Auch in Paraguay dürften einige verwaiste Gebäude mit vielleicht nicht unbedeutendem historischen Hintergrund stehen, die im Verlauf der Jahrzehnte zu Lost Places verkommen sind. Und weil diese häufig von aufstrebenden Influencern betreten werden, drängt sich für Regisseur Hugo Cardozo die Wahl des Stilmittels Found Footage geradezu auf.
Aldo und sein Bruder Christian sind erfolglose Content Creator, die lange Zeit auf Horrorinhalte verzichten, bis sie zufällig auf dem Grundstück einer unbewohnten Villa landen. Als Christian dem Videomaterial einen Effekt hinzudichtet, schnellen die Klickzahlen in die Höhe, woraufhin die Brüder die Villa eines Nachts erneut betreten. Doch aus kleinen Geister-Fakes wird offenbar echter Spuk…
Bei nicht wenigen Filmfreunden gilt Found Footage als komplett ausgelutscht. Da es in jüngerer Zeit jedoch eher weniger Streifen dieser Art gab, wirkt vorliegender beinahe schon wieder ein wenig erfrischend. Der Stil wird nahezu konsequent durchgezogen, wobei Handy oder Kamera nonstop in Betrieb sind, wenn nicht gerade die Webcam ebenso dauerhaft aktiviert ist. Nach eher anstrengender Vorstellung der ungleichen Brüder, Aldo ist der Laberkopf und unerschrockene Showmaker, Christian der Zurückhaltende, geht es relativ flott ins Herrenhaus.
Gelungen ist, dass Cardozo das Paranormale zunächst wohl dosiert und sich dabei in kleinen Stufen steigert. So wird erst ein Stuhl per Bindfaden bewegt, doch bei der zweiten Aufnahme entwickelt dieser scheinbar ein Eigenleben. Natürlich ist es in dem Gebäude relativ düster, jedoch nie zu dunkel, um nichts zu erkennen und auch die Kamera wackelt nicht ständig und erscheint selbst bei zunehmender Gefahr noch weitgehend authentisch.
Das Interieur der Villa zeichnet sich zwar nicht unbedingt durch markante Flecken aus, doch kleine Eckpunkte, wie ein überdimensionales Portrait bleiben durchaus hängen. Klischeehafte Erscheinungen wie ein Dreirad punkten da eher weniger und obgleich man den Räumlichkeiten die jahrelange menschliche Abstinenz abkauft, überzeugt die unheimliche Komponente nur bedingt, was auch an der Inkonsequenz liegt, einen kaum merklichen Score beizumengen, der natürlich immer bei drohender Gefahr zum Einsatz kommt.
Die übersinnlichen Erscheinungen erfahren eine merkliche Steigerung und man erhält eine ungefähre Ahnung von der Geschichte des Gebäudes, zumal auch menschlich erscheinende Gestalten auftauchen und gar einige Worte von sich geben. Nachdem die Sache beinahe dem Ende entgegen geht, folgt noch ein Twist, der als durchaus gelungen bezeichnet werden kann und die Angelegenheit ein wenig aufwertet.
Zwar neigen die Mimen partiell zum Overacting, doch anderweitig entspricht dies dem Gehabe einiger Poser, was sich im Verlauf auch ein wenig relativiert, sobald die Gelassenheit Angst und Panik weicht. Sonderlich innovativ erscheint die simpel gestrickte Geschichte letztlich nicht, doch mit den wenigen Mitteln im Zuge einer knackigen Laufzeit von 84 Minuten wird man mit den paranormalen Aktivitäten einigermaßen bei Laune gehalten.
6 von 10