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Das Attentat der palästinensischen Terrororganisation „Schwarzer September“ bei den Olympischen Spielen in München 1972 diente schon einige Male als Vorlage für dokumentarische und auch filmische Werke. „September 5“ von Tim Fehlbaum wählt nun einen interessanten Blickwinkel, nämlich den einer vor Ort agierenden Gruppe von Sportjournalisten des US-amerikanischen TV-Senders „abc“. Und der Film verlässt die Sendezentrale auch nicht, alle Entwicklungen und Ereignisse laufen dort zusammen, treffen auf die Crew und werden weiterverarbeitet. Eine spannende Perspektive, die mit den Fragen nach mancher Wortwahl und was man wie zeigen will einhergeht. Ebenso mit dem Drang nach Informationen oder Schauwerten, Profilierung und Konkurrenzgehabe. Denn aus medialer Sicht liegt hier eine Chance, aber auch eine Gefahr. Die Möglichkeit der Umsetzung wirft ethische Fragen auf.

Das historische Ereignis selbst ist bekannt, sein Ablauf und Ausgang ebenso. Dennoch schafft es das Skript, hieraus aufgrund des Blickwinkels einen spannenden Neunzigminüter zu konstruieren. Und so ist man als Zuschauer hier genauso mitgerissen wie die Leute, die mit den Kameras Geschichte schreiben (wollen). Der chronologische Ablauf dieser Tragödie ist allgegenwärtig, hinzu kommen Spannungen innerhalb des gemischten Teams, dennoch bleibt man professionell. Die Anspannung ist dabei stets spürbar, jede Minute bringt einen ungewissen Fortgang und spart das Szenario nicht mit Kritik am Vorgehen der deutschen Behörden, so können sich auch die Studioleute ob ihres Antriebs davon nicht freisprechen. Wobei sich das Werk mit diesem Punkt weniger intensiv als erhofft auseinandersetzt.

Ausgestattet ist „September 5“ dabei passend in all seinem verqualmten und mit damaligem Equipment ausstaffierten Ambiente. Dqs Personal bleibt in der Hektik etwas unübersichtlich, was aber zu den Ereignissen passt. Man wird immer mitgezogen. Daran hat auch das Ensemble Anteil, das darstellerisch einen guten Job macht. Dass man die realen Aufnahmen des Reporters Jim McKay in den Ablauf integrierte, trägt spürbar zum authentischen Gefühl bei.

„That's our opener.“

Über die Macht der Information und der Bilder. Über die Kontrolle und die Entscheidung, was nach außen getragen wird. Das wirkt heute vielleicht antiquiert, wo jederzeit Streams erstellt und verbreitet werden können, vermittelt aber einen packenden Einblick in das damalige Geschehen und wählt eine durchaus spannende Perspektive. Das Thema mediale Verantwortung ist dabei so aktuell wie immer. In den paar beengten Räumlichkeiten erschafft Fehlbaum eine stete Spannung und Konflikte, die gegen die Uhr und nicht absehbare Ereignisse antreten. Und das alles trotz der Kenntnis der Geschichte sowie ohne ausschweifende Politisierung. Ein interessanter Blick auf die Geschichte und die Menschen, welche die Bilder lieferten.

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