einfaches Entertainment sollte man nicht erwarten.

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