Leise berieselt der Schnee
"Vermiglio" spielt im gleichnamigen italienisch Bergdorf im letzten Jahr des zweiten Weltkriegs und erzählt langsam aber super stilsicher von einer Familie, besonders deren junger Tochter zwischen Jugend und Erwachsensein, ihren Ängsten, ihrem patriarchischen Korsett und ihrer fatalen Beziehung zu einem Sizilianer...
Melken, Schmelzen, Beten und Treten
Ein weiterer zukünftiger Criterion Collection-Kandidat?! Definitiv auch einer für den Auslandsoscar. "Vermiglio" ist visuell einer der schönsten Filme, die ich seit Jahren gesehen habe. Da gibt's nichts zu meckern, nur zu staunen und anzubeten. Wie hier das Bergdörfchen, die ausgezehrten Gesichter, der abhandene Krieg und der ewige Schnee, die Jahreszeiten und die weibliche Rolle, die brodelnden Unsicherheiten und die Kraft der Natur in Bilder gesteckt werden, ist schlicht und ergreifend über alle Maße erhaben und edel. Dazu einer sensibel-klassischer Pianoscore und eine nachvollziehbare Familiengeschichte mit Coming-of-Age-Anstrichen. Top gespielt. Wie gesagt ultraattraktiv ausschauend. Obszön hübsch. Aber ebenso aufreizend langsam und schleichend. Konflikte brodeln unter dem vereisten Boden, der Krieg scheint weit weg, die Vergangenheit und das Erbe sind immer immens spürbar. Tradition, die versteinert. Wie aus einer anderen Zeit. Elegant und gebannt. Reibungen innerhalb Italiens. Reibungen innerhalb der heiligen Familie. Reibungen der Religion. Reibungen des Aufwachsens und des Aufwachens. Und doch für viele sicher ein Gähnfest. Für mich jedoch (auch aus eigener familiärer Geschichte) durchgehend interessant genug. Blau, weiß, unterschwellige Passion. Anspruchsvoll. Allerliebst. Eventuell minimal zu schläfrig.
Die Leidenschaft der Töchter
Fazit: visuell ein Gemälde. Schauspielerisch aufopferungsvoll und nuanciert. Thematisch reichhaltig. Jedoch oooooh sooooo laaaaangsaaam... aber Geduld und Warten lohnen sich!