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Ja liebe Kinder, "Deutschland sucht den Superstar" gibt’s auch in der USA...heißt da drüben natürlich anders, aber man verzapft denselben Dünnpfiff. Gewinnerin war da die kleine, süße Trällermaus Kelly Clarkson. Mit diesem 200000sten Britney Spears Abklatsch kann man ja noch leben, auch wenn die hirnlosen Poptextchen und 08/15 Melodien ordentlich auf die Eier gehen...aber die großen Medienkonzerne unserer Zeit wären nicht die größten, wenn sie nicht jeden und alles bis zum Exzess ausschlachten würden. Also was macht 20th Century Fox? Produziert für das Zugpferd Kelly gleich ein Pseudo-Teeniemusical, in dem sie nach Herzenslust deftige Popsongs zum Besten geben kann.
Da die Zielgruppe weder Verstand noch Niveau ihr Eigen nennen kann, ist die "Story" dazu dementsprechend nichtig: Eigentlich ist die süße Kelly ein ganz schüchternes Mädel, die gerne in einer Bar mit Band ein paar Countrysongs zum Besten gibt. Nur selten gibt sie sich mit Parties und Jungs ab. Aber da sind ja zum Glück ihre zwei Freundinnen: die blonde Sprechtitte Alexa und das kakaobraune Dummchen Kaya. Die haben nichts anderes mehr im Kopf, als nach Miami zum Spring Break abzudüsen, um Spaß mit ein paar Jungs zu haben. Irgendwie schaffen sie es dann doch noch, die brave Kelly mitzuschleppen... Schroffer Cut nach Miami: Justin, Brandon und Eddie wollen sich ebenfalls ins Getümmel stürzen. Der Weiberheld (trotz Froschgesicht?!) Brandon plant einen Bikinikontest, Justin ist sich auch nicht zu fein, Mädels anzubaggern und der Internetgeek Eddie, der wie immer als Tollpatsch und Loser herhalten muss, will sich mit seiner Onlinebekanntschaft treffen. Um endlich den Hormoncocktail servierfertig aufzutischen: Kelly trifft Justin, Justin verliebt sich in Kelly, Kelly verliebt sich in Justin, aber die beiden verlieren sich aus dem Auge bevor sie sich ihre ach so tolle und ernste Liebe gestehen können. Nur zufällig trifft Justin wieder auf Kellys Freundin Alexa. Die tut so also würde sie Justin Kellys Nummer geben, doch in Wahrheit ist es ihre...und weil unsere Alexa sich als fleischgewordener Männertraum, der von niemandem ernst genommen wird, abgespeist fühlt und auf Kelly eifersüchtig ist, versucht sie alles, um die beiden auseinder zubringen....die Schlange!!
Ach ja, the trials and tribulations of the young generation...schön war die Zeit! Also was erwartet uns bei "From Justin To Kelly"? Antwort: ein 80minütiges, pubertäres Hormonbad, zugeschnitten auf 12jährige Mädchen, die immer noch dem großen Traum hinterher fiebern, eines Tages ganz doll berühmt zu sein. Entweder muss der Zuschauer die gliedgesteuerten Jungs begleiten, die natürlich mit ihren blöden Sprüchen keine Gelegenheit auslassen, sich zum Affen zu machen oder man darf mit den ja ach so braven Mädels mitheulen, weil sie von den bösen bösen Kerlen sitzengelassen worden sind. Aber Pustekuchen, so schlimm kann's ja dann gar nicht sein, denn bereits 5 Minuten später geht's mit dem nächstbesten Bikinioutfit wieder ins Partyleben. Schnüff...
Inspirations- und ziellos schwenkt die Kamera zwischen halbnackten Tatsachen hin und her, gewürzt wird das Menü mit seichten und absolut hirnlosen Dialogen (der Saufabend mit Freunden bringt's auf einen höheren Durchschnitts-IQ), nur um eine schwachsinnige und inhaltslose Story zu verfolgen, die eigentlich gar nicht existiert. Mal ehrlich, wen interessiert es wirklich, ob sich sechs optisch makellose und geldurchnässte 16-Jährige auch schön toll auf dem Spring Break amüsieren oder ob sie endlich ihre große Liebe des Lebens finden, um sie nach zwei Minuten wieder sitzen zu lassen?!
