Wenn Frank Grillo nicht aufpasst, wird er trotz physischer Präsenz und überhaupt körperlich geeigneter Vorzüge gerade für das Genre des Actionthrillers noch zum Nachfolger von Bruce Willis, in der Aufnahme und Reputation der Werke, dem vorauseilenden schlechten Ruf, der oftmals selbst bestätigenden Prophezeiung. Grillo, der ein Stück des Weges mit Willis gegangen ist, mal mehr, mal weniger, hat sich die letzten Jahre als Art Außenseiter in Hollywood mit einer Kooperation mit Joe Carnahan auch eigene Arbeiten zugeschanzt, das schnelle Geld nur gleichsam mit Mittelmäßigen bis noch qualitativ darunter liegenden Werken verdient, und muss acht geben, dass es nicht bald heißt wie in einem seiner Arbeiten, wo sprichwörtlich die Lichter ausgehen:
Die kalifornische Senatorin Olivia Peterson [ Melissa Leo ] hat sich privat in die Ölgeschäfte Venezuelas und dort mit dem Gangsterführer General Roman [ Andy Garcia ] erst investiert, und dann brüskiert, zumal ihre Tochter Julia [ Eden Brolin ], eine Journalistin, die Zustände vor Ort recherchiert und an die Öffentlichkeit gehen will. Zuvor wird sie allerdings von Roman und dessen Rechten Hand Moreau [ Mekhi Pfifer ] entführt; Peterson bittet ihren Schwager Gunner [ Frank Grillo ], einen ehemaligen Elitesoldaten, und sein eilig zusammen gestelltes Team bestehend aus West [ Beau Knapp ], Matty [ George Carroll ], den Neuling David [ Josh Hutcherson ], einen Soldatensohn, und den lokalen Kontakt Guapo Fernandez [ Juan Pablo Raba ] um Hilfe.
Hier mit Lionsgate/Grindstone Entertainment Group in der Verantwortung, die gerade im Kinogeschäft eine herbe Niederlage nach der nächsten einstecken, was kein gutes Omen ist, dazu eine tatsächlich zweistündige Laufzeit, für das Genre schon ordentlich gestreckt, mit zwei, drei, vier weiteren bekannten Namen in der Besetzung neben der Hauptrolle, zumindest das Casting hat sich engagiert. Außerdem ist Außendreh angesagt, Politik und Weltgeschichte, ein Einstieg in Venezuela, viele Fragen, viele Antworten, ein Interview mit brisantem Thema und ebensolchen Informationen. Es folgt eine Pressekonferenz, eine Art privater Disput, mit vielen Flüchen, ein eher ungewöhnlicher Aufbau, berufliche und intime Verstrickungen, viel Vorhaltungen, wenig Versprechungen.
Eine Mission steht an, eine Rettungsoperation, im fremden Lande, “it's messed up there“, es werden Erkundungen eingeholt, vertrauliche Daten, Konnektionen gesucht, das große Ganze, der Aufbau ist das Ziel, ein familiäres Umfeld, Standard Operating Procedure, eine Art Black Ops, erst werden die Leute engagiert, dann instruiert, dann infiltriert und eventuell auch extrahiert, man hat noch 90 Minuten Zeit dafür. Das erinnert an Triple Frontier (2019), in der Sparvariante, in der langen Distanz und gefüllt mit Gesprächen, mit Wiederholungen von Sätzen, mit weniger Abkürzungen als Umwegen. Den Regisseur muss man nachschauen, es ist John Swab, er hat mit Grillo bereits Body Brokers (2021) und Ida Red (2021), Little Dixie (2023) und One Day as a Lion (2023), ein eingespieltes Team, die Filme hat nur kaum jemand gesehen.
Das dürfte sich hier vielleicht ändern, ein paar Interessenten mehr ansprechen, die Aufmachung als Actionszenario, die Semiprominenz auf dem Poster, der Mangel an Nachschub, lärmig der Sound, das Gebiet bei Tageslicht freundlicher als das skelettverhangene Waldgrundstück. Ein Blutbad am Treffpunkt, einer Villa, alle tot, selbst die Kinder. Swab gelingt es immerhin, die Situation zu zeichnen, die Problematik, die Bedrohung und die Ausweglosigkeit, das Ambiente eines gemeingefährlichen Umfeldes, wo man Eindringling nur ist und nicht willkommen geheißen. Der Film versucht den Figuren Sarkasmus und Zynismus unterzuschieben, ein Ausweg aus dem Dilemma, ein Umgang mit der menschlichen Katastrophe, der skrupellosen Natur, überall liegen oder hängen Leichen.
Es wird auf Tension gegangen und auf Spannung, auf Aktion und Konsequenzen, ein grausames Regime, ein brutales Vorgehen, ein radikales Unterfangen. Etwas Geduld muss man mitbringen, ein langsames Vordringen, die Luftfeuchtigkeit (gedreht wurde in Puerto Rico und Kolumbien) hoch, der Unterschied zwischen Albtraum und Realität verschwindet, es wird zwischenzeitlich psychologisch aufgezogen und mit der Handkamera nahe an der Epikrise eingefangen. Eine Stürmung mit Scharfschützen im Hintergrund, mit Kopfschüssen en masse, mit neuen Problemen, die Intensität am Steigern, der Film erst angefangen. Die richtigen Dinge zu tun und die falschen Dinge zu tun sind hier im Grunde die gleichen, eine moralische Grauzone wird geschaffen, eine Überlegung eingeleitet; es wird nicht rein auf das Spektakel geschielt, sondern das Milieu und die Kollektive begleitet, mehr Thriller als Aktion, zwischendurch mit mystischem Belieben, mit Unerklärlichen und Unerklärbaren.
Warm und kräftig in den Bildern, das Eindringen das kleinste Übel, die Flucht das größere, es wird gemenschelt auch und gemauschelt, es wird gemeuchelt, es wird geflucht und geschwitzt, von einem 'dark place' zum nächsten, mit mehr Anspruch und Motivation als üblich; was auch für die Darsteller und ihre Leistungen gilt. Eine Bombe zerreißt die Wand, den Raum, die Leiber, ein Krieg im Dschungel und ein Krieg in den Straßen, ein Feuergefecht von einer Seite zur anderen, mit Maschinengewehr, mit der RPG, mit schwerem Kaliber, Zivilisten als Bauernopfer und menschliche Schutzschilde. Gefangene werden keine gemacht, “for fame and fortune“, sie werden lebendig verbrannt.