Geht es um Actionfilme aus den Philippinen, dann denkt der geneigte Genrefreund vor allem an die zahlreichen Billigholzer, die Cirio H. Santiago und Co. in den 1970ern, 1980ern und 1990ern auf die Filmwelt losließen. Aktuell schaffen sie seltener den Sprung in westliche Gefilde als damals, doch manchen Reißern wie „Topakk – The Last Battle“ gelingt dies immer noch.
Eine Hauptfigur ist der Soldat Miguel Vergara (Arjo Atayde), den man in der Auftakt(action)sequenz kennenlernt, die vor Genreklischees nur so trieft. Eine Horde Soldaten jagt durchgeknallte Kultisten im Dschungel, Miguels bester Kumpel redet davon, dass er bald Vater wird und unterschreibt damit nach alter Action- und Kriegsfilmsitte sein eigenes Todesurteil. Dass sich Miguel laut über das Vaterglück des Freundes freut, ist freilich auch nicht hilfreich, denn kurz darauf brechen die Kultisten aus dem Busch, um die Mitglieder der Einheit umzunieten oder nach Gefangennahme mittels Macheten niederzumetzeln. Der vermeintlich tote Miguel entgeht diesem Schicksal und killt die Sektierer beim Gegenschlag, kann aber niemandem mehr retten – der beste Kumpel haucht sein Leben natürlich in Miguels Armen aus.
Einige Jahre später ist Miguel mehr schlecht als recht im Zivilleben angekommen, erhält aufgrund seiner militärischen Ausbildung immerhin einen Job als Nachwächter in einem Lagerhaus. Noch weniger sonnig sieht es für den Drogensüchtigen Bogs Diwata (Kokoy De Santos) aus, der seinen Konsum durch Dealerei und Aufträge für das Syndikat finanziert. Er und sein bester Kumpel haben Mist gebaut, der Freund wird auf offener Straße erstochen, Bogs gerade noch durch das Eingreifen seiner Schwester Weng (Julia Montes) gerettet. Sie bietet an einen Auftrag mit Bogs durchzuführen, einen Botengang, um dessen Leben zu retten und die Schulden zu begleichen. „Topakk“ zeigt das Milieu als einen grausamen Ort, in dem ein Leben nicht viel wert ist – ein roter Faden, der sich durch den Film zieht.
Als Bogs und Weng jedoch am Bestimmungsort ankommen, rückt eine kriminelle Todesschwadron der Polizei an und macht kurzen Prozess mit den Anwesenden. Die Geschwister können fliehen, werden aber von den Schurken verfolgt. Als sie in der Lagerhalle, die Miguel bewacht, unterschlüpfen, wird dieser ebenfalls zur Zielscheibe, weiß sich aber zu wehren…
Seit einigen Jahren haben sich ultraharte Martial-Arts-Actionreißer aus Indonesien wie „The Raid“, „The Night Comes for Us“ oder „Codename 13“ als Trendsetter im Actiongenre erwiesen. Aus Indien schlugen „Kill“ und „Marco“ in die gleichen Kerbe, „Topakk“ präsentiert sich als philippinischer Vertreter dieses Trends. Mit den genannten Filmen teilt sich „Topakk“ jedenfalls den Härtegrad und die Stimmung: Berichte von Massakern im Drogenkrieg laufen im Fernsehen, später werden die Hauptfiguren live damit konfrontiert. Nicht nur in den Kampfszenen macht „Topakk“ keine Gefangenen, sondern auch dann, wenn die Todesschwadron ein ganzes Drogenlabor abschlachtet, obwohl viele der Arbeiter dort so wenig freiwillig schuften die Weng und Bogs. Dass das Syndikat seine Drogen in Leichen schmuggelt, ist eventuell von „Bad Boys II“ inspiriert, unterstreicht hier aber auch die Weltsicht der Narco-Gangster: Für sie sind Menschen nur Material, egal ob tot oder lebendig.
