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Wahrscheinlich sollte man es inzwischen in Relation sehen, dass ein über 60 Jahre alter Jean-Claude van Damme keinen agilen Bloodsport mehr betreibt. Allerdings scheut er nicht die körperlichen Auseinandersetzungen in nunmehr B bis C-Actionern und wird hierfür eher selten gedoubelt.

Der ehemalige CIA-Agent Phillip (van Damme) richtete vor sieben Jahren ein Blutbad in einem Hospital an, als er einen fiesen Lumpen ausschalten sollte. Als er und seine Tochter Vanessa (Jacqueline Fernandez) sich in Italien zur Ruhe setzen wollen, funkt ihnen der Bruder (Andrei Lenart) des seinerzeit Getöteten dazwischen…

Schon überraschend, die Fortsetzung eines Actioners zu liefern, der bei Genrefans eher weniger gut ankam. Es zeugt aber auch davon, wie sehr man auf das Zugpferd van Damme setzt und damit genügend Informationen zum Vorgänger vorhanden sind, gibt es eine zügige Zusammenfassung des Erstlings. Aber auch ohnedies wäre die überaus simpel gestrickte Handlung problemlos zu verfolgen gewesen: Gut gegen Böse, ein paar Helfer in Not, dazwischen etwas Heist und am Ende viel Lärm um fast nichts.

Obgleich das Budget erwartungsgemäß gering ausfällt, können sich einige Drehorte durchaus sehen lassen: Es gibt Luftaufnahmen von Süditalien, ein schickes Hotelzimmer, eine zweckdienlich eingerichtete Bank und ein altes Dorf in Slowenien, wo unser Held zwischen Bruchsteinhäusern und Ziegen aufgewachsen sein soll. Durch die ständige Flucht und einigen Gegenmaßnahmen ist immerhin einigermaßen Bewegung im Spiel, was hinsichtlich der dummdreisten Dialoge in ruhigen Passagen auch dringend notwendig scheint.

Auf der anderen Seite teilt van Damme noch recht überzeugend aus, zumindest bei dem, was die deutlich zu nah ausgelegte Kamera noch davon übrig lässt. Ein Roundhousekick ist zumindest auszumachen, oft tummelt sich der Belgier mit Gegnern am Boden und gleichermaßen werden Kopfstöße und harte Schläge eingesetzt, Waffen aus der Hand geknüppelt und ansatzweise Arme verdreht. Die teils etwas zu hektisch gesetzten Schnitte sorgen im Zusammenhang mit den Nahaufnahmen für etwas Chaos, doch die Herangehensweise lässt van Damme dennoch einigermaßen beweglich erscheinen, wobei kaum ein Double auszumachen ist, wie etwa bei Pendants mit Steven Seagal, der letztlich sogar beim Treppensteigen einen Doppelgänger benötigte.

Leider ist die Handlung so einfach konzipiert, dass zu kaum einer Zeit Spannung aufkommt und selbst etwaige Finten, Tricks und Intrigen sind meilenweit erahnbar. Denn wofür sonst sollte man einen Peter Stormare in dubioser Funktion integrieren, der hier in Sachen Overacting ganz gut unterwegs ist. Während die übrigen Mimen eher zurückhaltend performen und bei van Damme mittlerweile ein desillusionierter Hundeblick zum Standardausdruck gehört, bleibt auch der etwas zu jung geratene Bösewicht nicht im Gedächtnis hängen, was ferner für den allenfalls zweckdienlichen Score gilt.

Leider verzichtet der bulgarische Regisseur Valeri Milev komplett auf Humor, denn sonst hätte man eventuell noch erfahren, was es mit dem erwähnten Funky Chicken Dance auf sich hat, der unweigerlich Assoziationen zu van Damme in „Karate Tiger 3“ weckt.
Insofern fällt der Actioner in keiner Hinsicht erinnerungswürdig aus und trotz einer gesunden Menge an körperlichen Auseinandersetzungen liefern diese kaum einen Anreiz zur Sichtung, wenn man nicht gerade jeden Film von van Damme inhaliert.
4,5 von 10



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