Architekt László Tóth emigriert aus Europa nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA. Er kommt bei einem Verwandten unter, später wird er von einem Industriellen für ein ungeahnt großes Projekt engagiert. Hierdurch entsteht die Aussicht auf einen neuen Anfang in dem fremden Land und darauf, seine Frau und seine Nichte ebenfalls zu sich zu holen. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zeigt aber auch Grenzen auf. Diese werden in dem von Brady Corbet inszenierten Drama auf verschiedenen Ebenen deutlich. Nicht nur verliert sich Tóth in der fremden Umgebung. Wie der später angestrebte Bau wirkt das Leben kalt und hart, denn am Ende bestimmen Macht und Geld. So erfährt Tóth, wo sein Platz in dem Gefüge ist.
In epischer Länge über viele Jahre erzählt „The Brutalist“ in wenige Kapitel gespalten und in sehr ansprechenden Bildern präsentiert aus dem Leben des fiktiven Architekten, dem Schaffen, Erreichen und Scheitern. Und das vielschichtig, denn in Corbets Film gehen Design und Emotion Hand in Hand. Die Beziehung von László zu seiner Frau Erzsébet, die Machtspiele nicht nur mit seinem Förderer Van Buren, die eigenen charakterlichen Schwächen, das Ankommen in der Neuen Welt, Religion, Vergangenheitsbewältigung, Missbrauch von Körper und Substanzen, Planung der Zukunft und der eigenen Existenz. Das Einbringen dieser (damals) baulichen Moderne in die traditionelle oder auch organische Umgebung, dieser Klotz im Grünen. Der Fremde, der ins Land und die Gemeinde kommt und niemals richtig ankommt. Corbet und Mitautorin Mona Fastvold packen viel in die knapp dreieinhalb Stunden Laufzeit, die sich am Ende nicht so lang anfühlen.
Adrian Brody liefert eine ausgezeichnete Vorstellung als László, ebenso Guy Pearce als Harrison Lee Van Buren, dieses glatte Gesicht der Vereinnahmung und des Kapitals, in das man am Ende nicht mehr schauen kann. Felicity Jones überzeugt ebenso und hat in der zweiten Hälfte starke Szenen. Der Score von Daniel Blumberg funktioniert als Begleitung der Optik, die mit ihren erwartbar kalten Oberflächen und Formen aufwartet. Und dennoch versprüht das Bild auch immer wieder Wärme, überhaupt ist „The Brutalist“ visuell großartig in Design und Bildkomposition. Und dann schaut man aufs Budget und mag kaum glauben, was Corbet daraus geschaffen hat.
Die Kritik an der Nutzung von KI zur Unterstützung des gesprochenen Ungarisch halte ich für überzogen. Die Aussprache von Brody und Jones wurde so in den entsprechenden Passagen verbessert, in meinen Augen bzw. Ohren ist das nicht verdammenswert. Film war und ist etwas Manipuliertes, das liegt in seiner Natur. Mit jedem zur Herstellung verwandten Instrument vom Schnitt bis zu den CGI. Und der Werkzeugkasten erweitert sich stetig.
„Looks like a tricycle.“
Früh im Film zeigt Corwin das Bild einer auf dem Kopf stehenden Freiheitsstatue. Und dieses Bild zieht sich mit durch den Film, der in seiner zweiten Hälfte vielleicht etwas plakativ seine Botschaft vermittelt. Mit seinem tollen Cast, den starken Bildern, der Hoffnung und dem Schaffensschmerz. Bis zu einem Ende, das sein Publikum mit der Frage nach dem Wert der Investition zurücklässt.
Macht toleriert das, was sie braucht. Solange sie es gebrauchen kann. Das ist der amerikanische „Traum“. Und dann wacht man auf.