Review

Die Textur des Mittelalters

Ich weiß, dass "Harvest" wahrscheinlich nicht genau im Mittelalter spielt und dazwischen Jahrhunderte liegen können - ich will mit mit der Überschrift nur betonen, wie krass, radikal und wunderschön-körnig, fast mystisch "Harvest" diese vergangene Ära auf Zelluloid bannt, nochmal heftiger als beispielsweise "The VVitch" oder "Excalibur", um Vergleichswerte zu haben. Erzählt wird in dem beeindruckenden, aber auch sperrigen Kostümfilm von einer kleinen schottischen Gemeinde, die sich neuen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zeiten und Besatzern (!) entgegensieht und dies nicht ganz friedlich hinnimmt...

Ein zauber- wie schauderhafter Blick in eine vergangene Epoche

"Harvest" trägt gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche, ökonomische und umwelttechnische Verantwortung, sieht wirklich brillant aus, klingt nicht minder einlullend und seine Darsteller spielen allesamt aufopferungsvoll und komplett verfangen in dieser Epoche. Ich konnte und wollte meine Augen nicht von den erhabenen Bildern nehmen. Die Farben, das Feuer, die Kostüme, die Klänge. Caleb Landry Jones. Alles filmischer Zucker. Und trotzdem bleibt "Harvest" für mich ein gutes Stück Schatzkiste mit sieben Siegeln. Lyrisch, langweilig, leer - für mich eben, trotz all der thematischen Anknüpfpunkte. Vielleicht weil's zu viele Themen sind. Vielleicht weil ich von einigen von ihnen absolut gar keine Ahnung habe. Vielleicht weil die Handlung zu lethargisch und die Dialekte zu extrem sind. Wer weiß. Jedenfalls bleibt für mich "Harvest" eine anbetungswürdige Leinwand - aber nur das. In Sachen Handlung hätte ich kaum uninvolvierter sein können.

Fazit: Hypnotisch schön. Aber auch erstaunlich lose und unzugänglich, spröde und kantig, anstrengend und artsy. Aber allein die Atmosphäre und Textur sind eine Klasse für sich und hallen nach, fressen sich fest, bleiben in der Kinoseele.

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