Story:
Durch Zufall stößt die schüchterne Karen auf eine Gruppe Geistigbehinderter.
Sie wird von ihnen in ihr Zuhause mitgenommen und erkennt dort, dass diese
Menschen ganz normal sind und der Öffentlichkeit ihre geistige Behinderung
vorspielen. Die radikale Haltung dieser Leute gegen die Gesellschaft veranlasst
sie dazu, den inneren Idioten sowohl zu Hause als auch in der Öffentlichkeit zu
zeigen. Obwohl sich Karen am Anfang mit der Ideologie dieser Wohngemeinschaft
nicht anfreunden kann, merkt sie schnell, dass diese Menschen glücklich sind
und integriert sich in die Gruppe der Idioten. Es scheint für die Gruppe alles
perfekt zu laufen, doch als plötzlich der Vater von Josephine, einem Mitglied
der Idioten, auftaucht und seine Tochter dazu zwingt, mit ihm wieder nach Hause
zu gehen, scheint die Gruppe langsam auseinander zu fallen. Auch Stoffer, der
Anführer der Idioten, stellt die Mitglieder auf eine harte Probe, indem er von
ihnen verlangt, dass sie auch als Einzelpersonen in ihrem beruflichen und
privaten Leben den Geistigbehinderten spielen sollen.
Kritik:
„Idioten" muss hin und wieder mit dem Vorwurf leben, dass er
pseudointellektuell ist und das Nachahmen von Geistigbehinderten als lustige
Freizeitbeschäftigung darstellt. Ich kann die Kritik zwar verstehen, auch wenn
das kein Störfaktor für mich war. Weitere Kritikpunkte sind formal, da sich der
Film nicht an die strikten Dogma-Vorgaben hält, wobei das bei vielen
Dogmafilmen nicht der Fall ist. Es ist sowieso gewöhnungsbedürftig, wenn man
knapp zwei Stunden das Ruckeln der Kamera ertragen muss, doch ich muss sagen,
dass ich mich relativ schnell daran gewöhnt habe, obwohl es am Anfang ziemlich
genervt hat. Die Dogmaregel, welche die künstliche Beleuchtung verbietet,
störte noch am meisten, weil einige Szenen ein bisschen mehr Licht vertragen
hätten. Sowieso stellen die Dogmaregeln den Kritiker vor eine schwierige
Aufgabe, denn wie sollen beispielsweise das Bild, die Kameraführung und die Musik
bewertet werden? Einfacher ist die Beurteilung der Schauspieler/-innen, denn
die zeigen eine tadellose Leistung. Nikolaj Lie Kaas dürfte Filmfreunden, die
„Dänische Delikatessen" oder die beiden „In China essen sie Hunde"-Teile
gesehen haben, ein Begriff sein, in „Idioten" spielt er den jungen Jeppe, und
zwar verdammt gut.
Der Film selbst ist keine allzu leicht verdauliche Kost. Das Ende ist tragisch,
kommt aber zu abrupt, was dem Film schadet. Der Wendepunkt des Filmes ist sehr
kurz vor dem Ende zu finden und irgendwann ist es dann plötzlich vorbei und
lässt zudem noch eine Reihe Fragen offen, deren Beantwortung dem Film gut getan
hätte. Immerhin erfährt man am Ende die Motivation des Hauptcharakters Karen,
obwohl sie während dem ganzen Film eher unauffällig im Hintergrund agiert und
damit die Bezeichnung „Hauptcharakter" relativiert. Im Film werden immer wieder
Interviews der verschiedenen Idioten gezeigt, in denen die Geschichte quasi
nochmals erzählt wird. Eine ganz nette Funktion, die es jedoch nicht wirklich
gebraucht hätte. Sehr interessant sind die zwischenmenschlichen Beziehungen
innerhalb der Gruppe. So findet zum Beispiel Josephine Jeppe süß, obwohl sie
sofort hinzufügt, dass sie noch nie mit ihm gesprochen hat. Das zeigt, dass die
Gruppe kein Freundeskreis ist, sondern mehr oder weniger eine
Zwecksgemeinschaft zum individuellen Glück der Beteiligten. Über die
FSK16-Einstufung von "Idioten" kann man streiten, da man nicht nur
regelmässig Nacktszenen, sondern einmal auch ungeschnittenen Gruppensex sieht.
Diese Szene ist auch ein Punkt, der eine Menge Kritik der Medien entgegen
brachte.
Die beiden DVDs sind übrigens voll gestopft mit zusätzlichem Material, was eine
schöne Zugabe ist. Unter anderem wird erwähnt, dass Lars von Trier ein sehr
launischer Regisseur ist und mit den Schauspielenden, die er nicht mag,
ziemlich asozial umgeht. Doch das ist nur ein kleines Detail am Rande.
Fazit:
Lars von Trier präsentiert mit „Idioten" etwas völlig Neues, das zudem auch
noch gut ist. Die 110 Minuten haben mich jedenfalls unterhalten. Allerdings hat
der Film sowohl inhaltliche als auch technische Mängel, die wohl den einen oder
anderen Zuschauer unzufrieden stimmen könnten. Einen negativen Beigeschmack
hinterlässt das Ende, das einfach zu plötzlich kommt. Während etwa 95 Minuten
durchaus lustig sind, verändert sich die Stimmung am Ende von 100 auf 0, was
mir ein zu radikaler Wechsel war. Nichtsdestotrotz kann der Film allen, die
sich von den für sie vielleicht neuen Dogmaregeln nicht abschrecken lassen und
zudem Dramen, die auch noch eine große Portion Humor beinhalten, empfohlen
werden.