Geht man nahezu ohne Vorkenntnisse an den Psychothriller der Regisseurin Natalie Erika James heran, wird es zusehends Entrüstung hinsichtlich eines überdeutlichen Plagiats geben.
„Rosemaries Baby“ von Roman Polanski stand aber nicht nur Pate, sondern der Stoff soll die Vorgeschichte erzählen, die dem Original doch auf wundersame Weise verdammt ähnelt.
New York 1965: Tänzerin Terry (Julia Garner) erleidet während eines Auftritts einen schweren Unfall und wird auf bestimmte Zeit nicht mehr auftreten können. Nach einem Zusammenbruch wird sie von dem älteren Ehepaar Minnie (Dianne Wiest) und Roman (Kevin McNally) aufgegriffen und erhält ein kostenloses Apartment zur Erholung. Doch handeln die beiden wirklich uneigennützig?...
Nein. Natürlich nicht. Denn jeder, der irgendwann Polanskis Klassiker sichtete, kann sich Schritt für Schritt erinnern, wie sich der Kreis der Bedrohung für die Hauptfigur stets enger zog. Terrys Geschichte wird demgegenüber kaum verändert. Zwar nimmt der Tanz einen gewissen Raum ein, doch mit dem Einzug ins Apartment liegen die Dinge klar auf der Hand und variieren kaum.
Bezeichnenderweise kommen entsprechende Alptraumsequenzen weitgehend uninspiriert daher, lediglich ein surreal anmutender Tanz nach einem einschneidenden Ereignis weist eine phantasievolle und gut ausgeklügelte Choreographie auf. Das Gefühl der steten Beobachtung und Kontrolle und der zeitgleiche Vertrauensverlust halten das überschaubare Konstrukt zwar einigermaßen bei Laune, doch in Sachen Spannung kommt nicht viel herum und auch die Bezüge zur späteren Protagonistin Rosemarie bleiben, bis auf eine Szene im Waschsalon eher außen vor.
Glücklicherweise trägt Hauptdarstellerin Garner die Chose souverän und performt recht variabel und generell ist die Besetzung treffend gewählt, wobei Wiest und McNally mit gebotener Zurückhaltung spielen und für angemessenes Unbehagen sorgen. Der Score vermag da nicht ganz mitzuhalten, was sich speziell während des Abspanns beim Einfügen des markanten Originalthemas von damals offenbart.
Letztlich wäre die Idee einer ausgeklügelten Vorgeschichte gewiss tauglich gewesen, wenn man diese etwas deutlicher variiert und vielleicht mehr auf die Belange des alten Paares zugeschnitten hätte. So aber ergeben sich überdeutliche Parallelen zum Original, was dieses zwar einerseits huldigt, doch dem Kosmos um Rosemarie und der Vormieterinnen keine frischen Facetten hinzufügt.
5,5 von 10