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Wenn man Jackie Chan angesichts seiner letzten Filme etwas zugutehalten kann und muss, ist es seine weiterhin bestehende Diensteifrigkeit und (angesichts des Alters auch) seine Dienstfertigkeit, den Willen, sich nicht aus dem mittlerweile hart umkämpften und eigentlich bloß noch aus der Rücksicht betrachtenden Filmgeschäft zurückzuziehen, sondern weiterzumachen, weiter sein noch vorhandenes Publikum, ob nun mit Sequels oder Gängen in neue Gefilde zu bedienen; und der Grund dafür wird hier tatsächlich auch von ihm selber erläutert, eine Lebensweise, kein Aufhören so einfach möglich. Bloß: Anfangs haben den Wechsel von HK mittlerweile nahezu durchgängig in die VRC auch die Zuschauer mitgezogen und mitgetragen, wurden dort teilweise Rekordeinnahmen erzielt, diese Zeiten sind mittlerweile seit längerem vorbei und werden auch nicht mehr erreicht werden, soviel schon mal in der Prophezeiung:

Jackie Chan [ Jackie Chan ] wird für die Adoption eines Pandas und die anschließende Namensgebung in den großangelegten Noah Zoo 'einbestellt', wo er sich schnell mit der fürsorglichen Pflegerin Su Xiaozhu [ Shi Ce ] anfreundet, die eigentlich gerade zu Gunsten ihrer Hilfebedürftigen Eltern eine Kündigung an den Manager Da Wei [ Wei Xiang ] einreichen wollte. Womit alle, auch der Direktor [ Andy Friend ] nicht gerechnet haben, ist ein Überfall durch den Söldnerführer Su Kun [ Han Yanbo ], der von einem arabischen Scheich eine Millionensumme für den Panda bekommen hat, und mit seinen Mannen wie Yu Wangshi [ Temur Mamisashvili ], Ha Li [ Rui Danni ] oder Luo Yi [ Mwakifulefuleenock Mbookigwe ] eine entsprechende Geiselnahme der Anwesenden und eine Entführung des Tieres plant.

Hier ist abermals die Actionkomödie dargereicht, für die ganze Familie, der übermäßigen Konkurrenz zum Chinesischen Neujahr ist man wohlweislich aus dem Weg gegangen und hat das Werk zuvor, und dies unter einem (im Ausland) weitgehend unbekannten Regisseur veröffentlicht. Die Titelsequenz, eine Art schwarz animiertes Akira und der scheinbare Prolog selber sind dabei noch das Auffälligste am Film, zwei rasende Motorradfahrer, zweimal Durchspringen von Glasscheiben einer Kirche mit dem rasenden Gefährt und das Zusammenstürzen der Fahrzeuge, beide Fahrer bewaffnet mit Schnellfeuergewehren, dazu mehrere Angreifer in dem Gebäude, bewaffnet ebenso oder mit Schwertern, eine schwere und abrupte Verteidigung gegen die maskierten Attackierenden, zwischen Akrobatik und Härten bis hin zur Brutalität gehalten; die wahrscheinlich beste Actionszene von Chan seit Vanguard (2020) oder Bleeding Steel (2017), hier allerdings ein Film im Film, ähnlich wie Jahrzehnte zuvor bei King of Comedy (1999) gehalten.

Jackie ist hier Schauspieler, er ist halt Jackie, er bekommt eine neue Trilogie angeboten, er bekommt eine Einladung von Stallone zur Hausparty, welche er abschlägt und lieber Blumen schickt, es gibt also keinen Gastauftritt, mit Geld und Aufwand sind die Filme aber dennoch gehalten, vielleicht hätte man für 1 Mio. USD oder dergleichen auch den Hollywoodstar für einen Cameo einladen können; stattdessen wird in bunten bis fluffigen Bildern eine dünne Story über die Adaption eines Pandas bereitgehalten, ein Werk eher für die jüngeren Zuschauer, die den 'Onkel Jackie' nicht aus den Siebzigern oder den Achtzigern (oder den Neunzigern) kennen, sondern aus den letzten paar Jahren. Dass die Filme immer noch kommerziell angelegt sind und diesen Kommerz auch bedienen können, sieht man an schnellen Auslandsverkäufen, gerade die westliche Welt nimmt die Produktionen noch mit Kusshand (und Geld) ab und veröffentlicht sie schnell; welche andere chinesische größere Arbeit hat schon diesen Bonus, Deutschland wartet quasi noch auf die letzten drei Zhang Yimou, das ist die bittere Realität. So läuft der Markt, so ist die Welt.

