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Vordergründig dürfte es immer zwei Lager geben: Die einen, die Kinder bekommen und in der Erziehung voll aufgehen und die Kinderlosen, die um nichts in der Welt ihre Freiheit einbüßen möchten. Autorin und Regisseurin Marielle Heller spricht mit ihrem Stoff zunächst beide Gruppen an und weist anbei auf eine Situation hin, die beide Lager und ihre Bedürfnisse überschneidet.

Einst war sie (Amy Adams) Künstlerin und Kuratorin, doch seit der Geburt ihres Sohnes hat sie ihren Beruf an den Nagel gehängt und kümmert sich ausschließlich um den Nachwuchs, während ihr Ehemann (Scoot McNairy) unter der Woche beruflich unterwegs ist. Frustration und Verzweiflung treiben die Mutter in eine Richtung, welche sie ihre animalischen Triebe entdecken lässt, die während der Dunkelheit zum Vorschein kommen…

Der Einstieg betritt eine durchaus komödiantische Ebene, als die namenlos bleibende Mutter ihre Alltagsroutine schildert, welche Redundanz und Dauerstress beinhaltet, was in einer verhassten Kleinkinder-Mütter-Gruppe mündet, in der ein übereifriger Pädagoge per Gitarre Mitmachlieder vorträllert. Der mitschwingende Sarkasmus ist nicht zu übersehen und gibt einen Ton vor, der sich im Verlauf durchaus steigern ließe.

Dann gesellt sich eine leicht mystisch anmutende Komponente hinzu, als die Mutter körperliche Veränderungen an sich ausmacht, einen verfeinerten Geruchssinn an sich feststellt und dem Drang nachgibt, auch mal nachts durch die Vorstadtstrassen zu streunen.
Doch diese Form von Eskapismus bleibt im Weiteren etwas auf der Strecke und obgleich gut dressierte Hunde untermauern, was hier im vermeintlich animalisch-mystischen Bereich noch möglich gewesen wäre, strauchelt die Geschichte bereits zur Halbzeit.

Denn im Grunde wird nicht mehr als die Bestandsaufnahme einer frustrierten Mutter geliefert, die irgendeinen Weg sucht, wieder sich selbst und ihre künstlerische Passion aufzunehmen und sich zu verwirklichen. Die Botschaft dahinter ist natürlich lobenswert, doch der Weg dorthin plätschert ohne wirkliche Höhepunkte vor sich und erfährt vor allem keine dramaturgische Steigerung oder gar Spannung.

Hinzu kommt der unausgegoren aufgezogene Genremix: Wähnt man noch eine Nuance Body Horror und eine surreale Zweitebene, bleibt die Chose doch weitgehend bodenständig und am Ende auch recht austauschbar, zumal der Humor zusehends schwindet und allenfalls ein wenig Situationskomik mit ordentlichem Timing davon zeugt, was hier an Chancen vergeben wird.

Bei alledem ist die bodenständige Inszenierung und das sehr starke und überaus präsente Spiel von Amy Adams zu loben, die den Stoff überdies in vielen Szenen aufwertet. Doch das Mutterschaftsdrama, welches anfangs noch Hoffnung auf eine ansprechende und ideenreiche Erzählung aufkommen lässt, verschwindet gegen Ende in der Belanglosigkeit. Das ist zwar über weite Teile sympathisch und ohne erhobenen Zeigefinger aufgezogen, aber eben auch relativ substanzlos, während Horror - und Thrillerfans mit diesem Streifen aufs komplett falsche Pferd setzen.
5 von 10

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