Der Papst ist tot, man sucht seinen Nachfolger. Hierfür versammeln sich die Kardinäle in Rom, leiten wird das Konklave der britische Kardinal Lawrence. Dieser hat es nicht nur mit den Favoriten dieser Wahl und ihren allzu menschlichen Seiten zu tun, sondern auch mit einem bis dahin unbekannten Kardinal. Und so beginnt das Schachern um Stimmen, es kommt zu Nachforschungen und Enthüllungen.
Und schafft man es zu vergessen, dass sich der von Edward Berger inszenierte Film mit einer Gruppe von durchgefütterten alten Herren in Marmorbauten dreht, deren Geschäft der Verkauf von Fantasiegeschichten ist, so kann man in „Conclave“ einen ruhigen und ansprechend bebilderten Thriller finden. Ausgestattet und gefilmt ist das Werk formidabel, gedreht wurde in den Studios Cinecittà und auch im Schloss Caserta bei Neapel. Eindrückliche Kulissen gibt es zu sehen und auch die Filmmusik von Volker Bertelmann tritt immer wieder positiv in Erscheinung. Das Sounddesign wirkt dafür oft unangenehm nah. Atmen, Knarzen, das Rascheln von Kleidung – es klingt dicht dran, beengend, aufdringlich.
Inhaltlich, und das ist vermutlich rein persönlich, kann ich trotz der erzählerischen Qualitäten von „Conclave“ kaum über das Drumherum hinwegsehen und wenn ich den Gestalten beiwohne, wecken weder der Ablauf dieser Karnevalssitzung noch die Verstrickungen der Mitglieder wirklich großes Interesse bei mir. Am Ende bekommt man noch einen Twist vorgesetzt, der wie die Pointe eines Witzes wirkt, von dem man nicht wusste, dass man ihn erzählt bekommen hat.
Dabei hat Bergers Film einen guten Fluss, es passiert immer irgendwas und doch geschieht dies mit einer gewissen Ruhe. Heikle Themen werden dabei nur am Rande angerissen und selbst das, was hier aufgedeckt wird, ist eher milde dramatisch. Das zeigt sicherlich die Entrücktheit dieser Parallelwelt und man merkt, dass dem Skript etwas an mancher Offenlegung dieses Zirkus' liegt, wirklich tief schürft es aber nicht. Letztlich ist organisierte Religion nur eine eigene Form der Politik.
Ralph Fiennes spielt mit einer bestimmenden Ruhe und doch vermag man in seinem Charakter die Emotionalität zu erfassen – wie auch die am Ende zutage tretende Schwäche. Nicht unerwähnt bleiben dürfen Stanley Tucci und Isabella Rossellini, beide liefern in ihren Szenen jeweils eine starke und einnehmende Leistung.
„We've had worse.“
Unstrittig überzeugt „Conclave“ in den technischen Kategorien. Kamera, Musik, Ausstattung, Schnitt und Design sind ansprechend, auch der Cast mit Fiennes, Tucci und Rossellini ist top. Diese eigene Welt, die vom Nichtwissen lebt, birgt allerdings immer eine Distanz zu mir, sodass ich mich durch den Plot nicht mitreißen lassen kann. So ging auch das auf überraschend getrimmte Ende recht schulterzuckend an mir vorbei.
Guter Film. Nicht mein Thema.