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"Did my cock get blown off?"" - "I'm not going to inspect it."

Kurze Auszeit von Dimitri Logothetis, aus dem hauptberuflichen Stuntman Alain Moussi noch so etwas wie einen Star vor der Kamera zu machen, befindet sich Kickboxer: Armageddon bereits in der Vorproduktion, der Abschluss der Trilogie um die Abenteuer des Kurt Sloane, den Moussi bereits in Kickboxer - Die Vergeltung (2016) und Kickboxer: Die Abrechnung (2018) verkörpert hat, das nachgeschobene gemeinsame Projekt Jiu Jitsu (2020) nicht zu vergessen. Logothetis scheint jedenfalls genug Vertrauen dort in die Besetzung zu haben wie hier in den ältesten, aber unbekanntesten der Hemsworth-Brüder, in Luke Hemsworth, zudem scheint er über ungeahnte finanzielle Hintergründe oder Reserven (Erbe? Lottogewinn? Weinberge?) zu verfügen, soll doch auch hierfür das Budget geschätzeweise um die 20 Mio. USD betragen haben, eine Unsumme für eine reine DtV-Produktion, zumindest heutzutage, selbst die letzten Ausgaben von Willis, Stallone oder Gibson hatten nicht diesen monetären Schwung. Gunner selber stellt sich entsprechend der Voraussetzungen als Actionthriller dar, von seinem Regisseur wie gewohnt mitgeschrieben und auch produziert, eine Eigenverantwortung, die übernommen worden ist, und wo man sich den Verlautbarungen nach auch wieder übernommen hat:

Der hochdekorierte Soldat Lee Gunner [ Luke Hemsworth ] kehrt nach einjähriger Gefangenschaft bei den Al-Qaeda und entsprechender Flucht zu seiner Familie nach Clinton zurück, wo er wegen Nicht-Meldens während der Zeit und allgemeinem Schweigen über die letzten Erfahrungen von seiner ihn fast tot glaubenden Frau Claire [ Yulia Klass ] und dem ältesten Sohn Travis [ Connor DeWolfe ] eher geschnitten wird, aber zumindest der jüngste Spross Luke [ Grant Feely ] noch zu ihm aufschaut. Lee will beide Söhne zusammen mit ihrem Onkel Jon Thomas [ Barry Jay Minoff ] für einige Tage zum Ausflug in das nahegelegene Naturschutzgebiet bringen, um die Verbindungen wieder zu kitten, stößt dort aber auf das Fentanyllabor von Dobbs Ryker [ Mykel Shannon Jenkins ], der trotz erbitterter Gegenwehr und dem Eingreifen des DEA unter Führung von Agent Kaylor [ Sean Rogers ] auch die beiden Söhne als Geisel nehmen kann. Lee wiederum bricht in das Hochsicherheitsgefängnis von Clinton ein, um sich dort Dobbs' einsitzenden Vater Kendrick Ryker [ Morgan Freeman ] zu bemächtigen und diesen als Austausch bereitzuhalten. Leichtere Unterstützung bekommt er dabei durch den befreundeten Sheriff Bob Lilly [ John D. Hickman ] und den Militärkumpan Sean Keller [ Maurice P. Kerry ].

Für die Klientel des Genres ist der Nachschub erstmal willkommen, dankbar aufgenommen, allzu viel Umliegendes in der Zeit wurde nicht angeboten, es gäbe noch Clear Cut und Duchess vielleicht zu vermelden, das war es an Angebot. Ausnahmsweise ist auch weder Lionsgate noch Saban Films hieran beteiligt, es werden andere Firmen hinter der Produktion benannt, manche bekannter, manche unbekannt. Die Bilder sind durchaus kräftig, gleichzeitig etwas entsättigt, sie machen einen durchaus guten Eindruck, für den Moment ist die Freude da, die Aufmerksamkeit auf das Geschehen gelenkt. Es wurde ein Grab ausgehoben, ein tiefes Loch, es wird jemand Armes darin versenkt.

Den Willis, der ja nun krankheitsbedingt ausgefallen ist und sich verabschiedet hat vom Business, macht hier der Freeeman, erfahren mit derlei Produktionen mittlerweile auch, mit der Mitnahme des großen Schecks angesichts weniger Arbeitstage, dem Klatschen auf das Poster als Zweites oder fast einziges Zugpferd, als Verlockung für das Marketing; Freeman ist auch genauso solide, ist hier im Grunde auch der Aufhänger der Geschichte, im Fokus dieser, Randall Emmett mischt hinter den Kulissen übrigens auch mit. Ein Telefongespräch noch im Gefängnis mit einigen Wahrheiten und vielen Codeworten, der Zuschauer weiß noch nicht, worum es geht, es sei denn er hat den Trailer gesehen, der wie üblich heutzutage die Handlung schon in anderthalb Minuten zusammenfasst und nacherzählt.