Demnach geht es in das Farbige hier, das Spielerische, ein großer Abenteuerzoo, etwas zu Erkunden und zu fotografieren, alle sind gut gelaunt, außer vielleicht der Zuschauer und der vor allem lieber von früher, der aus den Siebzigern und Achtzigern, der, der der glorreichen Vergangenheit nachtrauert, der noch die Videokassetten daheim hat und alle paar Monate Police Story (1985) in den Player wirft. Die Bilder sind so knallig wie die Musik laut ist, eine große Party, ein Ausflug in das Kindische, die Geschichte ist auf das Künstliche und die Niedlichkeit getrimmt, auf das Seichte und das Leichte, die anderen Darsteller kennt man nicht, dafür hat man einen süßen Panda hier. Selbstironie ist auch vorherrschend, es werden Kommentare über die X-Beine und die große Nase des Schauspielers gemacht; er hat das Drehbuch wahrscheinlich vorher gelesen, also hat er die Aussagen zugestimmt und abgenommen. Der Panda selber, mal echt, mal eher nicht, ist natürlich knuffig, da freuen sich die Kinder und die Großgewordenen und jung Gebliebenen, der Film ist von der Laufzeit her übersichtlich, man geht ein bisschen Eis essen und unterhält sich über dies und das, die Dialoge sind nicht so wichtig; dafür schaltet auch keiner ein, wenn man ehrlich ist. Die Witze sind eher nieder eingangs, die erste popkulturelle Referenz mal ausgenommen, dafür wird dann auch eine mysteriöse Gegenpartei gezeigt, ein Antagonist, ein mieser Plan, immerhin ist Jackie da, der eilt dann zur Rettung.

Der Darsteller hier mal abseits seines sonstigen Kompagnons Stanley Tong; eigentlich hätte man diesen aber der Nummer hier erwartet, der andere Regisseur ist für derlei Arbeiten aber genauso fähig und hat auch vielleicht noch etwas Ehrgeiz und Kreativität. Die Prämisse hier ist eine Art Stirb langsam im Tierpark, die Söldner sind ebenso Karikaturen wie deren Behandlung auch als Joke dargereicht wird, einer bleibt wegen seiner Leibesfülle im Luftschacht stecken bspw. Im sichtlich künstlichen Setting wird eine Albernheit nach der anderen dargereicht, mit etwas mehr Erfolg an den Kassen als zuvor, zumindest mit dem vierfachen Einspiel von (der böse gefloppten Travestie) The Legend (2024). Wie in der Eröffnungsszene am Filmset wird auch das Werk hier gehandhabt, nur in der Länge und in der Breite und natürlich ohne Blut, mit ein paar Schüssen in die Gegend eingefangen und einer größeren Geiselnahme, die Mercenaries kennen den Filmstar, sie wussten nichts von seiner Anwesenheit, ein Spiel zwischen Kino und 'Realität', zwischen 'Sein' und Schein, auch die kämpferische Finesse des Filmstars von den Bösewichtern infrage gestellt, beizeiten der Gegenbeweis. Man freut sich direkt auf den Kontakt, der Zuschauer freut sich mit, mithilfe von Wirework und Stuntman und etwas Eigeneinsatz kann der Filmstar noch kämpfen, er wird 70 in kurzer Zeit, also nicht zu viel zu erwarten, zumal es eher auf Harmlosigkeit angelegt ist und auf Witz der wenig subtilen Art, nicht gleich Selbstdemontage, aber schon bisschen in die Richtung, fast ein Schwanengesang. Wer sich demnach auf Handgreiflichkeiten in alter Manier freut, sieht sich enttäuscht, es ist und bleibt eine gross-out Komödie, die Witzigkeit kennt keine Grenzen hier, eine Art Kindergarten als Film, ein Versteckspiel, eine Slapstickparade, ein Sturz durch Zuckerwasser auch, kein 'Glass Story' hier.

Es gibt sogar einen sprechenden Roboter, eine Art fahrende Lieferantenbox mit künstlicher Intelligenz, die Chinesen halt, immer weit vorn in der Technik. Zumindest wird auch Nutzen vom Areal selber gemacht, es geht mal in die frische Luft, dann wieder in den Lagerraum, mal treppauf und mal treppab, dazu ein Ausstellungsstück, es wird sich durchaus bewegt, es wird nicht in die Konfrontation gegangen, eher das Heil in der Flucht gesucht, und es herrscht auch kein Schießbefehl, man will die Leute (und den Panda) lebend, der Kinder wegen wahrscheinlich; für die Fans von Crime Story a.k.a. Hard to Die !993) oder Shinjuku Incident a.k.a.. Stadt der Gewalt (2009 ist das Geschehen nicht nur auf Dauer eher traurig. Man beherrscht noch die Mechanismen der Legendenbildung, die Stunts machen aber mittlerweile die Anderen, selbst die Leiternummer wird dargeboten, ansonsten ein Agieren mit Plastikbällen und anderen Utensilien; "waste of time" heißt es selbst im Film hier. Jubel, Trubel, Heiterkeit hier im Geschehen, eine Klamaukparade, ein Sketch nach dem anderen, für alle Beteiligten wahrscheinlich eher anstrengend hier, das Grimassieren, das offensive Agieren, viel Geschreie und Gerenne, ein stetes Übermaß, eine Verfolgungsjagd in Schrittgeschwindigkeit noch im Adventureland, dann der Showdown auf einem Frachter, vorher wird noch eine Lebensbeichte gemacht, und irgendwo auch eine Zerstörung des Lebenswerkes.

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