Sein Beruf geht ihm über alles, und dafür riskiert er schon mal eine handfeste Ehekrise: Alan Bender (Mauricio Ochmann), Spezialist der mexikanischen Polizei, ist dort schlicht der Mann, wenn es um Geiselnahmen oder ganz allgemein um knifflige Verhandlungen geht.
Gerade erfüllt er Gattin Victoria (Tato Alexander), einer vielbeschäftigten Psychotherapeutin, den Wunsch, auch etwas für die Familie zu tun und ihre kleine rotznasige Tochter zu chauffieren, da erreicht ihn unterwegs ein Notruf seiner Kollegen, den Alan nicht ablehnen kann. Victoria muß die Kleine mit in die Praxis nehmen, dort belauscht das Mädchen verbotenerweise eine Therapiesitzung, wird von der Kundin dabei erwischt, was für die Therapeutin möglicherweise den Verlust ihrer Approbation bedeutet. Kurzum: Victoria reicht es endgültig, ein Eheberater muß her, sonst ist es vorbei.
Alan fügt sich, doch als sie gemeinsam bei der Paartherapie sitzen und sich wortreich streiten, klingelt mal wieder das Handy des Spezialisten, und erneut erfordert ein aktueller Fall sein sofortiges Erscheinen: diesmal wurde der Präsident samt der Oppositionsführerin gekidnappt, und der Entführer stellt ein Ultimatum und diverse Forderungen. Es wird kein leichtes Unterfangen für Alan, denn der Geiselnehmer Vicente Zabrano (Leonardo Ortizgris) besteht darauf, mit Alan, und nur mit Alan zu verhandeln. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, hat er in der Zwischenzeit auch noch dessen Frau Victoria in seine Gewalt gebracht, die jetzt mit den beiden Politikern zittern muß. Während sich draußen eine Spezialeinheit unter dem Kommando der Innenministerin zum Stürmen bereithält, muß Alan erkennen, daß der sehr gut vorbereitete Entführer ein alter Bekannter ist...
Unter der Regie von Juan Taratuto entstand die mittelamerikanische Krimi-Komödie No Negociable, die dank Streaminggigant Netflix nun auch europäischen Zusehern zugänglich ist: Nicht alles ist verhandelbar erhielt sogar eine deutsche Synchro. Die Story des Vermittlungsspezialisten, der hier mit dem wichtigsten Fall seiner Laufbahn konfrontiert wird, enthält zwar zu Beginn einige launige Dialoge, konzentriert sich dann aber zunehmend ohne weiteren Humor auf die Geiselnahme, wobei das Hauptanliegen, die Lügen korrupter Politiker zu entlarven, deutlich zu plakativ und platt serviert wird. Leider endet die ganze Sache dann auch viel zu glatt und vorhersehbar mit einem Happy-End, um auch nur irgendeinen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.
Dem schnauzbärtigen Hauptdarsteller, einem völlig eigenschaftslosen Jedermann Anfang Vierzig, nimmt man die Rolle als Top-Vermittler nur schwer ab, der Umstand, daß der Präsident (ohne Eskorte, ohne Leibwächter?) bei einem geplanten Schäferstündchen (öhm?) mit der Oppositionsführerin gekidnappt wurde, wirkt allerdings noch viel mehr an den Haaren herbeigezogen. Die Motive des Entführers, der auf seine Weise nach Gerechtigkeit sucht, könnte man als "brachial basisdemokratisch" bezeichnen - sie treffen möglicherweise den Geschmack des mexikanischen Mainstream-Publikums, den europäischen Krimifreund läßt solcherlei Populismus allerdings ziemlich kalt. Immerhin sorgt die Tiermaske des Kidnappers, der in seinen vorbereiteten Videoauftritten nicht erkannt werden will und als Lamm auftritt, noch für einen Schlußgag.
Fazit: Nicht alles ist verhandelbar ist ein mexikanischer Krimi, der zwar größtenteils auf Seifenopernmotive verzichtet, dem es jedoch an allen Ecken an Spannung und Dramatik mangelt (an Figurenzeichnung sowieso). Der ansonsten tadellos abgefilmte und produzierte Streifen beläßt es bei einem zahmen Versuch, es "denen da oben" mal richtig gezeigt zu haben. Mit kurzen 87 Minuten Laufzeit immerhin mal einen Blick wert: 5 Punkte.