Horrorvorstellungen können sich auch aus dem Alltäglichen ableiten, paranormale Elemente sind hierfür gar nicht notwendig. Regisseur James Ashcroft vermag zwar mit einer erstklassigen Besetzung zu punkten, doch die Umsetzung, welche auf einer Kurzgeschichte beruht, lässt so manches Mal den Fokus zum Mitfiebern vermissen.
Richter Mortensen (Geoffrey Rush) war eben noch dabei, ein knallhartes Urteil auszusprechen, da erleidet er einen Schlaganfall und landet im Rollstuhl, anschließend in einem Pflegeheim. Hier wird er rasch auf Dave (John Lithgow) aufmerksam, der stets mit der Babypuppe Jenny Pen hantiert und nachts ungesehen Patienten drangsaliert und demütigt. Mortensen beschließt, dem Treiben des Unseligen ein Ende zu bereiten…
Die beiden Hauptakteure fungieren auch als Produzenten und liefern eine jeweils beeindruckende Performance ab. Speziell der Einschnitt bei Richter Mortensen untermauert, wie schnell ein Mensch in eine Lebenssituation geraten kann, die kurzerhand mit Kontrollverlust einhergeht. Menschen verlieren einen Großteil ihrer Würde, wenn ihnen Essen angereicht wird oder sie gewaschen werden müssen, - Demenz mag da in einigen Fällen gar befreiend sein.
In diesem Konglomerat aus Hilflosigkeit und Lethargie landet der Protagonist, dessen Konstitution gelegentlich schwankt. Denn anfangs wirkt Mortensen noch recht resolut, im Verlauf versagt hingegen die Motorik und auch die Aufmerksamkeit scheint getrübt. Über Dave erfährt man anfangs nicht viel, doch das unablässige Hantieren mit der Puppe und das ständige Herumtanzen vor der Truppe lässt nichts Gutes erahnen.
Folgerichtig schleicht sich rasch ein Gefühl von Beklemmung ein, doch es folgen lange Zeit keine konkreten Taten. Vielmehr wird der trostlose Alltag im Heim bebildert, was zuweilen viel zu ausladend ausfällt, vor allem, wenn einmal mehr eine musikalische Darbietung für das Kollektiv vonstatten geht. Zwar leuchten zuweilen die Klüsen jener Puppe, doch wirklich unheimlich kommt ihr Antlitz nicht rüber. Dies ist eher dem diabolischen Auftreten von Dave zu verdanken, der sich im Gegensatz zu den meisten anderen Patienten noch recht behände bewegen kann.
Leider kommt bei alledem nur selten Spannung auf und obgleich die wenigen Taten des Unholds Unwohlsein erzeugen, fragt man sich schon, warum niemand vom durchaus üppig vorhandenen Personal etwas mitbekommt oder warum hier scheinbar keine einzige Kamera installiert ist. Auch der Hintergrund des Antagonisten wird lediglich angedeutet, doch ernsthafte Motive werden nicht geliefert.
Und so fühlt man sich eher wie in einer (nicht konkret) anklagenden Milieustudie, die es versäumt, einen konstanten Thrill aufzubauen, was der lasche Showdown in allen Belangen unterstreicht. Sehr starke Hauptakteure und mindestens überzeugend agierende Nebendarsteller bilden im Zusammenhang mit dem soliden Handwerk eine passable Grundlage, doch diverse Längen und ausbleibende Spannung generieren am Ende leider nur müden Durchschnitt.
Knapp
5 von 10