Review

Sämtliches Fett weggetrimmt

"Shell" ist ein weiterer, kleinerer Vertreter der immer noch recht ungebremst rollenden Bodyhorrorspeckrolle der aktuellen 2020er und erzählt von einer ehemaligen Schauspielerin, die körperlich nicht mehr ganz die Alte ist und die im toxischen Dunstkreis einer "perfekten" Lifestyle-Guru-Queen neuen Erfolg sucht - jedoch eher körperliche wie seelische Schmerzen und düstere Geheimnisse der gesamten Brache und oberen Gesellschaft findet...

Hummer²

"Shell" hat zweieinhalb Asse im Ärmel. Seine beiden grandiosen Ladies, Moss und Hudson, die man immer noch hollywood-unterschätzt nennen könnte und die sich selbst für solch ein "B-Movie" nicht zu schade sind. Und die nicht super vielen, aber dafür sehr soliden und schmerzhaften praktisch-ekligen Effekte, wenn Haut weggeschabt und Alter gewieft versteckt wird. Neu oder besonders clever sind die Aussagen und Themen allesamt sicher nicht. Und ich könnte mir vorstellen, ohne die genannten größeren Kaliber in den letzten Jahren wäre "Shell" vielleicht gar nicht entstanden oder weiter unter Verschluss gehalten worden, unter ferner liefen gelaufen. Aber auf ihn verzichten wollen hätte ich jetzt auch nicht unbedingt. Er ist schon unterhaltsam und augenzwinkernd und gut genug. Sexy und slick. Gerade wenn man die Erwartungen nicht allzu hoch ansetzt. Er ist auch sexuell für Hollywood ungewohnt offenherzig. Er hat diesen gewissen 90s-Sleaze und eine toxisch-kurzweilige Mischung aus kaputter Haut, Sex und Horror. Falten treffen auf Fun. Ein paar cronenberg'sche Insidergags. Eigentlich alles ganz süß in seiner Gallig- und Giftigkeit. Camp richtig gemacht. Und gerade wenn man Frau Moss mag - und wie könnte man das nicht! - dann hat "Shell" schon genug auf dem körperlichen Kerbholz, um ihn milde zu empfehlen. Wenn man denn Bodyhorror noch sehen kann...

Fazit: Gar nicht so schlechte Bodyhorror- und Hollywoodsatire. Platt aber praktisch. Nicht fein, aber charakterlich astrein. Und deutlich bewusst "dumm". Kein "The Substance" oder "The Ugly Stepsister", geschweige denn ein "Society" oder "The Fly", aber eine nette, wadenbissige Hommage an die 90er und kranke Schönheitsideale - damals wie heute. Hat vielleicht nicht ganz die Eier(stöcke) und Möglichkeiten in die Vollen zu gehen. Ist aber nicht übel. Und Elisabeth Moss ist immer ein Gewinn - gerade bei solch pulpigem, leicht kippendem Material... 

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