Review

'Fortsetzung' von Chris Huo zu The Sniper (2021), seinem ersten und dann auch bleibenden Ausflug in das Metier des modernen Actionthrillers, wobei beide Filme im Vergleich zu den weiteren Produktionen wie Blind War, The Comeback oder Hunt the Wicked, also den Arbeiten mit Andy On untergegangen und seltsam ignoriert wirken; eine tatsächliche Aufmerksamkeit oder gar genaue Abrufzahlen sind aufgrund der Undurchschaubarkeit des chinesischen Streamingmarktes nicht zu bestimmen. The Sniper als durchaus gelungene Variante einer Art Racheplot mit Entführungs- und Rückholaktionen, dazu auch etwas einzelgängerisch gehalten und im düsteren Blau metallenen Ton; etwas, was hier alles nicht mehr vorzukommen und trotz gleicher Besetzung mit Prince Henry Mak eher ein loser Anschluss zu sein scheint:

Als die politisch motivierte Attentäterin Anna [ Xang Xing ] eines Tages geschnappt wird, wird sich nicht etwa in das Gefängnis überstellt, sondern in eine Psychiatrische Klinik, wo sie sich sofort Angriffen ausgesetzt sieht; einzig der Arzt Na Xipan [ Dao Dao ] hilft ihr mehr unfreiwillig. Besser wird die Lage nicht, als sie vom engagiert wird, den zünftigen Staatenführer vom schwer umkämpften Libiwala zu eliminieren, an ihrer Seite und sie 'steuernd' der Scharfschütze A Tai [ Henry Prince Mak ], und weiterhin unfreiwillig, aber auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin Dr. Na.

Bereitgestellt von Youku, einem der führenden Anbieter von digital veröffentlichten On Demand Inhalten, gesetzt erneut in einem so nicht existierenden oder genauer benannten Land, in einer Parallelwelt quasi, in der alles so aussieht wie normal, aber auch alles geschehen kann, und zusätzlich mit dem Motiv des Kampfes gegen die Drogen zumindest unterspielt und später auch verbal konkretisiert. Etwas unschöne Effektaufnahmen beim 'Durchfliegen' einer deutlich am Computer erfundenen Stadt und ein kurzer Gastauftritt von Kent Tong bei einem fatalistischen Attentat leiten die Geschichte u.a. an, die Behandlung des Ganzen ist beizeiten deutlich expressiver als der weitgehend ernste Vorgänger, hier eher die Actionfantasie, der Wirkungskreis comigal, eine andere Hauptrolle wird erst vorgestellt und eingeführt, ein Mordanschlag in der Psychiatrischen Klinik und damit die Eintreibung eines hoch angesetzten Kopfgeldes initiiert.

Ein gewalttätiges, blutiges und gleichzeitig auch als 'schräg' und belustigend inszeniertes Unterfangen, totes Personal und Patienten auf den Fluren, dazu sehr simpler Humor, eine merkwürdige und schlecht zusammenfindende Mischung, knallig im Bild und im Ton, wenn auch mit manch flotten Kampfbewegungen. Einige der eingesetzten Zeitlupen sind recht präzise in der Montage und dem Gezeigten und dadurch mit Wirkung. Die eigentliche Handlung entfaltet sich erst später, eingangs die Sprünge von einem Ort zum anderen, dann eine politisch motivierte Mission, ein Staatsstreich, in einem Land, welches durch einen Bürgerkrieg sowieso zerrüttet ist und auseinander zu kliften droht, das Landen in einem Kriegsgebiet, mitten in der Gefahrenzone, der Krawall so laut wie der Klamauk, eine psychopathische Groteske wird hier zelebriert.

Mak selber ist da schon anwesend in der Szenerie, wird aber noch zurückgestellt und unterfordert, es bräuchte seine Anwesenheit kaum bis gar nicht, die Figur als Mitläufer, als Nebenher, als wie vom Original zum Sequel vergessen, wobei man sowieso nur eine Verbindung vortäuscht; bei einem eigenständigen Film wäre allerdings auch der Stilbruch und die Enttäuschung weniger. Eine Reise durch ein komplett zerstörtes Gebiet beginnt, einige Proteste auf den Straßen, Kindersoldaten, Flüchtlingslager, Suizidbomber, dazu ein postapokalyptisches Szenario, per Bites & Bytes erstellt, die Städte detoniert und zerfallen, die gelbe Optik kränklich, überall Grimassen und Sterben. Die Quota an Actionszenen ist dabei recht hoch, Schüsse fallen häufig, es gibt kämpferische Auseinandersetzungen, es gibt auch die merkwürdigen und seltsam nieder wirkenden sexuellen Anspielungen, ein sowohl offensives als auch verklemmtes Prozedere, Gewalt ja, bis zum Exzessiven, Erotik auch gewollt, aber nicht getraut oder nicht gedurft oder beides, demnach vieles nur eindeutig zweideutig.

Zeitweise wirkt man und dies in überschaubar besseren Momenten wie Sniper: G.R.I.T. - Global Response & Intelligence Team, der amerikanische Kollege, der das anything goes mittlerweile auch durch einen neuen Showrunner und eine etwas andere, lockere Ausrichtung praktiziert, allen voran das Geschehen im Palast hier, ein Katz-und-Mausspiel, dass auch für böse Überraschungen sorgen kann und einige funktionierende Augenblicke. Verleugnen kann man auch nicht einen japanischen Einfluss, ein kunterbuntes Konglomerat aus vielerlei Ideen, aus fremden Quellen und Kulturen, mit hohem Tempo, mit nicht so hohen Niveau. 

Die Scharfschützenkomponente wird mit Präzisionsschüssen aus 3 km Entfernung bereitgehalten, ansonsten gibt es viel Gefecht mit diversen maskierten Spezialeinheiten, mit Wachmannschaften, mit Schergenmaterial, die Produktion bedient die Genreklientel der Action, die Ausführung hat einige wenige Höhepunkte, sonst viel Solidität, und die reine Aktivität und Naivität. Mehrfach die gleichen Szenen, mehrfach die gleichen Rückblenden, eine aggressive, aber repetitive Regie, die sich ausruht auf dem, was man einmal gelernt hat, aber nicht merkt, wann es ausreichend ist damit und die gleichen Fehler stets erneut begeht. Eine größere Autoverfolgungsjagd sieht zudem recht rumpelig und stockend aus, aufwändige Einlagen liegen dem Stuntteam wohl nicht; im militärischen Showdown versucht man noch einmal die Überwältigung mit Soldatenaufmärschen, Panzertruppen und Raketenbeschuss, mit einem Großfeuer, einem Flächenbrand, das hat nur das falsche Umfeld, es ist im Gesamten mehr schlecht als recht.

Details
Ähnliche Filme