Review

Ich bin ja ein großer Fan von Independentfilmer John Swab, der seine Filme immer in Oklahoma dreht und häufig die gleichen Darsteller aufbietet. Leider schwankt die Qualität seiner Filme ziemlich, auf diesen hier hatte ich mich sehr gefreut, das Ergebnis ist aber zwiespältig. Nein, das ist kein schlechter Film, ganz im Gegenteil, aber auch nicht das, was ich erwartet hatte und so bin ich im Hinblick auf die Sternevergabe etwas unentschlossen. Es werden wohl ganz knappe 7 und nicht starke 6, 6,5 hätte es besser getroffen.

Erwartungshaltung? Wenn man den von mir sehr geschätzten "Ida Red" gesehen hat und dann dieses Filmplakat sieht, erhofft man sich einen fulminanten Actionthriller, bekommt aber ein Drogendrama serviert, das an "Traffic" erinnert. In "King Ivory", wie man Fentanyl auf der Strasse wohl auch nennt, geht es um die verschiedenen sozialen Aspekte, die diese neue Droge mit sich bringt. Da geht es zum einen um einen hartgesottenen Cop der Drogenabteilung, der mit seinem Partner an vorderster Front gegen ein heimisches Drogenkartell kämpft. Dann geht es um seinen Sohn, den der Vater nicht mehr erreicht und der durch seine neue Freundin an die Droge gerät und abhängig wird. Dann geht es um einen höherrangigen Kartell-Gangster, der in Mexiko Teenager von deren Eltern kauft und unter Vortäuschen falscher Tatsachen in die USA schmuggelt, um dort billige Drogendealer und Lakaien zu besitzen. Und schliesslich geht es um einen Kriminellen, der durch seinen Knastaufenthalt mit eben jenem Drogenkartell in Kontakt gekommen ist, das auch sein Leben nach der Entlassung bestimmt. Die Wege aller Beteiligten kreuzen sich mehrfach, nicht für Jeden hat die Geschichte ein gutes Ende. Am Ende sitzen sich ein wütender Cop und ein Kartell-Boss gegenüber und der Gangster erklärt dem Cop, wie der Markt funktioniert. Bitter.

Toll recherchierte Handlung, starkes Drehbuch, gute Darsteller! Mir persönlich hat der Wackelkamera-Stil nicht zugesagt. Ich habe gerne ein klares Bild im Breitformat mit scharfer Kamera und ruhiger Kameraführung. Hier hingegen kommt ein eher schmutziges Bild, wenig Musik, Wackelkamera und eher TV-Optik als große Kinobilder. Aus künstlerischer Sicht ist das schon gut so, unterstreicht dieser pseudodokumentarische Look doch den Realitätsgehalt des Ganzen. Andererseits bleibt man als uschauer etwas distanziert, echtes Interesse an den Figuren entsteht selten, genausowenig wie eine emotionale Bindung an die Geschehnisse. Das hätte fast den siebten Stern gekostet, denn der Film ist etwas zäh, einen Tick zu lang und oftmals einfach zu unspannend. Action gibt es auch wenig, wobei die finale Ballerei schon sehr gut inszeniert worden ist.

Insgesamt also eigentlich ein guter Film. Realistisch, nüchtern und bitter. Mehr Drama als Thriller, etwas unspannend und distanziert. Ich persönlich hatte wohl die falschen Erwartungen, aber wenn man weiss, worauf man sich einlässt, bekommt man dann doch ein sehenswertes Drogendrama serviert.

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