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Die Tage in denen die Medien ihre Macht erkannten

In unter 90 kompakten Minuten erzählt "September 5" von den Terroranschlägen auf das olympische Dorf bzw. die israelischen Sportler in '72 in München - und vor allem die Berichterstattung und das Verhalten der ABC mit als Erste vor Ort...

Terror live on TV

Während Spielberg die Geschehnisse wesentlich vielschichtiger, hollywoodnäher und neutraler aufbereitete, kommt "September 5" wesentlich direkter, spannender, europäischer oder gar deutscher rüber. Fast in Echtzeit, fast live, fast unmittelbar. Hier wird eher instinktiv geliefert als groß aufgezogen, unterfüttert oder überlegt. Aber das hat seine Wirkung bei mir nicht verfehlt. Atemlos, flott, gänzlich ohne Leerlauf. Und das obwohl man den Ausgang schon kennt oder das Thema meint schon oft gesehen zu haben. Aber nein. So noch nicht. Hier geht's nicht um Hintergründe oder Beweggründe, nicht um Backstories oder Politik, nicht um Seiten, Vergangenheit oder Zukunft - "September 5" lebt voll im Moment. Und ist dabei seinem "Medienaufhänger" unheimlich nah und treu. Was sehen wir wann. Warum sehen wir es und was fühlen wir dabei. Was geht ab und wie kippt die Stimmung. Wie überträgt sich Panik, was gibt es für Lösungen. Was ist vertretbar, was waren die Medien noch nicht bereit zu zeigen oder zu sagen. Wie löst Deutschland das. Und welche Rolle spielen Medien, Neutralität, Geschwindigkeit, Moral bei einem solchen Ausnahmezustand. Und all solche kleineren Sprengsätze packt "September 5" filmtechnisch enorm versiert in seine Sprinterlänge. Fertig ist ein zackiger Medienthriller, der sogar mit Spielbergs "Epos" darüber mithalten kann oder zumindest komplett auf eigenen Beinen und Ansätzen steht. Null trocken, ein Brocken. Genauso nah an "Network" wie an "München".

Fazit: "September 5" erzählt unheimlich intensiv und spannend von einem Ereignis, das weder Deutschland noch die (Sport-)Welt je wieder gleich erscheinen ließ - erst recht nicht durch die Flimmerkiste!

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