Begleitet wird das unfreiwillig komische Treiben durch ständige Musikeinlagen, in denen die Hauptdarsteller ihre Lippen zu klebenden Popsongs vom Band bewegen. Jede "Performance" ist ein weiterer Tiefschlag und unterbricht den sowieso schon zähen Handlungsablauf. Nicht dass die Songs innovativ wären...neeeeiiin! Kennt man einen, kennt man sie alle. Christina Aguilera und Jeanette Biedermann wären stolz!
Dabei klang die Idee auf dem Reißbrett sicher gut: Ein Pseudo-Musical, verpackt in ein Teenieformat, mit derben Popsongs...zugegeben, man hätte daraus wirklich was machen können. Aber die Umsetzung ist einfach nur dilettantisch.
Genauso nichtig wie die Story ist das Talent der Darsteller. Sie mögen zwar alle recht nett singen können, aber schauspielern kann keiner. Und damit meine ich ABSOLUT keiner. Das zwanghaft amateurhafte Mimenspiel wird schnell zum Trauerspiel und die Akteure verhalten sich wie Zombies ... wenn sie nicht gerade für ihre Sing- und Danceeinlagen den epileptischen Hampelmann spielen müssen. Die Charaktere sind personifizierte Klischees, kein einziger wirkt sympathisch. Vielmehr sind sie schleimig und falsch - der Prototyp des schön braungebrannten, aber dummen US-Teenagers. Man nahm wohl an, dass das Publikum Mitleid für solche Pappfiguren aufbringt, aber leider weit gefehlt. Allein schon der liebe Justin erweckt die sadistischten Gefühle beim Zuschauer. Im Film finden sich ausschließlich Pseudocoolies, Loser, Idioten, Blondchen, Zicken und Leerhirne. Hauptsache Party Party Party...und vögeln.... Aber hier gleich die nächste Enttäuschung: wir sind zwar beim Spring Break, aber für Voyeure springt trotzdem nix raus.
Immerhin, "From Justin To Kelly" ist endlich mal wieder ein Grund, sich für die eigene Generation zu schämen (so wie ich leider auch)....vorausgesetzt man hält bis zum Schluss durch. Viermal hat sich mein Unterbewußtsein gemeldet und mich gezwungen, dieses alberne Mädchenwerk abzuschalten. Ich hätte doch gleich beim ersten Mal drauf hören sollen! Sowas dämliches hat nicht mal Kelly Clarkson verdient, und ehrlich gesagt bekam ich schon beinahe Mitleid mit ihr. Aber da sie nicht mal merkt, dass sie das ausgeschlachtete Huhn für 20th Century spielen muss und immer stehts gute Miene zum bösen Spiel macht, verwirft man den Gedanken schnell wieder. Hiermit möchte ich mich öffentlich und offiziell bei Britney Spears entschuldigen, denn im Vergleich zu dieser filmischen Nulldiät war "Crossroads" schon ein unvergesslicher Meilenstein. "From Justin To Kelly" ist ein bodenloses Fass unfreiwilligen Amusements...so inhaltslos, platt, ausgelutscht und hirntot, dass es jeden Mary-Kate & Ashley Olsen und Melissa Joan Hart-Film vom Hochstuhl der absoluten Stumpfsinnigkeit verdrängt. Glückwunsch, der Gurkenpreis für den schlechtesten Film aller Zeit hat einen neuen Besitzer.
Ich bin kein böser Mensch, und ich wünsche Kelly Clarkson ernsthaft alles alles Gute für die Zukunft, aber ich hoffe sie zeigt den Film nie ihren Kindern...oder Verwandten...oder irgendjemanden, der ihr etwas bedeutet.

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