Review

Jeder liebt BEETLEJUICE! Zumindest äußerten sich nicht nur die Fans, sondern auch alle am ersten Film Beteiligten begeistert darüber, dass das seit 1990 geplante Sequel nun endlich realisiert werden würde. Tim Burton, von seinen letzten Kinofilm-Erfahrungen (u. a. DUMBO für Disney) frustriert, fand nach eigener Aussage bei der TV-Serie WEDNESDAY zurück zur alten Filmleidenschaft. Und das spürt man: BEETLEJUICE BEETLEJUICE sprüht vor Einfällen, Anspielungen und Kabinettstückchen. 

Man merkt auch, dass beim Drehbuch Serienautoren am Werk waren: Was der erste Teil an Handlung zu wenig hatte (ein frisch gestorbenes Geisterpaar will die neuen Mieter ihres Hauses vertreiben), hat der neue Film zu viel. 

Da ist zum einen im Diesseits die Familiengeschichte um „Ghosthouse“-Moderatorin Lydia Deetz (Winona Ryder im Große-Augen-Comedy-Modus), Tochter Astrid (Jenna Ortega in der Fortführung ihrer stoischen Wednesday-Rolle – wann wird sie eigentlich mal als Tochter von Aubrey Plaza besetzt?) und Mutter Delia (Catherine O’Hara in der Fortführung ihrer Rolle als Moira Rose in SCHITT’S CREEK, komplett mit Krähen-Performance), die ein Todesfall zusammenbringt (Schauspieler Jeffrey Jones wurde hier aufgrund problematischer persönlicher Themen, Stichwort Sexualstraftäter, auf besonders kreative Weise aus dem Film geschrieben). In die Familie drängt sich Lydias unangenehmer Producer Rory (Justin Theroux), den keiner so recht mag, Lydia eingeschlossen, der aber trotzdem Heiratspläne schmiedet. Darüber hinaus lernt Astrid auch noch einen netten jungen Mann kennen. 

Und dann ist im Jenseits auch noch die Hölle los, als Beetlejuices Ex Delores (Monica Belluci als bedrohlich-attraktiver „Soul Sucker“) versehentlich reanimiert wird und auf Rache aus ist – ein Fall für Copschauspieler Wolf Jackson (Willem Dafoe in einer eigentlich unnötigen Rolle). 

Was nach vorprogrammiertem Chaos klingt, wird von Burton gekonnt zu einer amüsanten 105-minütigen Geisterstunde zusammengetackert, bei der besonders Genrefilmfans auf ihre Kosten kommen: Die Backstory von Beetlejuice und Delores wird als liebevolle Mario Bava-Hommage in schwarzweiß und auf italienisch mit Untertiteln eingespielt, das Ende ist eine subtile Reminiszenz an den legendären Schluss von Brian de Palmas CARRIE. Und auch die berühmte „Day-O“-Sequenz des ersten BEETLEJUICE erhält ein Upgrade, wenn das Finale zum Nonsens-Song „MacArthur Park“ in voller Länge choreographiert wird. 

Bei den Effekten bleibt Burton sich treu, von Plastillin über Stopmotion bis zu Kostümen und praktischen Props macht hier alles den Eindruck liebevoller Handarbeit, auch wenn der Computer natürlich nachgeholfen hat. Die einfachsten Effekte sind eben die wirkungsvollsten: Die Schrumpfkopf-Mitarbeiter von Beetlejuice mit ihren Talking Heads-Anzügen sind wirklich zum Schreien komisch. 

Darüber hinaus bietet der Film eine der lustigsten Dialogzeilen des Kinojahres, wenn die Nachbarin bei der Trauerfeier Catherine O’Hara zwei Sixpacks Bier überreicht: 

– „These are some samples from my husbands microbrewery.“ 

Darauf O’Hara:

– "Oh, microbrewery! Is this for the people with tiny houses?“ 

Gold!

Details
Ähnliche Filme