Spätestens seit „Rambo“ hat sich herumgesprochen, dass traumatisierte Kriegsheimkehrer bei Ungerechtigkeiten rasch zur Waffe greifen. Die britischen Regisseure James Clarke und Daniel Shepherd greifen diese Ausgangsposition auf und basteln daraus eine Rachegeschichte.
Andy (Tip Cullen) hat in allen erdenklichen Krisengebieten als Royal Marine gedient, doch seit Afghanistan ist er verändert und in sich gekehrt. Als seine Tochter an einer Überdosis stirbt, begibt sich der ehemalige Soldat umgehend auf die Spur des Drogenkartells. Unterstützt wird er von drei ehemaligen Kameraden…
Die drei Drehbuchautoren konnten sich augenscheinlich nicht für eine konkrete Marschrichtung entscheiden. Die Auswirkungen von PTBS und die daraus resultierenden Konsequenzen fürs Umfeld sind das eine, der Rachefeldzug, welcher keine Gefangenen macht das andere. Leider dauert es recht lange, überhaupt so etwas wie einen Draht zur Hauptfigur herzustellen, da der schweigsame Knabe begleitende Flashbacks benötigt, um überhaupt einen brauchbaren Hintergrund zu erhalten. Kurze Intermezzi bei einer Therapeutin bringen da ebenso wenig wie Erinnerungen anderer Kameraden.
Zwar erhalten die vier Freunde mit der Zeit ein einigermaßen taugliches Profil, doch dies geht zulasten von Tempo und Action, was phasenweise komplett zum Erliegen kommt. Freut man sich noch, als Andy auf impulsive Art mit der Nagelpistole zunächst die kleinen Schergen umnietet, vergeht deutlich zuviel Zeit, bis er und seine Kumpel erneut zu Werke gehen.
Aber auch die Action gestaltet sich auf Dauer eindimensional und teils unglaubwürdig. Gegner werden zu Fallobst, Fights gibt es gar keine und selbst die Kulissen von ehemaligen Fabriken, Lagerhallen oder umgebauten Bordellen schaffen kaum Abwechslung. Zudem mangelt es an spannenden Auseinandersetzungen, da das Heldenteam scheinbar unverwundbar ist und taktisch stets auf den Gegner eingestellt ist, welcher erst gar nicht versucht, sich einigermaßen strategisch zur Wehr zu setzen.
Dies wird selbst zum Finale kaum besser, als man eine luschige Verfolgung mit Fahrzeugen einbindet und die vorherige Kluft zwischen klugen Helden und doofen Drogenheinis noch vertieft. Ganz zum Schluss versucht man noch eine Art Moral und Erkenntnis unterzubringen, doch nach beinahe 115 Minuten übermäßiger Laufzeit gerät dies zur Nebensache.
Schauspielerisch sticht zwar Hauptdarsteller Cullen positiv hervor und die übrigen performen keineswegs schwach, doch die unausgegorene Mischung, welche sich gleichermaßen beim holprigen Erzählfluss widerspiegelt, verhindert ein Mitfiebern. Und bemerkenswerte Schauwerte oder sonstige Highlights fallen aufgrund geringen Budgets und 08/15 - Optik ohnehin aus.
4 von 10