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Nach seiner späten Berufung als Actionstar ist Frank Grillo ausgesprochen umtriebig im Genre, veröffentlicht mehrere Titel im Jahr. So führte ihn das Arbeitspensum auch mit Isaac Florentine zusammen, mit dem er „Hounds of War“ drehte.
Es beginnt unvermittelt: Eine Spezialeinheit, aus der Ferne dirigiert von Colonel Hart (Robert Patrick), sucht nach einem Verdächtigen, dem ehemaligen Elitesoldaten Ryder Ward (Frank Grillo). Das vermeintliche Versteck ist leer, der Gesuchte hat nur eine Nachricht hinterlassen. Ryder legt derweil mit einem Scharfschützengewehr auf den US-Präsidenten Lane (Matthew Marsh) an, der gerade auf Staatsbesuch in Malta ist, und drückt ab. Eine kleine Überraschung, dass die wahrscheinliche Hauptfigur, gespielt vom Star des Films, ein Attentat verübt, doch der folgende Film ist der Erklärung dafür gewidmet.
Die Handlung springt also ein halbes Jahr in die Vergangenheit. Ryder ist einer jener Profis im Ruhestand, die noch einmal für eine letzte Mission zurückkehren, in diesem Fall an der Seite seines Bruders. Der Bruder hat eine schwangere Freundin, was den Gesetzmäßigkeiten des Action- und Kriegsfilms folgend natürlich ein Todesurteil für ihn ist. Also entpuppt sich die Black-Ops-Mission, eine unsanktionierte Jagd auf den Terroristen Khalid (Sinclair Mifsud), auch als Falle, bei der die gesamte Söldnertruppe bis auf Ryder draufgeht. Verantwortlich ist Hart, der einen Kuhhandel mit dem Terroristen im Sinn hat, erst eine Bedrohung kreiert und den Übelwicht dann darauf aufmerksam macht.

Dementsprechend sind Ryder auf Rache an den Verantwortlichen, allen voran Colonel Hart. Er sucht seine Ex-Freundin Selina (Rhona Mitra) auf, die nicht nur medizinisch beschlagen ist, sondern auch über ein Hauptquartier in einer Bar und ein paar Handlanger verfügt, um seinen Plan in die Tat umzusetzen…
Dank Steuervergünstigungen ist Malta derzeit ein beliebter Drehort, von Hollywoodproduktionen wie „Jurassic World – Ein neues Zeitalter“ bis zu B-Movies wie „Accident Man 2“. Dementsprechend spielen große Teile der Handlung von „Hounds of War“ dort, mit kleinen (meist eher vergessenswerten) Abstechern an andere Schauplätze wie London, zumindest behaupten dies die Ortseinblendungen. Wahrscheinlich war es die Hauptaufgabe für den wenig beschlagenen Drehbuchautor Jean Pierre Magro einen internationalen Polit-Actionfilm zu schreiben, der trotzdem möglichst viel auf Malta spielt. Wobei die politischen Ansprüche von „Hounds of War“ eher gering sind, es geht halt um Dunkelmänner in Geheimdienstreihen, die so gut wie gar nicht erläuerte Geschäfte mit einem generischen Terroristen machen, der aber keine bedeutende Rolle mehr spielt, nachdem man Ryders Team ausgelöscht hat.
Auch sonst rumpelt das Script eher stockend voran, während der Malen-nach-Zahlen-Plot abgespult wird. Eigentlich bereitet Ryder nur den Coup vor, von dem man bereits einen Teil in der Auftaktszene sieht, gepolstert wird das Ganze durch Füllmaterial, immerhin teilweise aus dem Actionbereich wie bei einer Barschlägerei oder einem Fight gegen betrügerische Geschäftspartner. Dass es sich bei Selina um jene große Liebschaft handelt, mit der es damals nichts wurde, und dass die beiden sich wieder näherkommen, gehört ebenso zu den Standards des Klischeedrehbuchs wie das Schicksal des Oberschurken Hart, bei dessen Ableben man sich direkt an zig andere (bessere) Actionfilme wie „Eraser“ erinnert fühlt. „Hounds of War“ wird zwar von Isaac Florentine zwar mit etwas Tempo inszeniert, schleppt sich aber durch seinen von A bis Z vorhersehbaren Plot ohne große Spannung aufzubauen.

Immerhin kann man an den Actionszenen erkennen, dass mit Florentine ein Könner auf dem Regiestuhl sitzt, der noch dazu auf die Expertise von Kameramann Ericson Core, Stunt Coordinator Russel MacLeod und Action Choreographer David Wald zurückgreifen kann. Die Auslöschung von Ryders Team ist ein brauchbares Shootout, könnte hier und da allerdings etwas übersichtlicher und weniger dunkel in Szene gesetzt sein. Spätere Actionsequenzen sind da deutlich dynamischer, vor allem die Nahkämpfe, in denen Mike Möller als einer von Selinas drei Handlangern ordentlich zulangen darf. Auch seine beiden Kompagnons Lee Charles und Eskindir Tesfay besitzen ordentlich Stunt- und Fight-Erfahrung. Zu seinen Hongkong-Style-Wurzeln kehrt Florentine zwar nicht mehr zurück, aber die Fights haben ordentlich Druck. Das Ganze gipfelt dann im finalen Coup, in dem unter anderem Vehikeljagd zwischen einem Krankenwagen und Verfolgerautos absolviert werden muss – schade nur, dass es keinen Endfight oder einen ähnlichen krönenden Abschluss innerhalb des Finales gibt.
Neben Florentine lässt dann auch die Besetzung zumindest teilweise über das uninspirierte Script hinwegsehen. Frank Grillo ist ja ein alter Profi darin gealterte Profis zu spielen, agiert als tough-desillusionierter Einzelkämpfer mit Charisma, sodass seine Figur über das holzschnittartige Profil des Drehbuchs hinauskommt. Robert Patrick als eiskaltes Ekel von Schreibtischtäter ist ein weiterer großer Gewinn für den Film, Rhona Mitra zementiert ihr Image als toughe Actionlady mit einer soliden Performance. Der Rest hat darstellerisch kaum etwas zu tun und ist dementsprechend unprominent besetzt.

So bleibt „Ninja – Pfad der Rache“ weiterhin der letzte echte Kracher von Florentine, wenn man „Undisputed IV“ nicht mitzählt, bei dem er gerüchteweise wesentlich mehr als nur der Produzent war. „Hounds of War“ profitiert von seinem sicheren Gespür für Actionszenen ebenso wie von den drei Leads und der hübschen Malta-Location, findet allerdings keinen guten erzählerischen Rahmen dafür: Die Geschichte ist generisch, ausgelutscht und reichlich egal, ein lustlos geschriebenes Mittel zum Actionzweck, doch so häufig rummst es dann leider nicht, um das vergessen zu machen.

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