Es war wohl kein Zufall, dass THE SUBSTANCE 2024 einen derart großen Wirbel verursacht hat – das Thema von Schönheitswahn und optischer Selbstoptimierung wartete offensichtlich nur darauf, aus allen Poren Hollywoods hervorzubrechen. Noch im selben Jahr entstanden SHELL mit Elisebeth Moss sowie dieser Film, ein Jahr später folgten u. a. SLANTED und THE UGLY STEPSISTER, 2026 dann die Ryan Murphy Serie THE BEAUTY.
Das Langfilmdebüt von Regisseurin und Co-Autorin Sasha Rainbow ist visuell zwar äußerst interessant, lässt aber inhaltlich jede Menge Potenzial liegen, das simplen und nicht immer überzeugenden Splattereffekten geopfert wird.
Die junge chinesische Wissenschaftlerin Wei erhält ein Stipendium für ein College in Neuseeland und möchte dort die Arbeit ihres Vaters Liu fortführen, der bei einem schiefgelaufenen Experiment ums Leben gekommen ist. Dessen Forschungssujet hat es wirklich in sich: Da sowohl Vater als auch Tochter an unschönen Hautverfärbungen leiden, experimentierte Liu an transplantierbaren Hautschichten, die nach der Verpflanzung jedoch ein unschönes Eigenleben entwickelten. Als „skin grafting“ bezeichnet man derartige Hauttransplantationen, wobei „to graft“ auch „veredeln“ heißen kann. Eine solche „Veredelung“ ihrer Haut und ihres Status strebt Wei mit ihrer Forschung an, wobei sie als Nerd zusätzlich gegen die typischen College-Seilschaften anzukämpfen hat. Wie in solchen Filmen üblich, kommt es bald zu Todesfällen, die Wei praxisnah in ihre Experimente einbinden kann.
Wie schon erwähnt, liegt das Augenmerk der Macher bei GRAFTED auf der visuellen Ebene, jegliche gesellschaftskritische oder satirische Absicht geht dem Film ab (dafür hat man ja dann THE SUBSTANCE oder SLANTED), Humor und Horror sind recht plakativ und nur wenige Szenen so eindrücklich, dass sie im Gedächtnis bleiben. Interessanterweise weist vor allem das Finale eine frappante Ähnlichkeit zu THE SUBSTANCE auf, so dass man sich schon fragen kann, ob das wirklich nur ein Zufall ist.