Review

Drollig-kreatives Dimensionenhopping

Eine frei im Raum stehende Tür in einem abgelegenen, unbewohnten und heruntergekommenen Gebäudekomplex - durch die eine halbwegs berühmte Graffitikünstlerin geht und spurlos verschwindet. Von einem Handyvideo aufgenommen. Fake oder furchtbar? Meistertrick oder Mysterys of the Century? Zwei neugierige Dokumentarfilmerinnen machen sich in diesem Found Footage-Überraschungsei auf Spurensuche - und fremde Welten…

Multiverse of Imagination

Manche Türen sollten lieber geschlossen bleiben… Found Footage hat es im Horrorbereich schwerer als jedes andere Subgenre. Behaftet mit (oft zutreffenden!) Vorurteilen und Krähenfüßen, dem Ruf von Amateurhaftigkeit und Anfängerschaft. Faulheit und Falschheit. Gimmick und Geht-so-Attitüde. Im schlimmsten Fall einfach nur paar Kumpel zusammen mit der Kamera (oder dem Handy heutzutage) im Wald. Zu oft stimmt das auch. Es ist einfach höllisch einfach heutzutage geworden einen „Film“ zu machen. Dass dabei ganz und gar nicht automatisch ein „Blair Witch Project“ oder „Paranormal Activity“ herauskommt versteht sich von selbst. 

Wenn du es denken kannst, kann es wahr sein

Aber es gibt positive Ausnahmen. Man muss nur wissen, wo man suchen muss. Und dann findet man vielleicht in den abgelegeneren Winkeln unserer Genrefilmdimension sowas wie den kreativ-komischen „Hostile Dimensions“. Der wirkt wie eine Low Budget-Kreuzung aus verlängerter „V/H/S“-Episode, einer Alptraumcollage und „Grave Encounters“. Die Menschen sind wunderbar normal. Die Möglichkeiten der Dimensionen und Parallelwelten sind breit gefächert. Von witzig über bizarr bis höllisch. Und der dunkle Humor und die Kreativität überlagern den Horror fast etwas. Aber das geht vom Gefühl und Unterhaltungswert klar für mich. Gerade bei einer im Flug vergehenden Laufzeit von nichtmal 80 Minuten. Und fast das Wichtigste: man merkt hier jederzeit, dass der Regisseur weiß, wie man mit dem Subgenre und der Handkamera, mit Schnitten und Tricks, mit Szenenwechseln, Augenzwinkern, Metaebene und cleveren (!) Jumpscares umgehen muss. Ich will nicht direkt sagen, dass hier schon ein Found Footage-Meister am Start ist, aber „Hostile Dimensions“ hält seine tonale Balance sehr solide, nutzt sein Medium gut und macht Lust auf mehr Found Footage (die es gibt!) von Graham Hughes. Z.B. „Death of a Vlogger“ könnte ebenfalls sehr spannend und passend sein.

Gibt’s auch eine Tür zur Monster AG?

Fazit: einfallsreich, süß, manchmal creepy, nie berechenbar. „Hostile Dimensions“ arbeitet genauso gut mit Technik wie mit Ängsten. Und ist eines der sehenswerteren Found Footage-Kuckuckseier der jüngeren Genrevergangenheit. Mit Luft (vor allem im Bereich Angst und Terror) nach oben. Die Ideen und Abstrusitäten sind aber schon stark in diesem hier. Nur das Schauspiel ist arg steif und dilletantisch. 

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