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Treffen der Giganten hier, der des chinesischen Streamingmarktes zumindest, gefördert von iQIYI Pictures, die mit ca. einer halben Milliarde Kunden auch mit führend als Anbieter von Video-on-Demand-Ware für den Zuschauer, als Bereitsteller von neuem Entertainment für die Abonnenten und als Lieferant nicht bloß des modernen asiatischen Actionthrillers sind. Die Einleitung könnte und wird wahrscheinlich auch bei anderen Werken stehen, trafen bspw. in Hunt the Wicked (2024) mit Andy On und Xie Miao zwei ähnliche Kaliber wie hier Andy On und Louis Fan aufeinander, werden die VIP-Darsteller auch gerne mal gegeneinander gesetzt und so noch attraktiver als einzeln besetzt. On und Fan, die beide ursprünglich aus dem HK-Kino kommen und beide dort erste Gehversuche sowie auch welche in Sachen Hauptrolle hatten (Fan war Story of Ricky, 1991, und lebt wahrscheinlich ewig in den Herzen der Fans davon), aber nie wirklich zum Star wurden – ähnlich zu Xing Yu, der in Snowstorm auf Fan trifft, und in Cruel War (beide ebenfalls 2024) auf On – , ihren nächsten Karriereschritt aber in die VRC verlegten und dort die Anerkennung gefunden haben, die ihnen lange verwehrt wurde und nun endlich beim Zuschauer und vice versa angekommen ist. Die jeweiligen Projekte selber werden neben der Auswertung auf dem Videoportal zuweilen wegen des Castings auch in das Ausland vertrieben, nach den USA, ab und an erreicht man auch den langen Weg nach Deutschland, ist doch Nachschub für die ungeduldige Klientel gefragt, das zwischenzeitlich populäre HK-Kino derzeit anders ausgerichtet und mit anderen Genres das lokale Publikum bedienend, und verbessert sich manchmal tatsächlich auch die Qualität:

Die Pacific Tangda Insel gilt eher als Ort für allerlei Emigranten, die dort ihr Glück versuchen, entweder durch ehrliche Arbeit wie der Koch Lao Chen [ Louis Fan ], der im Restaurant von Mina [ Zhao Zi Qi ] arbeitet und mit dieser und ihrer Tochter Xiao Di [ anstrengend: Abigail Ren ] auch zusammen wohnt. Dabei heißt Chen eigentlich anders, war vor zwei Jahrzehnten ein erfolgreicher MMA Spezialist und wurde von dem Gangster Fei Li [ Yu Kang ] damals mit seiner Familie zu einem Goldraub erpresst, wobei auch ein Polizist getötet wurde, dessen Sohn A Can [ Andy On ] ewige Rache geschworen hat und ebenfalls Cop, unter Führung von Cha Ban [ Jackson Lou ] geworden ist. Als Fei Li die kleine Xiao Di und die Chinesin Xiao Mei [ Eleanor Lee ] entführen lässt, legt er sich gleich mit beiden grundverschiedenen Männern an.

Dabei arbeitet man hier wieder mit Fantasieorten, werden keine reellen Städte oder gar Länder benannt, sondern solchen Gegenden wie 'Pacific Tangda Island', gerne auch 'somewhere in South East', eine Vorsichtsmaßnahme seitens der Produzenten, die Zensurbehörden milde zu stimmen; das Werk ist reine Fiktion, es hat nichts mit dem Staat der Volksrepublik China zu tun. Es wird mit Voice Over eingeleitet, es wird ein bisschen aus dem Nähästchen geplaudert, die Örtlichkeit glaubt man auch schon mal gesehen zu haben oder gar öfters, die 'Joint Street' hier sieht aus wie die aus The Comeback (2023), dort das Aufeinandertreffen von On mit Simon Yam, dort in der Position des Bösen. Die Geschichte hier wie dort mit einer Rückblende, eine Saga fast, springt man 15 Jahre in die Vergangenheit, erzählt man über Umwege das Offensichtliche, die Herkunft für die folgende Konfrontation und Eskalation.

