Review

Und die Moral von der Geschicht: "Traue zweckentfremden Storys nicht"!


Sie hat es vollbracht, Produzentin und Regisseurin Louisa Warren, bis jetzt nur den allerwenigsten Allesguckern bekannt durch unbedeutsame Nischenprodukte, die keiner haben will, oder gerade gut genug sich für "SchleFaZ" Verhältnisse etablieren, einen weiteren Vertreter des Märchengoreabklatsch-Subgenres zu inszenieren, ohne sich dabei zum mittlerweile berühmt-berüchtigten "Poohniverse" zu partizipieren. Für Retrogold 63 aber Grund genug, sich in den Fokus zu stellen und ein paar handfeste Mediabooks rauszuhauen, die innerhalb von einer Viertelstunde ausverkauft waren, auf eigene Gefahr der Käufer hin, sich irgendeinen Schmu für viel Money ins Haus zu holen.

Cinderella, oder auch Aschenputtel, erlebt tagtäglich Mobbing, Hohn und Spott durch Ihre böse Stiefmutter und deren beiden Töchtern. Und auch der achso edle Prinz Doof Charming lässt seine Piesacken ganz gemein an der hübschen Blondine aus, verschmäht sie zutiefst. Der Hass der Geächteten kocht immens über und Sie beschliesst kurzum ein in Menschenhaut gebundenes Beschwörungsbuch (Aha, da hat wohl jemand Tanz der Teufel geschaut) zu benutzen, das sie findet, um mit Hilfe einer böse entstellten Dämonenfee und deren Höllenhelfer, die drangsalierende Meute auf dem Tanzball, so blutig wie möglich, racheentgleist in die ewigen Märchengründe zu schicken. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie vielleicht, aber nur vielleicht noch heute......in der Hölle!

Das Low Budget Filmchen, das ganz lose auf den Märchenklassiker der Grimms Brüder basiert, vereint unverhohlen Trashgülle mit Splattereskapade, dessen Effekte sich einigermassen sehen lassen können und zuweil an Olaf Ittenbach Klassiker erinnert. Das war's dann aber auch schon mit den Lobeshymnen. Denn was den Rest von Film angeht, bewegt sich dieser eher im schlammigen Bereich. Schauspielerisch gesehen nicht unbedingt ein Sahnestück, was wohl doch den eher grenzdebilen Laiendarstellern geschuldet sein dürfte. Aber ebenso die Dialoge, die wohl eher missraten und hölzern daherkommen wie die ungeschliffene Axt im Walde, verblassen geradezu, wie jene Figuren, die sie aussprechen und genauso von Tiefe zeugen, ähnlich seichtem, dümpelnden Gewässer.

Begleitet wird der Horrormurks von unglücklicher Musik, mal hämmernd, dann etwas gruselig, eher verhauen und für die Katz. Erinnerungen an Amateurausflüge a la Jochen Taubert werden da wach; ein Gruselfaktor, den man sich nicht vorstellen mag. Um dem ganzen den Feinschliff zu verpassen, gesellt sich zu aller Ungeniertheit die peinlich deutsche Synchro hinzu, die sich womöglich dem grauenhaften und schludrig niedergeschrieben Drehbuch angepasst hat. Eines sei gewiss: Der Plot ist dämlich, genau wie seine Darsteller des Grauens, die eher auf Seifenoperniveau hantieren und die sich trotz Peinlichkeiten und Sexismus vom allerfeinsten keine Blösse geben.

Aber scheiss der Hund drauf, wozu filmische Qualitäten, die der Billigstreifen vermissen lässt, wenn der Fokus auf dem einzigsten Bedeutungsrelevanten Merkmal sitzt: Vordergründliche Folter und volltrunkener Sadismus, sowie Splatterexzesse, die regelrecht zelebriert werden, aber doch nicht im Vergleich zu einem "Terrifier" mithalten können. Kein grafischer Gewaltexzess kann eine fehlende Story ersetzen, kann komme was will. Das Gleichgewicht tritt völlig aus den Fugen, das Erlebnis bleibt dümmlich einseitig.

Immerhin sind Ausstattung und Design einigermassen stimmig und angepasst. Stellt sich nur die Frage, wie elektrisches Licht und Wandschalter in diese Zeit passen??? Ebenso ätzen die Zenobiten-gleichen Wesenheiten in Lederoutfit (nur in billig halt), die wenig hergeben. So gesehen ist "Cinderella' s Curse" einfach nur innovativarme Blutwurstsuppenkost aus der Discounterkonserve, die weder mit Spannung noch mit irgendsowas wie Klasse aufwarten kann. Und so liegt der Nimbus ganz tief und brach  im Keller der Schmuddelitäten des Brands "Hack and go; see, enjoy and stay happy".

Billiges und niveauloses Arme-Leute-Essen ohne Ambitionen, dafür mit vielen Dämlichkeiten und grauenhafter Dabietung. Echt trostloser und miserabler Beitrag im Märgore Universe. Zwar Uncut, aber ungut! Also, danke für so wenig, Miss Warren. Wir frönen: War nix, ist nix, wird nix! Genau die Sorte von Film, auf den die Welt so sehnsüchtig gewartet hat. Andernfalls nur für echte XXL-Hardcore Fans ein Hochgenuss; allen anderen sei gesagt: Finger weg von der Scheibe (und das ist keine Warnung, sondern ein Spoiler!)


Welche Freigabe ist angemessen für diese Uncut Fassung? Da kein Film mehr indiziert wird bzw. beschlagnahmt, nehme ich mir heraus, diesen ab 18 zu evaluieren, da einige Splattermomente zu blutig und unangemessen geraten sind. Natürlich kein zweiter "Art, the Clown", aber krasse Ableben werden hier garniert!

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