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Speziell in den USA wird der Kampf gegen Drogen immer härter, aussichtsloser. In vielen Gegenden wurde Heroin längst von Fentanyl abgelöst, allein 2020 starben rund 90.000 Menschen an einer Überdosis. Autor und Regisseur John Swab hatte nach eigenen Angaben vor einigen Jahren ebenfalls Kontakt mit dem Teufelszeug und betrieb für seine Milieustudie eine intensive Recherche.

Tulsa, Oklahoma: Cop West arbeitet beim hiesigen Drogendezernat jeden Tag bis zum Limit und bekommt gar nicht mit, dass sein Teenagersohn ebenfalls Drogen austestet. Während der mexikanische Drogenboss Garza Menschen über die Grenze schleust, um vermehrt Fentanyl unter die Leute zu bringen, dirigiert Holt Lightfeather vom Gefängnis aus die Fäden, um die Macht der Kartelle im vermeintlichen Gleichgewicht zu halten…

Die Opioidkrise in den Vereinigten Staaten reißt definitiv nicht ab, was Swab zum Anlass nahm, verschiedene Perspektiven einzubinden. Jedoch verzettelt er sich mit zu vielen oberflächlich gezeichneten Figuren und einer Story, die erst nach rund 80 Minuten überhaupt erst so etwas wie Dynamik erfährt.

Ermittler West und sein Team tauchen zwischenzeitlich zu lange ab, sehr viel Zeit geht anfangs für den Menschenschmuggel drauf, während Auftragsmorde im Knast teils völlig ohne Kontext ablaufen, bevor erst klar wird, wer zu welchem Kartell gehörte.
Oder anders: Rund 80 Minuten dümpelt das Treiben ohne spannende Höhepunkte vor sich hin, während Nahaufnahmen diverser Gesichter derart überstrapaziert werden, dass es selbst optisch oft grenzwertig wird.

Erst danach ziehen sich die dramaturgischen Fäden zusammen, wo man sie zuvor bereits verortet hatte, wonach storytechnische Überraschungen komplett ausbleiben. Immerhin gibt es im letzten Drittel einige emotionale Einschübe, manche Dialoge unterstreichen den aussichtslosen Kampf gegen die Drogen sehr treffend und generell kann sich Swab auf die ausgezeichnete Wahl seiner Darsteller verlassen, die von Graham Greene über Melissa Leo bis hin zu Ben Foster reicht.

Wer Soderberghs „Traffic – Macht des Kartells“ von 2000 mochte, dürfte hier eher fündig werden, als jemand, der auf Suspense und Action aus ist, denn davon gibt es innerhalb der 130 Minuten sehr wenig. Als düstere Bestandsaufnahme verfügt „King Ivory“ über gute Ansätze, aber emotional mitreißend ist er nicht.
4 von 10

 

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