Es wird ein bisschen was fürs Thema Migration fabuliert, es wird das Gangstertum eingeführt, ein erzwungener Goldraub, eine violente Erpressung, ein einseitiges Geschäft, eine lang dauernde Rache, Tag und Nacht wird patrouilliert. Ein wenig auf die Tränendrüse drückt man, dann die erste Bedrohung, ein Angriff mit Schusswaffen und in Überzahl, ein Abfeuern von Schrot und Blei ohne Vorwarnung. Die ersten Bluttaten, die ersten Nahkämpfe, in Sachen Gewalt ist man nicht zimperlich, manchmal sogar kreativ; zudem hat man Fachleute vor der Kamera und wird dies auch so behandelt und die tatsächlichen Martial Arts Kenntnis auch mit längeren Einstellungen, mit komplizierteren Bewegungen, mit Verdeutlichung in der (Halb)Totalen gewürdigt. Natürlich wird zuweilen, aber selten auch nachgeholfen, zur Tricktechnik gegriffen, gerade bei dem Hantieren mit Feuer oder dem Stürzen durch Glas, was beides aus dem Computer dann und dies auch deutlich sichtbar kommt. Ein erster Gewaltrausch zumindest, die ersten fatalen Verletzungen und Tötungen, dann der Sprung in die Jetztzeit, ein Trubel an Gesellschaft, mit Vorboten und mit Prophezeiungen und Omen. Inszenatorisch und narrativ gibt es die ersten Albernheiten und Naivität, das gehört wahrscheinlich und leider noch dazu, das war auch öfters bei anderen Arbeiten wie eben The Comeback zu finden, da kann man seine Herkunft schlecht verleugnen; weder die Landeskultur noch die niedere Struktur, man ist und bleibt ein simples Unterhaltungserzeugnis.

Um Drogen dreht es sich natürlich auch, um die Sucht, die Vernichtung der Moral, die Büchse der Pandora, zudem gibt es hier, in dieser 'Bananenrepublik' auch Korruption innerhalb der Polizei, und sexueller Missbrauch, deswegen die Namensflucht. Das Übel ist vorherrschend, das Gute noch versteckt und lauernd, außerdem ein Einzelgänger und bald ein Einzelkämpfer, wird auf den Strassen und in den Spelunken der Halunken aufgeräumt. "The smell of filth" trifft auf die heile Welt, dort wird gefeiert und die große Party veranstaltet, hier im Kleinen und noch friedlichen vor sich hin gelebt und geträumt, die Reibung ist zwangsweise und unerbittlich, "The Chinese will help the Chinese." heißt es später. Es geht ums Leben und ums Überleben. Fan in der Hauptrolle ist dabei zumindest eine Art Identifikation, er hatte die ersten Auftritte bereits in den Achtzigern, er ist schon ewig dabei, er schien ein Comeback mit Ip Man (2008) zu erhalten, wurde aber anschließend wieder vernachlässigt, hier und die anderen Webmovies das zweite Standbein, die Endstufe wahrscheinlich auch, er ist (als Sohn von Fan Mei-Sheng) ein Tick älter als die anderen, er wird nicht ewig Zugkraft haben und nicht ewig den Recken geben. Der Film hier als Regiedebüt, "The Hunt" die wörtliche Übersetzung des Arbeitstitels, gedreht vom ehemaligen Schauspieler Ren Gaoliang, im Oktober '23, Ren muss sich erst noch beweisen, selber einen Namen machen, hier wird noch viel versucht und nicht immer etwas erreicht, die Verhältnisse klar, und trotzdem hinausgezögert. Zudem wird ein Drama eingespeist, was nicht interessiert und den Film zäher macht, als er sein müsste. Erfahrene Filmemacher wie Huo Siuqiang waren wahrscheinlich nicht verfügbar und anderweitig eingebunden, und es ist noch ein Meister vom Himmel gefallen, das sieht man hier deutlich.

Nach einer halben Stunde wird es etwas dringlicher, drängender, zwingender, es geht um Menschen-, Sex- und Organhandel, die Fristen enger. Die Infiltration eines riesigen verlassenen Gebäudes, eine stillgelegte 'Fabrik', das Eindringen in den Unterschlupf der Gangster, eine ungewohnte Zusammenarbeit, aus der Not heraus geboren. Ein Massenszenario, mit Fäusten, Fußtritten, Schlagrohren und anderem Werkzeug mit angegriffen und verteidigt, ein ungleicher Wettstreit, eigentlich von vornherein rein zahlenmäßig schon verloren. Die Areale werden nicht schöner mit der Zeit, eher abgewrackter, grauer, schrottreife Industrieruinen, wie aus einem B-Picture, was der Film auch ist, an Überraschungen wenig, eigentlich nur wegen der Action interessierend und existierend, darunter eine Schießerei und wieder ein Handgemenge im Restaurant, der Choreograf leistet jedenfalls noch mit die beste Arbeit. Fan spielt die Rolle aus dem Effeff, ein wenig Erinnerungen an The Moss (2008, hierzulande bekannt als Hong Kong Dangerous - Stadt der Gewalt) kommt auch zum Vorschein, On selber ist eine solide Ergänzung, schon der zweite Mann, aber mit eigenem Gehalt und etwas Gegengewicht.

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