iHaveCNit: The Brutalist (2025) – Brady Corbet – Universal
Deutscher Kinostart: 30.01.2025
gesehen am 09.03.2025
Kinopolis MTZ – Kino 11 – Reihe 16, Platz 13 – 19:25 Uhr
Der jüdisch-ungarische Architekt Lászlo Tóth flüchtet als Überlebender des Holocausts nach dem zweiten Weltkrieg in die USA um sich dort ein neues Leben aufzubauen. Zunächst verdingt er sich in der Innenarchitektur als Möbelbauer bis er durch einen Auftrag auf den reichen und einflussreichen Harrison Lee Van Buren trifft, der für seine Gemeinde in Pennsylvania ein großes Bauprojekt realisieren möchte und in Tóth nun den richtigen Architekten gefunden zu haben scheint, denn das riesige Projekt eines Gemeindezentrums wird auch für die Beiden zwischenmenschlich zu einer Herausforderung.
„The Brutalist“ von „Brady Corbet ist für Architekten genau das, was „Oppenheimer“ von Christopher Nolan für Quantenphysiker ist oder sein könnte. „The Brutalist“ ist mit seiner Laufzeit von knapp 216 Minuten eine sehr lange Kinoerfahrung, die mit ihrer Laufzeit durchaus brutal ist. Der Film ist ein absolut wuchtiges, ambitioniertes, monumentales, epochales Mammutwerk geworden, dass audiovisuell vor allem mit seiner preisgekrönten Arbeit im Bereich der Kinematographie und der musikalischen Komposition einfach ein Fest für Auge und Ohr ist. Ich bekenne mich an der Stelle, dass ich nicht unbedingt der ganz große Adrien Brody-Fan bin und auch im Bereich Architektur und Ästethik nicht unbedingt der ganz große Kenner, Nerd und Liebhaber bin, womit ich zwar absolut nachvollziehen kann, warum Brody der ganz große Gewinner der letzten Award-Saison gewesen ist, seine über jeden Zweifel erhabene Performance jedoch nicht vollends gefühlt habe. Das gleiche gilt eben auch für den Bereich der im Film dargestellten Architektur und Ästethik, die zwar faszinierend war, sich aber in mir eine gewisse kühle Distanz zur Thematik aufgebaut hat. Die Struktur des Films selbst in eine Ouvertüre, ein erstes Kapitel, eine in den Film integrierte Intermission von 15 Minuten, ein zweites Kapitel und einen Epilog war durchaus interessant und hat mir auch gefallen, genau wie die interessante Art und Weise, wie der Film seine Credits integriert und visuell dargestellt hat. Eigentlich könnte man durch die Pause im Film sagen, dass der Film eigentlich nur eine Laufzeit von 200 Minuten hat und in 2 Blöcken von jeweils 100 Minuten aufgeteilt ist, was den Brocken eines Films durchaus verdaulicher werden lässt unabhängig der Schwere seiner Thematik. Mit einem neben Brody tollen Ensemble haben mir hier vor allem Felicity Jones und Guy Pearce gefallen, bei denen ich es absolut verstehen kann, dass diese mit Nominierungen gewürdigt worden sind. Dennoch komme ich für mich zu dem Ergebnis, dass „The Brutalist“ ein Mammutwerk ist, dass ein wenig zu überambitioniert gewesen ist. Denn mit nicht vollständig ausbuchstabierten und aufgelösten Konflikten und Zeitsprüngen in der Handlung sowie manchen Themen, die noch wesentlich tiefer hätten thematisiert und dargestellt werden können ist der Film – und diese Aussage ist gewagt – zu kurz. Für Freunde von Architektur, Ästethik, Kunst und auch das Werk von Lászlo Tóth und für Cineasten jeglicher Art ist „The Brutalist“ jedoch ein Kinobesuch, der es Wert ist.
„The Brutalist“ - My First Look – 9/10 Punkte