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Mit Des Töchterleins Leid versucht Juval Marlon, ein verstörendes Vater-Tochter-Drama mit tabubrechenden Elementen zu inszenieren. Herausgekommen ist jedoch ein Film, der weder emotional berührt noch formal überzeugt – sondern vor allem ratlos zurücklässt.

Die Geschichte um eine junge Frau, die nach dem Tod der Mutter versucht, sich dem entfremdeten Vater wieder anzunähern, hätte durchaus Potenzial für ein intensives Kammerspiel geboten. Stattdessen verliert sich der Film früh in inszenatorischen Fehlentscheidungen, Anschlussfehlern und einer schwer nachvollziehbaren Figurenführung. Bereits in den ersten Minuten häufen sich technische Mängel und holprige Übergänge, die jede Form von Atmosphäre im Keim ersticken.

Oft wird Marlon mit Marian Dora verglichen. Doch wo Dora zumindest eine konsequente stilistische Handschrift und kompromisslose Intensität besitzt, wirkt Marlons Werk unfertig und unausgereift. Provokation ersetzt hier keine Dramaturgie.

Schauspielerisch bleibt das Niveau durchwachsen. Violetta Sangue stemmt die Rolle der Tochter mit bemerkenswerter Leidensfähigkeit und liefert angesichts der extremen Anforderungen eine solide Leistung ab. Jörg Wischnauski hingegen wirkt als Vater fehlbesetzt; seiner Darstellung fehlt jede emotionale Tiefe. Günther Brandl überzeichnet die Figur des Fremden mit theatralischem Overacting, das stellenweise unfreiwillig komisch wirkt. Der kurze Auftritt von René Wiesner bleibt dabei eher Randnotiz.

Das eigentliche Problem liegt jedoch im Kern des Films: Statt psychologischer Auseinandersetzung oder glaubwürdiger Eskalation setzt Marlon vor allem auf rein sexuelle Grenzüberschreitungen und Schockmomente. Doch Provokation allein ersetzt kein durchdachtes Drehbuch. Die zweite Filmhälfte verkommt zur reinen Tortur, ohne erzählerischen Mehrwert oder tiefere Aussage.

Positiv hervorzuheben ist immerhin die musikalische Untermalung, die stellenweise Atmosphäre erzeugt, wo Bild und Schnitt versagen.

Am Ende bleibt ein Film, der mehr sein möchte, als er kann. Technisch schwach, dramaturgisch fahrig und inhaltlich unerquicklich. Selbst für eingefleischte Underground-Fans dürfte Des Töchterleins Leid kaum sehenswert sein.

Viel gewollt, kaum gekonnt – 2/10

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