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Beetlejuice Beetlejuice

Auch Tim Burton reitet nun auf der 1980er-Retrowelle und lässt nach gut 35 Jahren seinen Lottergeist Beetlejuice aus der Flasche. Alte Stars kehren zurück, neue stoßen dazu, der Rest ist launige Hommage mit Burtonesken Halloween-Vibes. Bei entsprechender Neigung zum Fest ein Spaß für die ganze Familie.

Am 31. Oktober ist es endlich wieder soweit. Die Geister sind los. Einst von irischen Einwanderern importiert, ist das alte Volksbrauchtum längst zu einem popkulturellen Massenphänomen mutiert, bei dem Horror-Süßigkeiten, -Kostüme, - Dekorationen und -Partys nicht zuletzt die Industrie in Feierlaune versetzen. Zumindest in den USA sind Partys und Filme eng miteinander verbunden und Hollywood wird dieser Verantwortung seit Jahrzehnten so gerne wie ausgiebig gerecht. Spätestens ab Mitte September rollt die alljährliche Horrorfilm-Welle durch Kinos und Streamingkanäle und heizt so die landesweite Gruseleuphorie gehörig an. In dieser Saison macht ein guter alter Bekannter den frühen Auftakt und man fragt sich eigentlich nur, warum das so lange gedauert hat.

Seit er zum ersten Mal sein untotes Unwesen trieb, sind immerhin mehr als drei Jahrzehnte vergangen. Drei Jahrzehnte in denen Lottergeist Beetlejuice zu einer Kultfigur der gruseligen Jahreszeit aufstieg. Der von Pop-Gothic-Papst Tim Burton inszenierte Poltergeist prangt nicht nur prominent auf Süßigkeiten, Geschirr und Kleidungsstücken aller Art, sondern ist auch eines der beliebtesten US-amerikanischen Halloween-Kostüme. Dass der schrullige Bio-Exorzist ausgerechnet jetzt wieder in den Kinosälen auftaucht, ist fast schon logisch. Immerhin befinden wir uns im Zeitalter der Retro-Sequelities und der sakralen 80er-Verehrung.

Beetlejuice Beetlejuice ist dann auch ein klassischer Vertreter dieser Zunft. Soll heißen: Man trommele so viel des alten Cast zusammen wie möglich. Man sorge zusätzlich für Kontinuität auf Regie- und Komponistenstuhl. Schließlich bereite man den Boden für die mögliche Staffelstabübergabe durch eine jüngere Generation. Und so darf Tim Burton zu den Klängen Danny Elfmans erneut Michael Keaton von der Leine lassen, Winona Ryder das Fürchten lehren und Catherine O´Hara als Künstlerdiva karikieren. Dazu gesellen sich der alte Weggefährte Danny de Vito (Batmans Rückkehr, Mars Attacks, Big Fish) und die aktuelle Freundin Monica Bellucci. Aber damit nicht genug. Allzweckwaffe Willem Dafoe sowie Shootingstar und Jugend-Ikone Jenna Ortega (Scream, Wednesday) mischen auch noch mit und sorgen für ein regelrechtes Gedränge auf der Besetzungsliste.

Das aufgeblähte Figurenensemble ist dann auch eines der offenkundigsten Probleme des Films. Man gewinnt mitunter den Eindruck, dass Burton mit zu vielen Charakter-Bällen jongliert und gelegentlich den Überblick, mindestens aber den Fokus verliert. Essentiell im Sinne einer späten Fortsetzung sind eigentlich nur der lotterhafte Titelheld und sein einstiger Love Interest. Beetlejuice (Michael Keaton) steht für die gruselige Parallel-Unterwelt des Jenseits und Delia Deetz fungiert wie schon im ersten Film als Bindeglied der beiden Welten. Mit ihrer Entwicklung gibt sich das Drehbuch dann auch die meiste Mühe. Die Transformation vom Geister geplagten Teenager zum Star einer morbiden Trash-Sendung über paranormale Phänomene ist durchaus schlüssig, zumal Ryders Düster-Ikonen-Status (spätestens durch den Mystery-Hit Stranger Things zementiert) hier gleichzeitig genüßlich aufs Korn genommen wird. 

Jenna Ortega als ihre rebellische Teenager-Tochter Astrid ist ebenfalls ein Gewinn. Auch wenn ihre Verpflichtung allzu kalkuliert im Hinblick auf neue Zuschauerschichten wirkt, so ist ihre Chemie mit der reifen und Ähnlichkeit zur jungen Wynona Ryder so überzeugend, dass sich jegliche Meckerei erübrigt. Und selbst die an sich überflüssige Figur des „Afterlife Crime“-Cops Wolf Jackson macht so viel Spaß, dass man sie nicht missen möchte. Willem Dafoe liefert dabei ein Destillat aus allen hard boiled und bad ass Cops der B-Filmgeschichte und grillt es auf dem Knallchargen-Altar.

Bei Monica Bellucci dagegen wird man den Verdacht nicht los, dass Burton seine aktuelle Lebensgefährtin unbedingt im Film haben wollte. Der Plotstrang um Beetlejuices Ex-Frau Delores, die urplötzlich als Seelensaugende Hexe auftaucht um sich für ihren unfreiwilligen Tod per Axt zu rächen, sorgt für ein paar schwarzhumorige Gimmicks, ist aber letztlich für Handlung und Figuren völlig bedeutungslos. Dass sich auch Lydia Deetz mit einem potentiellen Gatten herumschlagen muss und Justin Theroux als schmieriger TV-Produzent Rory ein paar der besten Gags des Films liefert, macht Bellucci Auftritt nur noch verzichtbarer.

Die zwangsläufige Folge ist eine gewisse Episodenhaftigkeit der Handlung, die Burton allerdings mit einem Feuerwerk an skurrilen Einfällen und optischen Gimmicks auf positiv grelle Weise übertüncht. Fans des Orignalfilms werden womöglich ein wenig den Redundanz-Zeigefinger erheben, aber angesichts des Kultcharakters von Film und Figur sowie dem Anvisieren neuer junger Zuschauerschichten sind die Parallelen zum Erstling durchaus stimmig. Die liebevoll kreierten Setpieces der Unterwelt bei einem fast völligen Verzicht auf CGI, die enorme Spielfreude nicht nur Michael Keatons sondern sämtlicher Darsteller bis hin zu Cameos sowie die als roter Faden funktionierende Halloween-Atmosphäre mit Burton-Anstrich werden den saisonalen Ausnahme-Status des schrägen Franchises weiter zementieren.

Dass es sich dabei in erster Linie um ein amerikanischen Phänomen handelt, wird die Macher um Tim Burton bei einem Einspiel um die 300 Millionen Dollar kaum bedrücken. Im Gegenteil. Mit Ortega an Bord dürfte eine ähnliche Wiederbelebung wie bei Wes Cravens Scream-Reihe nur noch Formsache sein. Für den zuletzt schwächelnden Meister dürfte der unerwartet große Box Office Erfolg eine späte Genugtuung sein und ihm überdies finanzielle Freiheiten für neue Projekte verschaffen. Der Geist ist also wieder aus der Flasche, gerade an Halloween ist das ganz sicher keine schlechte Nachricht.

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