Ach ja, ihr Lucky Stars... ihr seid schon ein Fall für sich. Drei Freunde bilden euer Dreieck, nicht wahr? Drei Freunde, die sich in der Opernschule von Hong Kong kennengelernt haben und durch ihre langjährige Freundschaft harmonierten wie kaum ein zweites Trio. Sammo Hung, Jackie Chan, Yuen Biao, das sind eure Namen, und ihr wollt diesen Film, Tokyo Powerman, Fuk sing go jiu, zu einer würdigen Fortsetzung des allerersten Lucky Stars-Abenteuer machen. Ein Abenteuer, das man im Deutschen unter dem Titel “Winners & Sinners” kennt. Strahlt, ihr funkelnden Sterne, strahlt mit ganzer Kraft.
Doch die Lucky Stars, das seid im eigentlichen Sinne nicht ihr drei, hab ich Recht? Sterne haben meist fünf Zacken. Sammo, du bist einer der Zacken, und zwar der ganz oben. Du bist der Sternenkopf, hast du doch das Abenteuer der verschworenen Freunde inszeniert. An deiner Seite finden wir Richard Ng, der Sandy spielt; Eric Tsang, der Roundhead mimt; Charlie Chin, der Herb verkörpert; und Shui-Fan Fung, der Rawhide darstellt. Geändert haben sich fast nur die Namen gegenüber eurer ersten Zusammenkunft; eure Wesenszüge sind immer noch die gleichen. Ihr seid ein chaotischer Haufen von infantilen Babys, ein zerstrittener Pulk. Aber ihr seid Freunde. Wenn ihr eine Frau seht, siegt die Beule in der Hose über euren Verstand und über die Loyalität zu euresgleichen, kriminell seid ihr auch... aber wenn es hart auf hart kommt, haltet ihr zusammen. Man kann euch eigentlich nur hassen oder lieben, denn euer Humor ist so unfassbar albern und kindlich, dass man darüber entweder mit den Augen rollt oder euch unweigerlich ins Herz schließt, ihr Kindsköpfe! Und wenn ich sehe, wie du, Richard Ng, parallel zu deiner Unsichtbarkeitsformel aus “Winners & Sinners” diesmal glaubst, per Gedankenkraft Ereignisse auszulösen, oder wie du, Sammo Hung, wieder die trotzige Pummelwurst gibst, die plötzlich mit erstaunlichen Kampfeinlagen überrascht, dann weiß ich, ich bin zu Hause... da, wo die Sterne am hellsten strahlen.
Doch was hat es nun mit euch drei Freunden von der Opernschule auf sich? Richtig! Jackie, mit dir wird der Film beworben, denn du hast es von allen am weitesten gebracht. Sei nicht böse auf die Marketingmänner, die müssen so denken, um Geld zu verdienen, weißt du? Nun, deine diesmalige Rolle als Polizist “Muscles” hat sich nicht sonderlich von derjenigen des “CID07" geändert. Immer noch bist du nur ein kleiner Nebencharakter, ist es nicht so? Aber mein lieber Jackie, am Anfang und am Ende darfst du ja richtig aufdrehen. Immerhin. Du kletterst wie ein Wiesel ein Riesenrad rauf und runter, da hab ich schon zufrieden genickt - eine schöne Szene. Die wird aber noch geschlagen von der herausfordernden Jagd durch die Geisterbahn. Was hab ich mit dir gezittert, und wie schnell hast du reagiert auf all die plötzlich aus dem Boden schießenden Gegner. Beeindruckend, mein lieber Jackie.
Aber dein Freund? Armer, armer Yuen Biao. Die Story meint es nicht gut mit dir, denn sie erfordert es, dass du ziemlich schnell aus der Handlung genommen wirst - du hast ja gar keine Zeit, zu beweisen, was du kannst. Eine Schande. Es ist okay, dass du, Jackie, so gemäßigt zum Einsatz kommst - es sind schließlich die Lucky Stars, die im Mittelpunkt stehen. Aber dein Kumpel hat ja gar nichts zu tun. Ihr wisst sicher am besten, dass eure formidable Achse, die Achse der “Superfreunde”, leider nicht genutzt wird. Das tut mir leid für euch.
