Frankreich, irgendwo in der Bretagne.
Die frisch zur dortigen Universität gewechselte Archäologiestudentin Chloé entdeckt bei Ausgrabungen einige keltische Reliquien und wird Zeugin zweier seltsamer Morde, die mit den keltischen Druiden in Verbindung zu stehen scheinen; sie verbringt also den Rest ihrer Zeit damit, fröhlich auf eigene Faust nachzuforschen und muss schließlich um ihr Leben fürchten, da sie als Opfer für ein Ritual in der Samhain-Nacht auserkoren wurde, um die Herrschaft der Druiden wieder aufleben zu lassen.
Soweit zur vollkommen innovativen Geschichte.
Generell kann man aus so ziemlich allem zumindest einen erträglichen Film machen, aber was die Franzosen hier geleistet haben, gehört zur Crème de la crème cineastischer Verbrechen.
Die erste Hälfte dreht sich hauptsächlich darum, wie die paranoide Chloé sich von der mysteriösen Gestalt verfolgt fühlt, die hinter den Morden steckt. Wann immer möglich sieht sich der Zuschauer mit Szenen konfrontiert, in denen ein Freddy-Krueger-Double in dunklen Gängen herumschleicht oder tote Tiere in das Zimmer unserer Protagonistin schmuggelt, um ihr in höchst keltischer Tradition den persönlichen Krieg zu erklären; das alles hält die Gute natürlich nicht davon ab, diesen mysteriösen Vorfällen weiterhin auf den Grund zu gehen.
All das klingt, zugegebenermaßen, noch recht mittelmäßig. War es auch. Aber die schlimmsten Verbrechen des guten Geschmacks beging die zweite Hälfte des Films.
Als unsere Protagonistin endlich herausfindet, dass hinter all den rätselhaften Vorfällen ein paar Leute stecken, die die Herrschaft der Druiden (!!11) wieder aufleben lassen wollen, indem sie eine ihrer Mitstudentinnen opfern, sieht sich der Zuschauer einer Reihe von migränehervorrufenden Dingen ausgesetzt.
Von den unheimlich unvorhersehbaren, überraschenden Wendungen des Films abgesehen, gipfelt das Ganze in einem vor Action nur so triefenden Schlussteil, in dem ihr Liebhaber sich als sektiererischer Spinner zu erkennen gibt, nach einigen Unruhen seine eigene Freundin statt der entkommenen Chloé opfert und letztendlich... in eine schleimig-grüne, blubbernde Pampe in einem gigantischen Kessel hüpft, um zum gefürchteten Druidengöttermonster zu transformieren.
Nicht nur, dass der Zuschauer hier Zeuge der mit Abstand schlechtesten Szene mit abgehackten Köpfen wurde, die ich mir je zu Gemüte führen durfte, nein. Der opportunistische Liebhaber hüpft in einen Kessel. In einen KESSEL. Mit grüner BRÜHE, in der ein paar KÖPFE schwammen. Ich kann meine Capslocktaste gar nicht genug strapazieren, um diesen hanebüchenen Unsinn angemessen zu beschreiben, aber ich möchte anmerken, dass ich an eine obskure Mischung zwischen einem Asterix-Comic und Gollum erinnert wurde, als unser französischer Bösewicht mit seinem Zauberstein („Mein Schatz!“) auf Tauchstation ging.
Dem folgte nach erfolgreicher Verwandlung zum blutrünstigen Ork-... ähm, Göttermonster, eine Hetzjagd durch das dortige unterirdische Tunnelsystem, in der einige unwichtige Nebenrollen zugunsten der Spannung geopfert wurden und die liebe Chloé sowie ihre Mitstreiterin Iris sich in einem atemberaubenden Schlusskampf mit dem Herren Monster wiederfanden.
Und nun, geneigter Leser, lassen Sie sich dies auf der Zunge gehen:
Slow-Motion.
Eine Schlusssequenz in Zeitlupe. Zwei mit kurzen Klamotten bekleidete Studentinnen, die spontan zu Martial-Arts-Kampfamazonen mutieren, schnappen sich also kurzerhand zwei Druiden-Schwerter und umzingeln in einer Art tänzelndem Schritt (in Zeitlupe!) unseren Ork-Look-a-like, der sich, warum auch immer, plötzlich nicht mehr in der Lage sieht, sich zu wehren. In diesem dramatischen Kampf wird unser Ork also skalpiert und anschließend niedergemetzelt. Die Hintergrundmusik verdient eine Extraerwähnung: Selten waren Buschtrommeln unpassender.
Zu guter letzt bekommt der Film jedoch einen Mitleidspunkt aufgrund der schlechten Dialoge: Selten so viel Schwachsinn gehört. Von der Begegnung zweier Kontrahenten („Du mieser Arsch!“ – „Immer schön höflich bleiben!“), der Interaktion der Bösewichte untereinander („Erwann, Erwann! Wach auf, Erwann!“ – (blinzelt) „Wirst Du jetzt sentimental?“) bis hin zu den scharfsinnigen Bemerkungen der Hauptdarsteller in den unnötigsten Momenten („Sieh, dort ist die Ausgrabungsstelle. Die Fackeln weisen uns den Weg!“ // „Argggh, ich kann nicht mehr, ich verblute!“ – „Stell dich nicht so an!“) hätten die Dialoge nicht schlechter sein können. Echt nicht.
Hätte ich beim Genuss dieses Werkes einen Lästerkumpanen bei mir gehabt, hätte ich mich vermutlich herrlich amüsiert. So jedoch gebe ich meinen Senf im Rahmen dieses Reviews ab und warne ausdrücklichst vor dieser Scheußlichkeit.
Hut ab, Herr Regisseur! Schlechter kann man’s kaum machen. In Anbetracht der zweiten Filmhälfte frage ich mich jedoch immer noch ganz leise, ob ich hier nicht doch eine Parodie vor mir habe.
1 von 10 Punkten – Weil’s schlechter nicht geht.