Vom Hausfrauenporno zum CEO-Frauenporno
Schon „Bodies Bodies Bodies“ von Halina Reijn fand ich ziemlich plump und halte ich gerade in den Staaten für massiv überschätzt - aber mit „Babygirl“ finde ich den gewissen Hype und das Interesse um den verplanten Erotikthriller (ein momentan wieder mal boomendes Subgenre!) noch einmal ein ganzes Stück unberechtigter. Erzählt wird von einer mächtigen Chefin einer New Yorker Firma, die sexuell massiv verwirrt erscheint und für eine toxische Affäre mit einem ihrer viel jüngeren Praktikanten ihre Stellung und Familie auf's Spiel setzt…
Devote Dusselei
Wenn es das Ziel von „Babygirl“ war eher auf- als anzuregen und uns mit dem Kopf schütteln zu lassen, dann ist der Film ein Erfolg. Andererseits funktioniert er für mich auf nahezu keiner anderen Ebene. Ja, für Kidman ist das eine reizende und vielleicht auf dem Papier tabubrechende Rolle. Ja, „Babygirl“ sieht slick aus und der Score hat seine pompösen, (wortwörtlich) eindringlichen Momente. Und ja, die Themen von Macht und Unterwerfung in der heuten Welt und Wirtschaft können stimulieren, sexuell wie seelisch. Aber „Babygirl“ wirkt auf mich einfach zu kalkuliert und kühl, zu gewollt kinky und eklig, zu giftig und verblendet von sich selbst und seinem Konzept, um wirklich dorthin zu gehen, wo es weh tut, wo der Frosch die Locken hat oder eben wo der Chefin einer abgeht. Be careful who you squirt for. Für mich verkommt das oft in den trashig-trolligen Bereich, den ich nicht mehr ernst nehmen kann. Und wirklich unterhaltsam ist er dabei auch nur sehr spärlich. Und wenn Camp meint Kunst zu sein, dann geht das oft schief bzw. wirkt noch schräger, unsympathischer als ein einfach „schlechter Film“.
Zwischen Fremdscham und Erregung
Fazit: Machtspielchen, Mailverkehr und Männlichkeitsfantasien… „Babygirl“ ist ein zutiefst konfuser, vercheckter und diffuser Kopfkratzer einer verlaufenen „Weiblichkeit“. Und vielleicht passt er genau deswegen gut in diese scheinheilige und aufgesetzte Zeit?! Ein ärgerlicher Gedankenanreger.