Review

Spätestens hier hätte die Mietpreisbremse greifen müssen...

Fast schon wunderlich, dass Polanskis Meisterwerk "Rosemarys Baby" bis in dieses Jahr von der innovationsarmen Sequel-/Prequelwelle nicht erfasst wurde. Die Serie im letzten Jahrzehnt habe ich scheinbar erfolgreich verdrängt. Das Original thront zu gut über allem. Manche Dinge muss man eigentlich auch nicht anfassen. Das hätte sich Polanski auch persönlich zu Herzen nehmen sollen... aber das ist ein anderes Thema. Nun hat es schließlich auch sein Magnum Opus erwischt und Paramount+ lässt mit dem hochwertigen, aber sehr egalen "Apartment 7A" ein Prequel vom Stapel und der Stange - über Rosemarys naive Vormieterin und Theaterdarstellerin, die in diesem teuflischen Gebäudekomplex und swingenden Jahrzehnt ebenfalls schon mit satanistischen Kräften und zeitgenössischen wie zeitlosen Unsitten (vor allem der Männer) kämpfen musste...

Braucht "Rosemarys Baby" ein Update? Einen Subtext? Eine Vorgeschichte? Zu viel Erklärung? Muss man dem Mythos seinen fauligen Unterbau nehmen? Muss man weiter auf gesellschaftskritischen Botschaften herumreiten? Kann das Böse nicht einfach mal das Böse bleiben? Auf viele dieser Fragen lautet die Antwort natürlich eindeutig und nur echt mit Ausrufezeichen: "Nein!". "Apartment 7A" ist ein kläglicher und schon oft durchkonfigurierter Versuch heutige #MeToo-Themen in die 60er zu legen. Und ganz nebenbei tut man damit dem Original auch noch einen Bärendienst. Hauptdarstellerin Julia Garner macht einen klasse Job. Aufopferungsvoll und voller Nuancen. Das wird mal eine Große! Auch ein paar Legenden in Nebenrollen (Dianne Wiest!) spielen sich die Hintern ab, manchmal nah am Overacting. Die Ausstattung dieses Jahrzehnts ist authentisch und opulent in seinen Braun- und Dunkelgrüntönen. Nicht nur für einen reinen Streamingfilm. Und ein paar eingestreute Musicalnummern haben mich überrascht. Doch richtig Wirkung, Faszination, Unsicherheit, Grusel oder gar Mitleid - was "Rosemarys Baby" alles bis zur Perfektion kombiniert + getrieben hat - will hier beim besten Willen nicht aufkommen. Allein seine Visuals reichen, um nicht einzuschlafen. Eyecandy ist das schon irgendwie. Auch in den zahlreichen Traumsequenzen. Aber irgendwie fehlen die Beweggründe, der Horror, manchmal wirkt das sogar wie eine Parodie des Originals mit überzeichneten Akzenten der alten Ladies, den lechzenden Männern und dermaßen heftigem 60s-Flair, dass man den Rauch in den Tapeten förmlich riechen kann. Es fehlt einfach Magie und Eindringlichkeit. Es wirkt wie ein stylischer Cashgrab. Immerhin hübsch an der Oberfläche. Aber aus den falschen Gründen filmseelisch faulig. Stangenware zumindest audiovisuell done right.

Fazit: weder "Rosemarys Baby" würdig noch ein wirklich eigenständig-gruseliger Okkulthorrorfilm. "Apartment 7A" hinkt seinem Mutterfilm und ebenso all seinen neueren Vorbildern (z.B. dem "Suspiria"-Remake) zu stark und deutlich und blass hinterher. Ein Paradeprequel für's Aufzeigen von Unnötigkeit. Ohne je eine Frechheit zu sein. Allein schon die Ausstattung ist exquisit, Themen wie Machtmissbrauch und Gleichberechtigung werden nicht alt. Nur einfach all around nicht mit genug Ideen und Daseinsberechtigung. Das wollte keiner wissen, keiner sehen, keiner erklärt bekommen. Braucht man nicht. Es gibt doch Romanskis Meilenstein, der alles gesagt hat.

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