„Endlich Konklave", so zumindest waren meine Gedanken bei all der Lobpreisung bisher. „Eine Entmystifizierung auf Basis eines Romans von Robert Harris“, na dann los. Das Thema ist ungemein spannend, vor allem aufgrund der nicht anders als geheimnisvoll zu bezeichnenden Strukturen hinter den Türen der katholischen Kirche. Im Gegensatz beispielsweise zum Islam, dessen Gesamtheit auf einem Bierdeckel reproduzierbar ist, wie auch anders bei einer Glaubens-Irreführung, die auf Basis eines einfachen Geistes funktioniert. Der Vatikan dagegen, ein undurchschaubares schwarzes Loch voller jahrhundertealten Wahr- und Unwahrheiten, Schatten-Mächte, Finanz-Architekturen, Einfluss-Ränken. So reich an der bedeutendsten aller Währungen, Wissen. Und ein Sinnbild der westlichen Welt mit all Ihren Institutionen, Chancen und Gefahren, Zerren zwischen Tradition und Fortschritt. Im Gegensatz zu ihrem Ruf immer in Bewegung. Die christliche Kirche ist die Wiege einer Hochkultur, der Islam das Grab einer solchen. Konzeptionell umso bedenklicher, dass einerseits die neuen Schäfchen Roms in der unbeackerten Welt der niederen Kulturen rekrutiert werden, eigentlich oben Genannter "Jagdgebiet", andererseits deren führende Köpfe klein gehalten werden müssen, um nicht das Antlitz zu verlieren. Kein Politikum meinerseits, all die Themen und viele andere klingen im Film an. Ein Großteil der Zuschauer will vermutlich vor allem eine Kirchenkritik visualisiert sehen, bekommt das aber nur beschränkt. Beschränkt im Sinne einer objektiven Bestandsaufnahme mit Für und Wider. Es gibt diese Kräfte und jene, solcher Charaktere und solche. "Aber die Kirche ist veraltet und muss sich ändern, muss sich verbessern." Da stellt sich ebenso die grundlegende gesellschaftliche Frage, was gerade gesucht wird, bzw. die ewige Suche. Suchen wir mit Verstand, suchen wir mit dem Herzen, oder folgen wir einfach den Ruf nach einem ziellosen Aufbruch in etwas Unbekanntes, Hauptsache Veränderung. Starke Pigmentierung ist besser? Homosexualität ist besser? Ein Steinzeit-Paradigma wie der Islam ist besser? Frauen sind besser als Männer und Personen mit operativ umgebauten Körpern die absolute Speerspitze. Die Fragen werden quantitativ mehr und inhaltlich doch weniger, ein Drehrad der Selbstgeißelung, mit Antworten wie Luft in einem Vakuum. Bezüglich einem der Punkte, oder einem ähnlichen, wagt sich der Stoff später doch ein eindeutiges Statement. Wie auch immer, die Gedanken des Zuschauers sind frei. Die Suche nach dem neuen Pontifex erlebt Kabale und erlebt Zeitgeist. Wenn die Scheiben der Sixtinischen Kapelle durch einen Bombenanschlag einfliegen, die tägliche muslimische Kriegserklärung an die Zivilisation, finden wir uns im Jetzt wieder. Die Spaltung, Feuer gegen Feuer oder Tränen der Liebe auf glühenden Stahl. Auf welcher Verliererseite wirst du stehen?
"Konklave" glänzt neben dem hervorragenden Darsteller-Ensemble, Ralph Fiennes verdient endlich den Oscar, vor allem mit Kamera und Schnitt. Was für Bilder, ein Film für die große Leinwand. Die Drehgenehmigung für den Vatikan gab es natürlich nicht, was aber bezüglich Ausstattung zu keiner Zeit auffällt. Inhaltlich versucht er sich vor allem darin die Kirchendiener, als das darzustellen, was sie sind, Menschen. Weltliche, vorwiegend interessengetriebene Menschen. Der Krimi um den neuen Papst endet mit einem weiteren Knall, neben vorweg genanntem. Ein Geschmäckle, aber doch nicht geschmacklos, ich war nicht getriggert.