Review

Allzu monströs wird der Sommer wohl nicht, denn eine FSK12 lässt bereits vermuten, in welchem Alter sich die anberaumte Zielgruppe befinden dürfte. Natürlich hoffen Filmfreunde, auch angesichts des Covers, auf ein zweites „Stand By Me“, doch trotz der Mitwirkung von Mel Gibson dürfte das wohl noch auf sich warten lassen.

1997 in einem Küstenort in Neuengland: Noah (Mason Thames) würde gerne in die Fußstapfen seines verstorbenen Vaters treten und Journalist werden. Als Kinder kurz verschwinden und daraufhin völlig apathisch zurückkehren, kommt er in Kontakt mit dem Eremiten und ehemaligen Cop Gene (Mel Gibson). Man versucht der vermeintlichen Hexerei auf die Spur zu kommen…

Obgleich einiger Eskapaden hat Mel Gibson bei einigen spätestens seit „Braveheart“ ein Stein im Brett und es ist angenehm, ihn mal wieder in einer größeren Produktion zu sehen. Die Rolle des leicht abgehalfterten, aber nicht zu knarzigen Ex-Ermittlers steht ihm ausgezeichnet, während der aufstrebende Thames etwa gleichwertig im Einsatz ist. Schließlich handelt das Jugendabenteuer auch grundlegende Themen wie Coming-of-Age ab.

Womit der Stoff gleichermaßen ein wenig in die Bredouille gerät. Einerseits spielt die Geschichte in einem Jahr, in dem Internet für die Allgemeinheit erst gerade so aufkam und folgerichtig hier keine Rolle spielt. Andererseits versucht man bisweilen ein wenig krampfhaft auf Nostalgie zu machen, bindet Radfahren und ein Domizil im Baumhaus ein, wogegen die Kulissen irgendwo in North Carolina hervorragend gewählt sind und ein latentes Gefühl von Heimeligkeit vermitteln.

Der Kern der Erzählung mutet definitiv übersinnlich an und zombieähnliche Kinder sind gewiss nichts für die jüngeren Zuschauer und wenngleich man innerhalb der Suche nach der Wurzel des Bösen auf falsche Fährten gelockt wird, hält sich jenes Miträtseln in Grenzen.
Immerhin gibt es zwischenzeitlich kleine emotionale Inseln, da beide Hauptfiguren ihre traumatischen Päckchen mit sich herumtragen, wodurch der Stoff aufgrund der Mimen wieder deutlich aufgewertet wird. Nicht zu vergessen sind namhafte Nebendarsteller wie Kevin James, Nora Zehetner oder Lorraine Bracco. Und ein bisschen ähnlich sieht Abby James Witherspoon ihrer Mutter Reese schon.

Angenehm ist auch die überschaubare Laufzeit von 98 Minuten, die prinzipiell keinen Leerlauf zulässt, wobei man sich schon ein wenig mehr um die jüngeren Nebenfiguren und deren Zusammenhalt hätte kümmern können. Dennoch ist die Botschaft eindeutig und der moralinsaure Holzhammer bleibt außen vor und während die wenigen Effekte zumindest zweckdienlich ausfallen, ist ein wenig Kitsch gegen Ende unvermeidbar, - ohne dabei allzu sehr auf die Tränendrüse zu drücken.

Wahrscheinlich wird der Film es schwer haben eine wirklich geeignete Zielgruppe zu finden. Horrorfreunde werden hier wenig bis gar nicht bedient, während die Ü50-Gruppe einiges an Wohlfühlelementen mitnehmen kann. Die durchweg überzeugenden Schauspielleistungen sind ebenso wie Score, Setting und seichter Humor ein Gewinn. Zum reinen Gruseln oder gar Mitfiebern eignet er sich nur bedingt. Aber er passt in die Jahreszeit.
Knapp
7 von 10




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