Bereits der 3. Sniper - Film in wenigen Jahren und mit wenig anderer Abwechslung mit Henry Prince Mak, einem im Ausland (Australien) geborenen, aber dann nach HK respektive der VRC ausgewanderten und dort tätigen Darsteller, der einige namhafte Projekte, wenn auch in unauffälligen Nebenrollen in seinem Portfolio hat und eben diese Scharfschützen-Reihe. Eine voneinander getrennte, unabhängige Reihe, obwohl der durchaus gelungene Startschuss The Sniper (2020) und der sehr lärmige, aber mit Aktionszenen vollgestopfte The King of Sniper: Assassination (2023) vom gleichen Regisseur stammen, teilweise als zusammenhängend deklariert werden und die Figurennahmen ähnlich, nicht identisch sind. Desperate Sniper als vorläufiger 'Abschluss' ist von einem neuen Mann hinter der Kamera gedreht, was eigentlich insofern schade ist, als der bisher tätige Chris Huo Siuqiang durchaus Potenzial aufweist, Actionszenen inszenieren kann und auch deswegen für leicht größere, wenn auch immer noch den reinen Streamingmarkt bedienende Produktionen tätig ist, Huo könnte noch eine Karriere vor sich haben und hat sich zumindest in das Bewusstsein des Zuschauers gedreht:
Das 'Black Wolf Team', ein privates Sicherheitsunternehmen unter Führung von Zhao JIan [ Henry Prince Mak ] und mit Mitarbeiter wie Luo Ke [ Peng Tianying ] soll für General Cha Cai [ Ken Lok ] den Wissenschaftler Harry und Vakzine für ein auf dessen Land ausgebrochenes Virus transportieren. Unterwegs werden sie von der Rebelleneinheit von Zhang Ling [ Gan Tingting ] angegriffen, deren Vater, Dr. Zhang [ Waise Lee ] vom General getötet sein soll. Die ganze Wahrheit sieht komplett anders aus.
Dabei ist neuerdings ein ziemlicher Gewaltgrad im chinesischen Filmgeschäft auffällig, sowohl in den heimischen Werken als auch den im Kino, wird öfters geschlachtet und geschlitzt, brutal gestorben und blutspritzend erschossen; die Filme für zu Hause sind dabei mit 13+ eingestuft, was für die zuweilen deutlich ausgepielte sadistische Ader vielleicht ein wenig zu niedrig angesetzt ist. In sexueller Hinsicht ist man dabei umso prüder, ein Schelm, wer Arges dabei denkt, wird ein bisschen angetäuscht, aber außer nackten Rücken, langen Beinen und etwas Dekolletee nie etwas gezeigt; es ist sicherlich zu einfach, eine Katharsis da hineinzubringen, aber man unterscheidet sich in der Hinsicht deutlich von westlichen Ländern, und es wirkt zuweilen zwanghaft, wie der Zweck heiligt die Mittel.
So tropft auch hier gleich das Blut literweise in den Bildern, in der ersten Einstellung, hinten im Raum wird herzerweichend und dies vor Schmerzen geschrien, ein Horrorfilm gleich, ein Torture Porn, könnte man meinen; dabei handelt es sich um einen militärisch angehauchten Aktionfilm. Humanexperimente werden hier gemacht, Organhandel, internationaler Abschaum am Werkeln, die Ärzte am Ausweiden, die chinesische Spezialeinheit am Intervenieren. Ein Blitzangriff, eine Geiselbefreiung, der Erste hat ähnlich angefangen, auch wird die POV-Methode bemüht. Die Schüsse fallen, die Blend- und Hand - und Splittergranaten fliegen, selbst Autostunts werden geboten, steht nach der Lagersprengung doch noch eine mehrteilige Verfolgungsjagd an, das Ziel erreicht, wird alles gegeben, alles geboten.
Kräftig in den Farben, agil in der Teamarbeit, aufeinander abgestimmt die Montage, die Stuntszenen im Sinn, die ersten Minuten für den Kundenfang wichtig, der schnelle Eindruck zählt, in der Planung macht man hier alles richtig. Hinterher wird erstmal gebechert, auf den Erfolg angestoßen, es wird gemenschelt, und die eigentliche Missions ins Blickfeld geschoben, es geht um fremde Länder und dort herrschende Unsitten oder Unruhen, um das Gesundheitssystem und das Ökosystem, um Politik und Wissenschaft, um ein Attentat auf den führenden General, um ein Scheitern des Anschlags, eine neue Hauptperson. Es werden Gründe und Motive geliefert, Erinnerungen eingewebt, Rückblenden eingeschoben, simples Filmemachen, sichtlich in Thailand gedreht, die Filter auf Anschlag, eine versuchte Größe im Filmemachen, das sieht auch ganz gut aus, die Schwierigkeit ist mehr inhaltlich.
Mak macht hier den Anführer der Truppe, eine private Sicherheitsfirma, im Dienste des Guten, der Darsteller unauffällig, ruhig im Spiel, ganz gut aussehend, nichts Störendes in den Eigenschaften, eine solide Identifikation, der Rest der Besetzung unbekannter Natur, wenn man vom Kurzauftritt von Waise Lee mal absieht. An der knallgrünen Landschaft hier wird sich ein bisschen erfreut, man schafft etwas glänzende Panoramen, von außen eine friedliche Natur, innen brodelt es, der Mensch als Störfaktor und Aggressor. Mehr Paramilitär hier, mehr Dschungel- und Kleinkriegsfilm, unbemannte Flora, viel Wald, viel Sandstraßen, viel Andeutung von Bedrohung, dann Dauerfeuer an der ersten Biegung. Ein Guerillateam am Angreifen, aus erhöhter Position, dazu die Undurchdringlichkeit des Urwalds, die Überzahl, der Moment der Überraschung.
Dabei ist die Inszenierung hier durch He Shuai durchaus bewusst, es gibt ein paar Fantasieuniformen, es gibt Verschwörungen und Komplotte, aktiv und stilsicher eingefangen, etwas viel Gerede im ersten Drittel, mehr Kommunikation als Information, dafür auch schnell interne Konflikte bzw. mit dem einheimischen Securityteam und deren Methoden und Umgangsformen rasche Konfrontation. Rabiate Auseinandersetzungen wechseln sich ab mit Scharmützel und allgemeiner Waffenaffinität, dazu ein wenig Gefühlsduselei, etwas Überzeugungsarbeit, moralische Appelle, Verarbeitung der Emotionen, ein Massengrab, Exekutionen.
Eine etwas merkwürdige Form der Unterhaltung, im Plot ein wenig dünn, die Fronten schnell geklärt, danach verschiedene Scharmützel kleinerer Art, grundsolide gehandhabt, nichts Außergewöhnliches, nichts wirklich Spektakuläres. Ein sich Einmischen mal bei Tag und mal bei Nacht, mal eine Falle, mal eine plötzliche Rettung. Technisch sauber, viel Handwirklichkeit und Handherrlichkeit und Handwerklichkeit, ein bisschen Drehen im Kreise, ein Dauerfeuer nicht gänzlich ohne Sympathien, aber so leer und deswegen als Update von Teddy Page und Cirio H. Santiago, mehr Masse als Klasse, die Gewehre immer im Anschlag und/oder in Benutzung, aber nicht die Grundlagen dahinter.
So ist halt relativ egal, was wann wo wie mit wem passiert, trotz einiger privater Bezüge, trotz Inklusion anderer Mitglieder, reine, gut aussehende Oberflächlichkeit, mit Pflicht und Ehrerfüllung, mit Abschiedsszenen, Märtyrertoten und Krokodilstränen.