Review

Ritt auf dem Ziegenbock

Aislinn Clarke ist eine noch recht neue, junge Horrorregisseurin, die man mal im Auge behalten kann. Sie liefert mit dem urig-gruseligen "Frewaka" einen irischen Folk-Gänsehautgourmethappen, der eine echt bösartige und alptraumhafte Atmosphäre besitzt, die mir ein ums andere Mal in den Nacken gekrochen ist... Religiös, feminin, traumatisch, teuflisch... Über eine lesbische Studentin im Palliativdienst, deren Vergangenheit, Dämonen, dunkle Geister ihre Zukunft und ihr Glück, ihre Liebe, ihr Leben auffressen könnten...

Sumtin Wick'd Tis Wai Cums

Ich glaube, die meisten sensibleren Horrorfans werden bei "Frewaka" von Beginn an spüren, dass hier jemand genau weiß, was er tut und wie der Hase im Pfeffer begraben liegt. Man merkt einfach porentief, wenn sich Nackenhaare automatisch aufstellen und Flötentöne bissig wie Tinnitus einschmeicheln, dass hier etwas nicht stimmt. Im positivsten und unangenehmsten Sinne. Ich will nicht zu hoch in's Regal greifen, aber es fühlt sich in den besten Momenten gar nicht so anders an wie bei einem "Shining", "Hereditary", "The VVitch" oder "Bring Her Back" zu Beginn. Technisch und atmosphärisch sehr versiert. Folkhorror done very, very right. Zumindest wenn's nach meinem Geschmack geht. Die Fliegen summen, das Gras beugt sich im Wind, die Weidebutter schmilzt in der Pfanne, die alte Damen kriecht die Treppe runter und irgendetwas ist hier immer im Gebüsch. Oder auf unseren Schultern. Oder au'm Dachboden. Und und und. Manche Szenen und Momente haben mir tatsächlich Angst gemacht und die Schuhe ausgezogen. Die Hauptfigur handelt zudem immer nachvollziehbar. Der Score ist ein weiterer Gänsehauttreiber. Die Gesichter sind allesamt frisch. Und es wird nahezu nie auf billige Klischees oder Jumpscares gesetzt. Trotz "Traumaaufhänger". Das ist mal effektives Mäandern. Untertitel kann ich nur empfehlen, da das gesprochene Irisch hier wirklich extrem ist, nicht mehr viel mit Englisch zu tun hat. Aber ansonsten sehe ich hier keine Einschränkungen, Minderbemitteltheiten und Anführungszeichen. Okay, wenn man überhaupt nichts mit Slowburn- und Folk-Horror anfangen kann, dann wird auch "Frewaka" auf taube Ohren stoßen. Doch alle anderen können sich an dieser düsteren, abgründigen, ja vielleicht sogar wahrhaft satanischen Aura ergötzen. Viel Spaß heute Nacht! 

Fazit: Uririsches und untypisches Slowburn-Folk-Alpträumchen mit unangenehmer Stimmung, knochentrockener Intensität, viel Dialekt und durchaus stilvoller Gänsehaut. Eine kriechende Gemeinheit in Gruselfilmform. Das ist ein echter Fortschritt zu Clarkes "The Devil's Doorway" von vor ein par Jahren. Dieser hier kann einem durchaus länger in die Knochen fahren!

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