Allerdings ist das eher Stimmung als politisches Statement, trotz des Drogenkriegs auf den Philippinen, der gerade unter dem Ex-Präsidenten Duterte mit menschenverachtender Härte geführt wurde. Wenn es zum Kern des Films kommt, dann geht es einfach um einen Haufen von Leuten, die sich bis aufs Blut in der Lagerhalle bekriegen. Die Figurenzeichnung geht ab diesem Moment dann eh aus dem Fenster, obwohl der Weg bis dahin fast 45 Filmminuten in Anspruch nimmt. Miguel steckt sich abends die Waffe in den Hals wie dereinst Martin Riggs in „Lethal Weapon“, besucht die Frau des Getöteten und ist immer noch von den Vorfällen aus der Auftaktszene traumatisiert, bei der mittlerweile cleanen Weng wird ihre Vergangenheit als Junkie zwar angeführt, aber nie richtig thematisiert. So machen Arjo Atayde und Julia Montes in den Hauptrollen durchaus einen guten Job, sind aber eher körperlich gefordert, Gegenspieler wie Sid Lucero müssen in erster Linie eine fiese Fresse ziehen und der sonstige Supportcast ist kaum der Rede wert.
Ähnlich stiefmütterlich wie die Charakterzeichnung wird die Hintergrundgeschichte ab dem Zeitpunkt behandelt, an dem der Film in der Lagerhalle ankommt. Die Todesschwadron ist offensichtlich mit einem Syndikat im Bunde und beseitigt anscheinend deren Rivalen, gleichzeitig gibt es Animositäten mit anderen Polizeieinheiten. Selbst mit den Kartellverbündeten ist man sich nicht grün. Die korrupte Bürgermeisterin schaut für zwei Szenen vorbei, Gangsterbosse und hochrangige Polizei-Korrumpel erteilen Mordbefehle, aber wirklich erklärt oder ausgearbeitet wird dieses Geflecht nicht. Stattdessen soll dies als Erläuterung dafür dienen, dass sich die Schurken bisweilen gegenseitig ans Leder wollen. Gleichzeitig streckt es den Film zusammen mit der langen Exposition auf knappe zwei Stunden, die man eigentlich auch in knackigen 90 Minuten hätte abhandeln können.
Dafür holen Regisseur Richard Somes und sein Stunt Coordinator Erwin Tagle viel aus den begrenzten Mitteln des Films heraus, der größtenteils in der Lagerhalle spielt. Die Location mit ihren Industrieanlagen und Restbeständen wird variantenreich genutzt, nicht umsonst warnt der Lagerleiter Miguel bei dessen Einführung, dass hier noch reichlich explosives Material rumliegt. Gelegentlich sprechen hier die Feuerwaffen, meist bekriegen sich die Leute allerdings mit bloßen Händen oder Nahkampfwaffen, von Messern bis hin zu improvisierten Waffen wie den Resten eines Industrieventilators. Der Härtegrad ist ziemlich hoch, wenn Köpfe mit Stahlträgern zerquetscht werden, Gedärme aus aufgeschlitzten Bäuchen fallen oder entflammte Gegner entweder brennend oder mit schwersten Verbrennungen noch so lange weiterkämpfen, bis sie hinüber sind. Doch nicht nur in Sachen Härte, sondern auch in Sachen Choreographie kann sich „Topakk“ beim Hauen, Stechen und Schlitzen sehen lassen. Die meisten Kampfszenen sind durchaus temporeich und beziehen die Umgebung oft kreativ ein, auch wenn die ganz großen Signature Fights wie in den Vorbildern (man denke an die Konfrontationen des Helden mit Hammer Girl und Baseball Bat Man in „The Raid 2“) hier noch fehlen.
„Topakk“ braucht ein bisschen zu lang, um in die Puschen zu kommen, zumal all die Versuche von Charakterzeichnung und Hintergrundgeschichte aus dem Fenster geworfen werden, sobald die Hauptfiguren sich in der Lagerhalle gegenseitig bekriegen. Dafür bietet das Ganze reichlich derbe, schick choreographierte Fights in großer Menge und von ordentlicher Dauer. Die ganz herausragenden Kampfszenen, über die ein Genrepublikum noch Jahre später spricht, fehlen „Topakk“ zwar, sonst ist das hier aber eine ordentliche Packung Martial-Arts-Gemetzel mit gelungen düsterer Stimmung.