Stiefschwiegermutters Stresstest
„The Front Room“, prominent produziert von A24, ist ein seltsamer Hybrid aus leichtestem Grusel, Absurditäten-/Perversitätenkabinett und vor allem schwarzer Komödie über „kranke“ Familien, Mütter, vergangene Generationen voller Rassismus, Sturheit, Neid und anderen Feineinstellungen…
Mama hat immer recht!
Ein ganz krummes Geschoss ist „The Front Room“. Es gibt Momente, wo ich sage „Geil, lustig, gemein, anders und mutig!“. Aber die sind dermaßen rar und gegen den Strich platziert, dass diese Horrorsatire in der Nähe von Shyamalans „The Visit“ dann doch insgesamt nicht gut genug funktioniert. Brandy wirkt steif, deplatziert und nicht begabt genug für eine solche „Show“. Die alte Frau und Darstellerin dagegen ist ein creepy Highlight. Und wie gesagt gibt’s ein paar Dinnerszenen, Alpträume und Konfrontationen zwischen werdender Mutter und scheinbar immerwährender Mutter, die mir ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert haben. Weit über das Muttersein/-werden hinaus - über Themen wie Rassismus und Bildung, Historie und Hierarchie, Erziehung und Dominanz. Doch es reicht dann am Ende nicht. Es eskaliert kaum genug, es macht wenig Sinn, die Rädchen greifen nicht oder nur knirschend ineinander, viele der Punkte werden nur angeschnitten. Dann verkommt's zur Nummernrevue der Möchtegern-Schocks und Skandälchen. Der Reiz erlischt schnell, wirklich böse genug wird’s nie, man erwartet einfach mehr. Von den Ansätzen wie von A24. Eher deutlich am unteren Ende ihres eigentlich beachtlichen Outputs. Morbid. Comichaft. Fehlschlagend.
Fazit: tonal eine Kakophonie. Als Horrorfilm ein Kaumnutz. Aber Konzept und einige humoristisch-mutige, bizarre und dunkle Momente halten noch einigermaßen über Wasser. Weird.