Die Bestie Mensch
Vor fünf Jahren war „Der Schacht“ auf Netflix eine europäische Sensation, für diese spanische Ellenbogengesellschaft gab's weltweit kaum eine Endstation.
Da war ein Sequel nur eine Frage der Zeit, ich war jedenfalls für einen Nachschlag mehr als bereit.
Denn Konzept und Look irgendwo zwischen „Cube“ und „Das große Fressen“, hatten es in sich und haben beim ersten Aufzugabstieg die meiste Zeit gesessen.
Und die Idee trägt auch den härteren Part Zwei, selbst wenn er dreht hintenraus ins Nichts etwas frei.
Eine intensive Leading Lady und viele eklige Survivalmomente, da werden Leute zerfetzt als wären sie maximal 'ne Ente.
Wirklich viel Neues zu sagen oder gar Antworten zu liefern, das scheint hier nicht der Zweck, viel lieber suhlt man sich intensiv und redundant in Eingeweiden und Dreck.
Dabei gibt’s gerade anfangs ein paar interessante (Neben-)Figuren, doch für Schock, Kampf und Gewalt werden sie schnell erzählerisch verraten zu Huren.
Und gerade gegen Ende werden ein paar schlechte Abkürzungen und Auswege genommen, da sieht man als Zuschauer vor Blut und Rotfiltern fast nur noch verschwommen.
Daher ist „Platform 2“ eine Fortsetzung, die es definitiv nicht hätte geben müssen, dennoch könnte ich die Macher für diese abartige, wortwörtlich vielschichtige und ambivalente Grundidee noch immer küssen.
Als Parabel auf die Gesellschaft und das Ego vieler Menschen durchaus mit Biss, wenn es hart auf hart kommt weicht Hoffnung vielleicht sogar bei mir etwas Schiss.
Das Ziel bleibt unklar, der Ritt ungemütlich und roh, dennoch ist man am Ende arg ratlos und fragt sich, warum liegt da Stroh.
Deswegen hätte man's wohl besser beim Original belassen, das hier ist weiterhin kein Kompliment an Menschen aller Klassen.
Fazit: Härte aufgedreht, stellt mehr Fragen als er Antworten gibt, starke Hauptdarstellerin, fiese Momente und ein Konzept, das metaphorisch wie handfest noch immer zieht - dennoch verliert sich „Der Schacht 2“ in seinem letzten Drittel ziemlich deutlich und endet unbefriedigend. Bis dahin war ich dennoch gefesselt, angeekelt und fasziniert genug.