Sammo, Richard, Eric, Charlie, Shui-Fan, hört ihr mir noch zu? Das solltet ihr, denn jetzt geht es wieder um euch, und ich will euch nochmal ein Lob ausstellen. Schon euer erstes Abenteuer hat gezeigt, dass eure Geschichten nüchtern betrachtet sehr trocken sind. Erlebt ihr denn eigentlich keine aufregenderen Sachen, dass ihr mir so etwas erzählen müsst? Aber Moment, ich wollte euch ja loben... ich muss euch doch sagen, dass ihr das fehlende Potenzial eurer Geschichte als Partyanekdote geschickt kaschieren könnt mit euren seltsamen Zwischenstories, die ja eigentlich gar nix mit der eigentlichen Geschichte zu tun haben. Ihr schweift also sehr schnell ab, aber dabei hört man euch sehr gerne zu (wenn man euch mag - passt auf, wem ihr die Geschichte erzählt, meine Freunde!). Hah, ich sag euch, die Geschichte mit dem fünffachen Überfall und den Fesseln war so ballaballa, sowas kann wirklich nur euch passieren, ihr Verrückten! Wie habt ihr bloß Sibelle Hu dazu überreden können, sich mehr als einmal fesseln zu lassen - und überhaupt, wie konntet ihr sie nur überreden, so viel Zeit mit euch Lustmolchen zu verbringen? Dafür habt ihr meinen vollsten Respekt.
Schön und gut, ihr seid als Geschichtenerzähler alles andere als effektiv - wenn ihr eure Albernheiten schildert, geht es mit der Story kein Stück voran. Aber was macht das schon?
Obwohl ich schon sagen muss, es hätte etwas mehr passieren dürfen. Etwas mehr Pfeffer, ihr versteht? Etwas mehr Action. An der Stelle, als ihr mir von der Autoverfolgungsjagd berichtetet, da horchte ich auf und wollte mehr. Danach kam aber zunächst nicht viel mehr. Kurz vor dem Ende eurer Geschichte ging es dann wieder los, aber das war viel zu spät. Im Mittelteil habt ihr ja anscheinend gar nix gemacht außer herumzualbern. Irgendwann muss man ja auch mal erwachsen werden. Jackie, gerade von dir hätte ich erwartet, dass du etwas mehr darauf achtest - von den fünf Kindsköpfen erwarte ich ja gar nicht so viel, aber du hättest ihnen mal zeigen sollen, wo es langgeht. Das tust du zwar manchmal, aber einfach nicht oft genug. Ich hätte mir gewünscht, dass du härter durchgreifst. Dass du vielleicht auch mal die Konfrontation Mann gegen Mann suchst.
Nun, man kennt euch jetzt noch besser als zuvor, und das ist gut so. Wer euch nicht mag, der muss euch ja spätestens nach “Winners & Sinners” nicht mehr zuhören. Mir hat es insgesamt doch Spaß gemacht, euren Albernheiten beizuwohnen, auch wenn ich schon bessere Anekdoten zu hören bekommen habe. Manchmal würde ich mir wünschen, dass ihr nicht immer die eigentliche Geschichte aus den Augen verlieren würdet, manchmal wünsche ich mir etwas mehr Abenteuer, und manchmal will ich einfach nur, dass ihr verdammt noch mal erwachsen werdet. Nehmt es nicht so schwer! Auf eure Weise seid ihr ein paar sympathische Kerle... verrückt, aber sympathisch. Das rechne ich euch hoch an, wenn ihr mal wieder nicht auf den Punkt kommt. Ihr Lucky Stars, strahlt mit eurer überwältigenden Kraft... ich werde eurem Schein auch weiterhin folgen.