"More just means more" heißt es hier im Gespräch, die 20 Mio. USD möchte man auch auf der Leinwand (oder eher auf dem Flachbildschirm) sehen, "the big Dinner", von dem gesprochen wird, es wird ein bisschen die Bedrohung aufgefahren, die illegalen Geschäfte, das Kleinstadtmilieu hier, die Gegend nennt sich Clinton, überlebt wird mit ehrlicher harter Arbeit, oder mit unlauteren Dingen, mit Drohungen und Provokationen, "This town changed a lot", Afghanistan war womöglich friedlicher. Die erste Barschlägerei wird gleich bemüht, Hemsworth hat durchaus dem stuckigen Körper dafür, wird durch Schnitt und Montage und einigen Mätzchen der Kamera unterstützt, zuweilen ausgebremst, zuweilen gefördert, je nach Einstellung quasi, es sind viele thailändische Namen unter dem Stunt Coordinator und dessen Crew, Leute auch mit Erfahrung und (nicht nur von diesem Regisseur) auch früher schon gebucht und genutzt. 'Some Special Force Kung Fu Shit" quasi, mehr gewollt als gekonnt, eine schnelle preiswerte Einlage, der Appetizer ist geboten, es kommt noch mehr davon. Manche der Darsteller sind besser, manche sind schlechter, ähnlich verhält es sich mit den Dialogen, auf das Familiendrama kann man verzichten, auf die Geschichte von dem Soldaten mit der Ehrenmedaille und der Rückkehr zur nicht wirklich auf ihn wartenden, nicht wirklich verständnisvollen Familie, das gewohnte Ärgernis mit Frau und Kind(ern), man will die Action sehen, nicht das Vorgeplänkel, nicht die Einführung und Charakterisierungen.

Camping also geplant, vom Man of War (Alternativtitel), gedreht in Montevallo, Shelby County, Alabama, USA, keine 8000 Einwohner, dafür viel Natur und viel hill in the valley, sowie eine historische Struktur. Ein Sohn wartet, ein Sohn nicht, der Zuschauer wartet mit, es wird erstmal das Drama geboten, die Konfrontationen sind privater Ursächlichkeit, das Sheriffs Department wird mehrfach bemüht. Zwischendurch gibt es eine alberne Sequenz vor der Greenscreen ("I'm liking this less and less".), das Geld hätte man sich auch sparen und für etwas anderes nutzen können, aber vom Schreibtisch und im Nachhinein aus lässt sich's leicht kritisieren. Etwa eine halbe Stunde braucht man, bis man auf das entscheidende Problem dann stößt, die Geschichte ähnlich zu Clear Cut, ein unerlaubtes bzw. nicht erwartetes und nicht gern gesehenes Betreten, das Stolpern in die Kriminalität anderer Menschen, die an Zeugen keine Freude haben und dies zu verhindern am Bestreben sind. Drogen hier wie dort, dazu eine Landmine, die Explosion gleich zweimal dargereicht, das brennende Opfer im Detail geboten. Eine erste Schießerei (was ein wenig aussieht wie mit Leuchtspurmunition vollzogen), eine nächste Explosion, die Gasflaschen getroffen, eine größere Detonation, im Land of Bad ist man hier gelandet.

Dass der Film sichtlich nicht ernst gemeint und entsprechend auch nicht so 'für voll' genommen werden kann und will ("It's a bit of hitch."), hat man bis dato schon bemerkt, er wird als Unterhaltung, teilweise fast als Komödie, nicht als aufklopfbar auf Logik und anderen Widrigkeiten aufgezogen, manches könnte auch aus dem Mischmasch Schrägstrich Allerlei Jiu Jitsu stammen, gewinnt im Vergleich dazu sogar, niemand hat Großes mehr erwartet, anders als dort. Erst an Fahren von A nach B, dann ein Durchfragen von C nach D, zwischendurch werden Telefonate geführt und Telefone kontrolliert, Unterschlüpfe gestürmt, immer eine Spur zu spät quasi, das DEA ist auch nicht weiter, obwohl man einen Maulwurf infiltriert. Es geht viel um Vaterschaften, die Kombination Hemsworth/Freeman wirkt ordentlich, Tempo und Druck schafft der Film dabei nicht wirklich, er plätschert eher vor sich hin, untere Marke Jeese V. Johnson oder William Kaufman, falls Logothetis weiter diesen Weg einschlagen sollte, Ersatz für Daniel Zirilli, der ja kürzlich unerwartet gestorben ist.

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