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Nirgends scheint die Isolation und Einsamkeit des Menschen so augenscheinlich wie im Weltraum. Selbst in der Umgebung eines Raumschiffes scheint er nichtig in den schier endlosen Weiten und es liegt offenbar nicht in seiner Natur, sich vom Rest abzuschirmen. Nicht selten erfolgen darauf Halluzinationen und Paranoia, was Regisseur Mikael Håfström in seinem Weltraumthriller zu veranschaulichen sucht.

John (Casey Affleck) befindet sich mit Captain Franks (Laurence Fishburne) und Nash (Tomer Capone) auf der Odyssey One im Weltraum, um eine Mission um Treibstoffalternativen auf dem Saturn zu erfüllen. Doch nach fast zwei Jahren Aufenthalt an Bord scheinen John Halluzinationen zu plagen, während er zwischen die Interessen seiner Kameraden gerät…

Die Geschichte ist auf die drei Hauptfiguren reduziert, in recht ausführlichen Rückblicken geht es um die Liebesgeschichte zwischen John und Zoe (Emily Beecham), welche für den Verlauf zwar nicht unerheblich ist, besonders im Anfangsteil jedoch zuviel Raum einnimmt. Es wäre hilfreicher gewesen, detaillierte Informationen über die Mission und das titelgebende Manöver zu erfahren und eventuell Hintergründe der Mitreisenden zu liefern, anstatt sich auf wiederkehrende Vorgänge wie dem Erwachen aus dem Tiefschlaf oder die sportliche Ertüchtigung zu konzentrieren.

Bei alledem mutet die Inszenierung beinahe dröge und uninspiriert an, zumal es noch nicht einmal Außenaufnahmen des Raumschiffes gibt. Die Innenausstattung ist trotz einiger Monitore und Digitaleinzeigen sehr spartanisch ausgefallen, alles wirkt steril und wenig einladend, was anderweitig zunehmende Probleme wie Einbildungen und Flucht vor der Realität unterstützen mag. Entsprechend bebildert die glückliche Zeit vor der Mission eine Art Ventil und Alternative für John, eine Erdung, die eventuell vor schlimmeren Halluzinationen schützen könnte.

Die Konflikte unter den dreien sind indes vorprogrammiert: Einer scheint meutern zu wollen, der andere pocht auf die unantastbare Sicherheit der Mission, während John zwischen den Lagern entscheiden muss. Dies spitzt sich im finalen Akt zwar ein wenig zu, sorgt aber kaum für den notwendigen Nervenkitzel. Erst der Showdown mit zwei kleinen oder auch größeren Wendungen legitimiert ein wenig des oftmals drögen Vorspiels, welches kaum mit erwähnenswerter Action aufwartet. Auch eine kurze Sequenz mit Body Horror reißt nur kurzzeitig aus der Lethargie.

Dabei baut der Stoff primär auf seine verlässlichen Mimen. Affleck performt betont somnambul, in einigen Schlüsselmomenten trumpft er jedoch auf. Fishburne überzeugt wie immer mit ordentlicher Präsenz, wodurch die vermeintlich manipulative Ader seines Vorgehens oftmals im Vordergrund steht. Die beiden anderen geraten dabei eher in den Hintergrund, performen jedoch ebenfalls passabel. Gleiches gilt für den Score, der partiell um emotionale Regungen bemüht ist.

Dennoch hätte das Weltraumabenteuer innerhalb der zu lang geratenen 107 Minuten Laufzeit locker um rund zwanzig Minuten gekürzt werden können, ohne dabei etwas von seiner finalen Aussage und Pointe zu verlieren, welche zwar nicht bahnbrechend innovativ erscheint, allerdings einiges des unaufgeregten Vorlaufs kaschiert.
5,5 von 10

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