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In einer dystopischen Zukunft der Erde hat der Kampf um Rohstoffe einerseits und die ständigen Kriege zwischen den verschiedenen Völkern andererseits zu einem ebenso radikalen wie ungewöhnlichen Ergebnis geführt: während die Wissenschaftler eine bestimmte Orchideen-art gezüchtet hatten, die als nachwachsender Rohstoff sämtliche Energieprobleme der Menschheit zu lösen imstande ist, wurden sämtliche Erdbewohner mit ihrem vollendeten 16. Lebensjahr in eine Transformationsmaschine gesteckt, die sie physisch, aber auch psychisch gewandelt ihrem eigenen Idealbild entsprechend wieder verlassen. Diese Pretties genannten Menschen, zufrieden mit sich und ihrem Aussehen, stellen somit eine ideale Gesellschaft dar, in der Kriege und Auseinandersetzungen einfach nicht mehr stattfinden.
Auch die 15-jährige Tally Youngblood (Joey King) steht kurz vor dieser Umwandlung, auf die sie sich schon sehr freut, wünscht sich das brünette Mädchen, das nicht unbedingt dem gängigen Schönheitsideal entspricht und von ihrem Freund Peris (Chase Stokes) Schielauge genannt wird, doch schon sehnlichst goldene Augen. Peris selbst nennt sie aufgrund seines Gesichtserkers Nase, doch Peris, wenige Monate älter als Tally, ist bereits jetzt an der Reihe: Gemeinsam mit hunderten anderer Jugendlicher, die an diesem Tag Geburtstag haben, wird er transformiert. Zuvor jedoch verspricht er Tally hoch und heilig, sich in einem Monat mit ihr heimlich an einem ihrer bevorzugten Treffpunkte, einer Brücke, zu treffen. Heimlich deswegen, weil die Pretties meist unter sich bleiben, wenn sie (abends) feiern und tanzen gehen, was den noch-nicht-Transformierten, den titelgebenden Uglies, für die eine Ausgangssperre gilt, nicht gestattet ist.
Doch nach dem vergangenen Monat kreuzt Peris nicht am vereinbarten Treffpunkt auf, was Tally dazu bringt, sich zu maskieren und (vorerst) unerkannt eine Pretties-Party in einem Hochhaus zu besuchen. Sie findet dort auch Peris vor, doch der ist nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich verändert und mag sich nicht mehr mit seiner Jugendfreundin abgeben. Enttäuscht muß Tally vor den Wächtern genannten fliegenden Drohnen abhauen, was ihr nur mit Hilfe ihrer Schulfreundin Shay (Brianne Tju) gelingt. Shay, die ebenfalls noch auf ihre Transformation wartet, erzählt Tally von einem Land außerhalb der Stadt, wo angeblich Menschen wohnen, die sich dieser neuen Gesellschaft und ihrem vorgeschriebenen Transformationsrhythmus entziehen, versteckt in Wäldern hausen und wie die frühere Zivilisation leben - die Rusties. Shay möchte diese Rusties, die landläufig als urban legend gelten, unbedingt kennenlernen und würde Tally gerne mitnehmen, zudem sie sich gar nicht transformieren lassen will, doch Tally, die sich auf ihre Unwandlung schon zu sehr freut, lehnt ab, sodaß Shay alleine loszieht.
Doch als kurz darauf Tallys Transformation von der Leiterin Dr. Cable (Laverne Cox) verschoben wird, welche das Mädchen damit erpressen will, Informationen zu ihrer abtrünnigen Freundin preiszugeben, reist Tally schweren Herzens mit einem Spitzelauftrag ihrer Freundin dann doch hinterher in die archaische Welt da draußen...

Es ist nicht immer leicht, eine Romanvorlage in bewegte Bilder umzusetzen, doch der Sci-Fi-Jugendstreifen Ugly - Verlier nicht dein Gesicht von Regisseur McG startet schon gleich zu Beginn mit einigen unglaublichen Prämissen, die man als erwachsener Zuschauer kaum zu akzeptieren bereit ist. Während die eigentliche Story um Freundschaft, Überzeugung und eigene Entscheidungen dann zielgruppenspezifisch auf ein jugendliches Publikum zugeschnitten ist und dabei weitgehend bekannten Erzähl- und Erlebnismustern inkusive Happy-End folgt, kommen vor allem die technischen Aspekte dieser Dystopie viel zu kurz.

Die nur anfangs erwähnte Orchideen-Art löst also angeblich alle Energieprobleme, sodaß kein Öl mehr gefördert werden muß. Später heißt es, die in riesigen Plantagen kultivierte Pflanze würde dem Boden Nährstoffe entziehen und sei insgesamt schädlich. Das muß man einfach so schlucken, mehr Erläuterungen gibts nicht. Ähm? Noch besser wirds dann mit der staatlicherseits vorgeschriebenen Transformation, deren gesellschaftlicher Segen(?) nur in buntgekleideten Teenagern zu bestehen scheint, die sich selbstverliebt auf Parties bewundern lassen. Wie diese neue Gesellschaft tatsächlich funktioniert wird mit keinem Wort erwähnt. Die "Regierung" scheint auch nur aus der Leiterin des Transformationslabors, der androgynen dunkelhäutigen Dr. Cable, zu bestehen. Die ergeht sich meist in salbungsvollen Worten und verortet den freien Willen als eine gefährliche Denkweise - ach was?! Die fliegenden Wächter-Drohnen immerhin weisen auf eine latent faschistische Staatsform hin, doch keines dieser Themen wird näher angesprochen, nicht einmal in einer für Jugendliche verständlich aufbereiteten Form.

So bleibt am Ende nur die wenigstens das eine oder andere Mal angesprochene Binsenweisheit, daß nicht das Äußere, sondern die inneren Werte einer Person zählen, zu vermerken - das ist dann aber auch schon alles, was dieser Sci-Fi-Abenteuerfilm seinem jugendlichen Publikum mitzugeben bereit ist.
Rechnet man noch die wenigen und eher peinlichen Actionszenen mit z.B. einem Helikopter über einem brennenden Feld oder auf Surfbrettern in den offenbar überhaupt nicht gesicherten Laborkern eindringende Jugendliche hinzu - von den für ihre jugendlichen Filmcharaktäre deutlich zu alten Darstellern einmal gar nicht zu reden - überwiegen bei Ugly - Verlier nicht dein Gesicht dann endgültig die negativen Aspekte. 100 Minuten farbenfrohes Fantasy-Abenteuer ohne Tiefgang und ohne Aussagen, muß man wirklich nicht gesehen haben. 3 Punkte.

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